Wirtschaft

Die wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben der Russischen Föderation sind Modernisierung der Wirtschaft, innovative Entwicklung und Aufbau eines günstigen Investitionsklimas. In Russland werden Komplexmaßnahmen zur Förderung des Innenbedarfs, Anlockung der Investitionen, sowie zum Ausbau der modernen energieeffektiven Hi-Tech-Produktion getroffen. Als vorrangige Richtungen gelten nach wie vor die Erhöhung der Aktivität und Attraktivität der Investitionen, Entwicklung der Hi-Tech- und Infrastrukturbereichen, die Modernisierung des Finanzsystems und Entwicklung des Humankapitals.

Nach Einschätzungen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation verlangsamte sich 2014 das Wachstum in Russland (sehen Sie Tabelle 1).

Tabelle 1. Gesamtwirtschaftliche Zuwachsraten
(in Prozent im Vergleich zum Vorjahr)

2013 2014
I II III IV Jahr I II III * IV * Jahr*
BIP 0,8 1,0 1,3 2,0 1,3 0,9 0,8 0,2 0,1 0,5
Verbraucherpreise 7,1 7,2 6,4 6,4 6,8 6,4 7,6 7,6 7,7 7,4
Industrieerzeugung -1,2 0,8 0,6 1,4 0,4 1,1 1,8 1,5 2,2 1,7
Kapitalanlage 0,1 -1,2 -0,3 0,4 -0,2 -4,8 -1,4 -2,3 -2,2 -2,4
Einzelhandelsumsatz 4,0 3,8 4,0 3,6 3,9 3,6 1,9 1,5 1,1 1,9
Reallohn 4,5 6,2 6,4 3,9 4,8 4,4 2,4 0,7 0,3 1,5
Verfügbare Realeinkommen der Bevölkerung 5,6 3,2 2,5 2,6 3,2 -2,5 1,7 1,8 0,2 0,3
Ausfuhr, Mrd. US Dollars 125 127 131 140 523 123 132 129 127 512
Einfuhr, Mrd. US Dollars 77 84 87 93 341 72 80 81 83 317

* Einschätzung des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation

Von der Seite der Binnennachfrage her ist die Wachstumsabschwächung größtenteils mit dem Rückgang der Investitionsnachfrage verbunden. Kreditbedingungen verschlechtern sich weiter, Kreditpreise steigen. Der Durchschnittswert der Kreditbedienung für Nichtfinanzunternehmen gemessen an Rubelkrediten mit dem Frist bis zu einem Jahr vermehrte sich von 8,8 % im Januar 2013 auf 10,7 % im Juli 2014 und mit dem Frist über ein Jahr – von 10,6 % im Dezember 2013 auf 11,9 % im Juni 2014.

Seit dem März 2014 begann die Steigung des durchschnittlichen ausgeglichenen Finanzergebnisses der Unternehmen nach der Senkung seit mehr als einem Jahr hindurch.  Vor allem verbesserte die Abwertung des Rubels die Situation im Vergleich zum Vorjahr: diese erhöhte die Ertragfähigkeit der Ausfuhrgeschäfte.

Kapitalinvestitionen schrumpften um 2,5 % vom Januar bis zum August 2014. Die Herabsetzung ist mit der Reduzierung der Investitionen kleiner Unternehmen verbunden. Gleichzeitig blieb die Zuwachsrate der Investitionen der groß- und mittelständischen Unternehmen auf das Niveau von etwa 2 % im ersten Halbjahr 2014.

Die Arbeitslosigkeit ausschließlich des Saisonfaktors beträgt im Januar-August 2014 5,1-5,2 % im Vergleich zum Durchschnittsniveau von 5,7 % im Jahr 2013.

Trotz des niedrigen Arbeitslosigkeitsniveaus verlangsamte der Reallohnzuwachs wesentlich, nämlich von 4,4 % im ersten Quartal 2014 auf 2,4 % im zweiten Quartal 2014. Insgesamt stieg der Reallohn nur um 2,9 % seit den ersten acht Monaten, was um 2,7 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr ist.

Im Januar-August stiegen Realeinkommen der Bevölkerung um 0,7 % im Vergleich zum Vorjahr, in erster Linie wegen der Verringerung der Unternehmereinkommen und Sozialleistungen. Dabei fielen sie um 2,5 % im ersten Quartal und stiegen um 1,7 % im zweiten Quartal.

Einer der Hauptfaktoren, die Wachstum unterstützten, blieb der Konsumbedarf. Der kleinere Zuwachs der Löhne und Einkommen der Bevölkerung beeinflusst aber immer mehr die Dynamik des Einzelhandels. Vom Januar bis zum August stieg der Einzelhandelsumsatz um 2,3 %, was 1,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr ist.

Der niedrige Realzuwachs der sozialwirtschaftlichen Zahlen und Verbrauchsnachfrage wird größtenteils durch die hohe Inflation beeinflusst. Ende August waren Verbraucherpreise 7,6 % hoher als im Vorjahr, während die Inflation am Anfang des Jahres 6,1 % betrug. Der Inflationszuwachs 2014 ist meistens mit Nahrungsgütern verbunden. Die Preisen für Lebensmittel stiegen von 6,5 % am Anfang des Jahres auf 10,3 % im August.

Der Außenhandelsumsatz betrug im Januar-Juli 2014 483,5 Mrd. US Dollar und sank somit um 0,8 % im Vergleich zu 2013. Dabei verringerten sich die Einfuhren um 4,9 % und Ausfuhren stiegen um 1,9 %.

Nach Angaben des Föderalen Zollamtes stieg den Warenexport wertmäßig im Januar-Juli 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 %, mit der Zunahme seines Mengenvolumens und Abnahme der Vortragspreise. In der Berichtsperiode stiegen Ausfuhrmengenvolumen der Ölerzeugnisse und des Erdgases. Dabei schrumpften Rohölausfuhrvolumen. Ebenfalls stiegen Außenlieferungen von Weizen (Wiederherstellung nach dem vorjährigen Rückgang).

Die russischen Importe zeigten wertmäßig eine negative Dynamik im ersten Halbjahr 2014, was durch den wesentlichen Einkaufsabfall mengenmäßig verursacht wurde. Dabei zeigten durchschnittliche Importpreise geringfügige positive Dynamik. Einkäufe der Ausrüstungsgüter, Produktion der Chemieindustrie und Metallurgie stürzten ab.

Die Industrieerzeugung wurde 2014 schneller nach der Abschwächung im Vorjahr. Während der ersten acht Monaten 2014 betrug Industrieerzeugungszuwachs 1,3 % (im Januar-August 2013 fiel er um 0,1 %).

Eine positive Einwirkung auf die gesamtwirtschaftliche Dynamik übt die Landwirtschaft aus. Der Produktionsumfangszuwachs der landwirtschaftlichen Erzeugung betrug in allen Branchen im Januar-August 2014 4,9 % der entsprechenden Periode des Vorjahrs gegenüber. Positive Erwartungen basieren auf einen reichen Getreideertrag (98-100 Mln. Tonnen, was 6-8 % mehr als im Vorjahr).

Voraussagen zufolge wird das Wirtschaftswachstum im III. und IV. Quartale 2014 etwa 0,1-0,2 % betragen. Insgesamt wird der BIP-Zuwachs o,5 % ausmachen.

Russland legt einen besonderen Wert dem Ausbau der wirtschaftlichen Integration im Raum der Gesellschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei. 2010 wurde die funktionsfähige Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan gegründet. Von 1. Januar 2015 ab übt die Eurasische Wirtschaftsunion ihre Tätigkeit auf der Basis der Zollunion. Bald wollen darin auch Armenien und Kirgisistan eintreten. Dieser Integrationsmechanismus soll einen freien, diskriminierungslosen Verkehr der Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte fördern.

Nach mehr als 18 Jahren Verhandlungen ist Russland 2012 offiziell zum 156. Mitglied der Welthandelorganisation geworden. Der Beitritt soll die Export- und Handelsbeschränkungen für russische sowie ausländische Waren, Kapital und Dienstleistungen abbauen und zur Entwicklung der noch mehr dynamischen, innovativen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft beitragen.