Deutsch-russische Wirtschaftsprojekte

Trotz der weiter bestehenden ungünstigen Rahmenbedingungen, und zwar der Stagnation der russischen Wirtschaft und der antirussischen Sanktionen des Westens, lässt sich 2016 im Bereich der deutsch-russischen Wirtschaftsprojekte eine positive Dynamik verzeichnen.

Experten sind sich sicher, dass sie weitgehend durch Stabilisierung der russischen Wirtschaft und vernünftige Schritte der russischen Regierung zur Anwerbung ausländischer Investitionen bewirkt worden ist. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Sonderinvestitionsvertrag als einem Instrument, das das unternehmerische Interesse antreibt. Dieser stellt russische und westliche Produzenten gleich, wenn die Letzteren ihre Produktion in Russland weitgehend lokalisiert haben.

Zum Ende 2016 unterzeichneten zwei deutsche Unternehmen einen entsprechenden Vertrag mit dem Ministerium für Industrie und Handel der Russischen Föderation: Landmaschinen-Produzent CLAAS und Hersteller von Werkzeugmaschinen DMG-Mori. Abstimmungen laufen dem Ministerium zufolge mit weiteren sieben Unternehmen aus Deutschland.

Zu bedeutsamen Ereignissen im Bereich bilateraler Projekte zählen 2016 ebenfalls die Verhandlungen zwischen der RZD (Russische Eisenbahn) und dem Konsortium Deutsche Initiative über die Beteiligung der deutschen Seite am Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau – Kasan.

Darüber hinaus hat Fresenius Medical Care ein weiteres Dialysezentrum in Lipetsk eröffnet. Zum Februar 2016 funktionierten in Russland 36 Fresenius-Dialysezentren für 6 Tausend Patienten;

– Im März hat die Metro Group einen Metro-Cash&Carry-Großmarkt in Belgorod eröffnet. Im Laufe des Jahres wurden noch drei neue Geschäfte eröffnet. Insgesamt gibt es derzeit 93 Metro Cash&Carry-Großmärkte in Russland;

–  Im März haben Rosneft und Siemens AG ein Kooperations- und

Partnerschaftsabkommen unterzeichnet;

  • Im Juni haben SAP und Lukoil eine Absichtserklärung über strategische Zusammenarbeit im Bereich der Informationstechnologien unterzeichnet;
  • Am 28. Juni hat OOO WILO RUSS eine Produktionsstätte in Noginsk, Moskauer Gebiet, eingeweiht. Das neue Werk wird 70.000 Pumpen und Pumpensysteme pro Jahr produzieren. Das Unternehmen beschäftigt 400 Mitarbeiter;
  • Im September hat die Linde AG in Nischni Nowgorod eine neue Luftzerlegeranlage eröffnet;
  • Im September nahm die deutsche Fa. Bettermann ein Werk zur Herstellung von Elektrotechnik in der Sonderwirtschaftszone Lipezk mit 200 Arbeitsplätzen in Betrieb;
  • Der pharmazeutische Konzern Bayer und OOO NTFF Polisan unterzeichneten ein Abkommen über Produktionslokalisierung des Blutverdünners Xarelto;
  • Im November lief die Produktion eines neuen Modells des Kompakt-SUV VW Tiguan im Volkswagen-Werk in Kaluga an. Dadurch wurden 110 zusätzliche Arbeitsplätze gesichert.

Eine andere Tendenz prägt die Aktivitäten der russischen Unternehmer in Deutschland. Der Umfrage des Deutsch-Russischen Forums vom Oktober „Erwartungen russischer Unternehmen an den deutschen Markt“ zufolge plant etwa ein Drittel befragter Unternehmen, ihr Geschäft in Deutschland zu reduzieren. 40% davon würden dabei versuchen, den Umfang und die Intensität ihrer Aktivitäten beizubehalten. Zum Vergleich: 2013 gaben 90% der Befragten als Priorität ein weiteres Wachstum und Entwicklung ihrer Unternehmen an.

Dementsprechend sind 2016 die Ergebnisse russischer Unternehmen auf dem deutschen Markt recht bescheiden ausgefallen:

  • Ab Februar fliegt der russische Billigflieger „Pobeda“ aus Wnukowo nach Köln. Aeroflot bietet derzeit Flüge nach Berlin, Düsseldorf, Dresden, Stuttgart, Hamburg, Hannover und München aus Kasan;
  • Im Mai erfolgte der Produktionsstart eines deutsch-russischen Joint Ventures der Kirow-Werke zur Herstellung von Großwälzlagern;
  • Im Mai eröffnete das Unternehmen CSort aus Barnaul eine Niederlassung in Dresden;
  • Im Oktober erhielt der sibirische Stahlproduzent EVRAZ ein HPQ-Konformitätszertifikat von der Deutschen Bahn. Dieses Dokument ermöglicht dem russischen Unternehmen, ab 2017 an Ausschreibungen des deutschen Konzerns teilzunehmen.

Derzeit sind in Deutschland von 1.500 bis 2.000 Unternehmen mit russischer Beteiligung registriert.