Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen

Ab Mitte der 90-ger Jahre des XX. Jahrhunderts entwickelten sich die deutsch-russischen Beziehungen stufenweise und verzeichneten eine aufsteigende Tendenz. Sie basierten sowohl auf der tausendjährigen gemeinsamen Geschichte, darunter auf dem bilateralen Handel, als auch auf der Zusammenarbeit, die sogar in den Jahren des Kalten Krieges erfolgreich war und zur Überwindung der durch die tragischen Ereignisse des vorigen Jahrhunderts verursachten Entfremdung beitrug. Deutschland bleibt einer der wichtigsten außenpolitischen Partner Russlands

Zum Jahr 2012 erreichte die deutsch-russische Kooperation ihren Höhepunkt. Die bilateralen Beziehungen erlangten den Status einer „Modernisierungspartnerschaft“. Das bilaterale Handelsvolumen stieg auf ein Rekordhoch von 80 Mrd. Euro.

Die Ukraine-Krise und völkerrechtswidrige antirussische Sanktionen wirkten sich negativ auf die deutsch-russischen handelswirtschaftlichen Beziehungen aus. Als Ergebnis ließ sich eine drastische Senkung des bilateralen Handelsvolumens von 2013 bis 2016 verzeichnen: 2013 um 5% auf 77 Mrd. Euro, 2014 um 12% auf 67,7 Mrd. Euro, 2015 um 24% auf 51,5 Mrd. Euro, 2016 um 7,2% auf 48,0 Mrd. Euro.

Seit September 2016 legt der deutsch-russische Handel schrittweise zu.
2017 ist diese Tendenz erhalten geblieben. Nach Angaben des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft ist das bilaterale Handelsvolumen im Zeitraum vom Januar bis Mai 2017 um 31,93% auf 24,3 Mrd. Euro gestiegen, dabei sind die deutschen Exporte um 34,6% auf 13,8 Mrd. Euro und die Importe um 28,4% auf 10,5 Mrd. Euro gewachsen.

Die deutsch-russische Investitionszusammenarbeit ist auch in der jüngsten Zeit durch eine positive Dynamik gekennzeichnet. Im Jahr 2016 lag das Volumen der ausländischen Direktinvestitionen aus Deutschland in die russische Wirtschaft bei 1,95 Mrd. Euro gegenüber 1,78 Mrd. Euro im Jahr 2015.

Die bilaterale hochrangige ressortübergreifende Strategische Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Finanzen hat ihre Arbeit wiederaufgenommen, die sich als zwischenstaatliches Koordinierungsgremium im Bereich der Außenwirtschaftskooperation bewährt hat.

Kennzeichnend für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen nach der Verhängung der Sanktionen ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Regionen der Russischen Föderation und den deutschen Bundesländern.

Es sei auch auf das anhaltende Interesse der deutschen Unternehmergemeinschaft, darunter des KMU-Sektors, an der Wirtschaftstätigkeit in Russland hingewiesen, wo derzeit über 5.000 Unternehmen mit der deutschen Beteiligung registriert sind.

Neue Möglichkeiten für die auf dem russischen Markt agierenden deutschen Unternehmer bietet der Sonderinvestitionsvertrag an, der russische und westliche Produzenten gleichstellt, wenn die Letzteren ihre Produktion in Russland weitgehend lokalisiert haben.

Zum jetzigen Zeitpunkt unterzeichneten drei deutsche Unternehmen einen entsprechenden Vertrag: Landmaschinen-Produzent CLAAS, Hersteller von Werkzeugmaschinen DMG-Mori und Autohersteller Daimler. Abstimmungen laufen mit weiteren sechs Unternehmen aus Deutschland.

Deutsch-russisches Handelsvolumen 2006-2016

(in Milliarden Euro, nach Angaben des Bundesamts für Statistik)

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Warenverkehr 53,4 57 69,4 45,8 58,2 75,4 80,8 77,0 67,7 51,5 48,0
Einfuhr in Deutschland 30,0 28,9 37,1 25,2 31,8 40,9 42,7 41,2 38,4 29,7 26,4
Ausfuhr aus Deutschland 23,4 28,1 32,3 20,6 26,4 34,5 38,1 35,8 29,3 21,8 21,6
Ausgleichsbetrag 6,6 0,8 4,8 4,6 5,4 6,4 4,6 5,4 9,1 7,9

4,8