Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit

 

Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin

Leiter des Büros
Herr Evgenii ALESHIN

Tel.: + 49 (0) 30 224-87-580
Fax.: + 49 (0) 30 229-93-97
E-Mail bfkg@russische-botschaft.de

 

KRIEGSGRÄBERFÜRSORGE UND GEDENKARBEIT IN DEUTSCHLAND

Allgemeine Information

In der Bundesrepublik Deutschland befinden sich 4085 sowjetische (russische) Kriegsgrabstätten, davon 645 Grabstätten aus dem I. Weltkrieg.

Insgesamt sind in Deutschland mehr als 658 000 russische bzw. sowjetische Bürger bestattet:

  • 155 455 sind namentlich bekannt;
  • mehr als 503 000 sind anonym begraben.

Im Osten Deutschlands (Territorium der ehemaligen DDR) ruhen mehr als 323 000 sowjetische Bürger auf 841 Friedhöfen:

  • 2100 russische Kriegsgefangene aus dem I. Weltkrieg (16 Grabstätten),
  • über 300 000 sowjetische Soldaten aus dem II. Weltkrieg (825 Grabstätten),
  • etwa 17 000 sowjetische Soldaten und ihre Familienangehörigen aus der Westgruppe der Sowjetischen Truppen (Gruppe der Sowjetischen Truppen in Deutschland).

Im WESTEN Deutschlands ruhen mehr als 335 000 sowjetische Bürger auf 3244 Friedhöfen:

  • über 13 000 russische Kriegsgefangene aus dem I. Weltkrieg (629 Grabstätten),
  • mehr als 323 000 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus dem
    Weltkrieg (2615 Grabstätten),

Größte Grabstätten im Osten Deutschlands:

  • Zeithain (Sachsen) – ca. 30 000 sowjetische Kriegstote
  • Berlin-Pankow – ca. 13 000 sowjetische Kriegstote.

Größte Grabstätten im Westen Deutschlands:

  • Stukenbrock-Senne – ca. 65 000 sowjetische Kriegsgefangene,
  • Bergen-Belsen – ca. 50 000 sowjetische Kriegsgefangene.

 

Rechtliche Grundlagen

Folgende völkerrechtliche Dokumente bilden die rechtlichen Grundlagen für die Erhaltung der russischen Kriegsgräber in Deutschland:

  • Gemeinsamer Brief des Bundesministers des Auswärtigen und des amtierenden Außenministers der DDR im Zusammenhang mit der Unterzeichnung des Vertrages über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland.
  • Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der BRD und der UdSSR, 9. November 1990.
  • Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über Kriegsgräberfürsorge in der Bundesrepublik Deutschland und in der Russischen Föderation.

2010 laut dem Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation Nummer 1313 vom 01.10.2007 wurde das Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland eröffnet.

Erfassung der Kriegsgräber

Eine der Hauptaufgaben der Gedenkarbeit ist die Erfassung der russischen (sowjetischen) Kriegsgräber mit der nachfolgenden Erstellung der Registerkarten (das Datenblatt der Kriegsgrabstätte) und Gräberlisten. Dieses Datenblatt beinhaltet die Angaben über die Lage der Grabstätte, ihre Art, Anzahl der Bestatteten und den Zustand. Es wird auch der Friedhofsplan mit der genauen Lage jedes Grabes zusammengestellt. Die Registerkarte wird in 2 Sprachen und 3 Exemplaren erstellt. Das erste Exemplar gehört den örtlichen Behörden, das Zweite der russischen Botschaft, das Dritte wird nach Moskau zugeschickt, wo dieses digitalisiert und in der elektronischen Datenbank des Verteidigungsministeriums Russlands, OBD „Memorial“ gespeichert wird. Diese Datenbank benutzen täglich Millionen Menschen aus Russland und anderen Ländern, sowie ausländische Experten und Suchdienstmitarbeiter.

Das Hauptziel dieser Erfassung besteht in der Erstellung eines kompletten Verzeichnisses der russischen (sowjetischen) Kriegsgräber. Das gibt den Verwandten der Gefallenen eine Gelegenheit, aufgrund der Angaben in der Registerkarte das Grab ihres Angehörigen selbständig zu finden.

Die Erfassung der Kriegsgräber in den östlichen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, sowie in den westlichen Bundesländern Bremen, Hamburg, Saarland, Schleswig-Holstein ist komplett abgeschlossen.

In folgenden Bundesländern wird die Arbeit fortgesetzt: Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen.

Schicksalsklärung und Ermittlung der Begräbnisstätten

Ein Bestandteil der Erfassung ist die Klärung der Schicksale von Gefallenen, die Rückgabe ihrer Namen und die Ermittlung der Begräbnisstätten.

Diese Arbeit wird gemeinsam mit Vertretern russischer und deutscher Archiveinrichtungen, sowie deutschen und internationalen Dienststellen durchgeführt. Enge Kontakte sind mit folgenden Institutionen aufgenommen: Suchdienst des Deutschen Rotes Kreuzes, Internationaler Suchdienst, Deutsche Dienststelle (WASt), Dokumentationsstätte der Stiftung „Sächsische Gedenkstätten“, Brandenburgische Freundschaftgesellschaft e.V., u.a. Dank dieser aktiven Zusammenarbeit gelingt es monatlich bis zu 100 Personen zu ermitteln, die zuvor als Vermissten galten.

In den Jahren 2010-2014 wurden mehr als 15 500 Personen durch die Aufnahme in die entsprechenden Gräberlisten verewigt.

Überwachung des Zustandes von Kriegsgräbern

Sowjetische Kriegsgräber in Deutschland haben viele Besonderheiten, sie unterscheiden sich vor allem durch verschiedene Begrabungsarten. Auf dem Territorium der östlichen Bundesländer befinden sich oft Ehrenkomplexe und Ehrenfriedhöfe. In den westlichen Bundesländern befinden sich häufig Einzelgräber der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die auf den kirchlichen oder städtischen Friedhöfen liegen, oder Sammelgrabstätten auf den Friedhöfen der ehemaligen Kriegsgefangenenlager.

Vom Typ der Grabstätte hängt den Zustand ab. Einzelgräber auf den kirchlichen oder städtischen Friedhöfen sind in der Regel in einem guten Zustand, sie haben Denkmäler und Grabsteine aus Naturstein. Anders sehen die großen Ehrenkomplexe auf dem Territorium der ehemaligen DDR aus. Für viele Objekte ist eine teure Sanierung erforderlich.

Für die Überprüfung des aktuellen Zustandes der Kriegsgräber, sowie Präzisierung der Maßnahmen zu ihrer Erhaltung, Instandsetzung und Pflege führen die Mitarbeiter der russischen diplomtischen Vertretungen in Deutschland jährlich eine gemeinsame Inventur der Grabstätten. Jedes Jahr werden bis zu 15 % der Kriegsgrabstätten besichtigt. Im Großen und Ganzen sind die Anlagen im würdigen, gepflegten Zustand.

Gemeinsame Projekte

Derzeit werden folgende gemeinsame Projekte umgesetzt:

  • Das gemeinsame russisch-deutsche Projekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“, das durch die Dokumentationsstätte der Stiftung „Sächsische Gedenkstätten“ verwaltet ist.
  • Das gemeinsame Projekt der Russischen Botschaft und des Russisch-Deutschen Museums „Berlin-Karlshorst“ zur Erarbeitung des elektronischen Registers der sowjetischen Kriegsgräber in Deutschland.

 

Such- und Bergungsaktionen

Seit 2010 haben deutsche Suchdienste (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa e.V.)  4 internationale Suchaktionen zur Suche der Gebeine der gefallenen sowjetischen Bürger in Deutschland veranstaltet. Die gefundenen sterblichen Überreste wurden in den folgenden Orten eingebettet:

Lebus (Brandenburg) – 110 Menschen.

Reitwein (Brandenburg) – 86 Menschen.

Jüterbog (Brandenburg) – 25 Menschen.

Nobitz (Thüringen) – 66 Menschen.

Instandsetzung der Kriegsgräberstätten

Jährlich stellt die Bundesregierung Finanzmittel in Höhe von ca. € 20 Mio. für die Pflege aller Kriegsgräber bereit, davon 70 % bekommen die örtlichen Behörde für die Kriegsgräberpflege. 30 % sind für die Instandsetzung vorgesehen.

Die Quote der Erhaltung eines Einzelgrabes beträgt €27,5. Die Quote der Erhaltung der Sammelgrabstätte beträgt €5,5 pro Quadratmeter. Jede Änderung des Erscheinungsbildes der sowjetischen (russischen) Kriegsgräber, sowie eine Verlegung darf nur mit der Zustimmung der Russischen Botschaft in Deutschland durchgeführt werden.

In den Jahren 2010-2014 wurden in Deutschland 45 Gedenkanlagen renoviert. Mit der Unterstützung der Russischen Föderation wurden 10 Anlagen saniert, auf Kosten der BRD wurden 35 Anlagen erneuert. In diesem Jahr ist die Instandsetzung von 19 russischen Kriegsgräbern vorgesehen.

Hauptaufgaben im Vorfeld des 70. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg und des 100. Jahrestages des Ausbruches des I. Weltkrieges

  • Anfertigung der Tafeln mit den Namen der verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf 4 Friedhöfen des ehemaligen Lagers in Zeithain (Sachsen) – ca. 26000 Namen;
  • Anfertigung der Tafeln mit den Namen der verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Friedhof Fünfeichen des ehemaligen Lagers in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) – 5195 Namen;
  • Wiederherstellung der ursprünglichen historischen Gestaltung des sowjetischen Ehrenfriedhofes in Spremberg (Brandenburg);
  • Sanierung der sowjetischen Ehrenfriedhöfe in Lebus und Reitwein (Brandenburg);
  • Erneuerung des Ehrenfriedhofes in Dippoldiswalde (Sachsen) mit der Umbettung der sterblichen Überreste der gefallenen sowjetischen Piloten;
  • Renovierung des sowjetischen Ehrenfriedhofes in Pockau-Nennigmühle (Sachsen);
  • Renovierung der Kampftechnik auf dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten, sowie Wiederherstellung der Gedenkinschriften auf dem sowjetischen Ehrenkomplex im Treptower Park;
  • Vollendung des Projektes zur Erarbeitung des „Elektronischen Registers der Grabstätten sowjetischer Bürger in Deutschland“, das zusammen mit dem Russisch-Deutschen Museum „Berlin-Karlshorst“ durchgeführt wird;
  • Erfassung der russischen bzw. sowjetischen Kriegsgräber in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.