Kommentar der Pressesprecherin des Außenministeriums der Russischen Föderation Maria Sacharowa zum Beitrag in der Zeitung „Die Welt“ über die Schlacht bei Moskau im Herbst 1941

Wir wurden auf den jüngsten Artikel in der deutschen Zeitung „Die Welt“ unter dem Titel „78 Divisionen der Wehrmacht sollten Moskau nehmen. Dann kam der Schlamm“ aufmerksam. Ich erwähne jetzt nicht den Namen eines Films und nicht einmal einen Auszug aus einer Doktorarbeit. Es handelt sich um einen Artikel in den Medien. Der Verfasser dieses Artikels beanspruchte für sich innerlich vielleicht eine historische Analyse. In der Wirklichkeit tat er das Gegenteil. Der Artikel erwies sich als pseudohistorisch.

Der Verfasser ist Leitender Redakteur Geschichte, Sven Felix Kellerhoff – eine ziemlich bekannte Person wegen seines skandalösen Rufs. Denn im Jahr 2019 stellte er die Bedeutung der Schlacht bei Prochorowka in Frage und erklärte, dass das dort errichtete Denkmal für sowjetische Panzersoldaten abgerissen werden sollte, weil es den Kriterien der historischen Glaubwürdigkeit angeblich nicht entspreche. Das ist ein Mensch, der uns, Nachkommen von Menschen belehrt, die ihre Leben opferten und deren Schicksale zerstört wurden, die sich nichts schonten – weder ihre Gesundheit noch ihre Interessen – um eine Hoffnung aufs Überleben zu haben und diese anschließend uns zu schenken sowie um eine würdevolle Existenz der künftigen Generationen zu gewährleisten. Und dieser Mensch erzählt uns, welche Denkmäler abgerissen und welche errichtet werden sollen? Nein, danke. Wir wissen das selbst. Wir haben uns die Lehren gut gemerkt.

Diese wahnsinnigen, seelenlosen und rechtswidrige Versuche wurden fortgesetzt. Sven Felix Kellerhoff ging sogar weiter und erklärte auf den Seiten der Zeitung, seiner Meinung nach seien die Regenfälle und die logistischen Probleme fast die einzigen Gründe für die Niederlage der Hitler-Truppen bei Moskau gewesen. Er schrieb, die Wehrmacht sei in der Nähe von der Hauptstadt festgesteckt und habe nur wegen Unwetter Moskau nicht erreichen können, obwohl der Weg dorthin frei gewesen sei. Man spürt die Sympathie des Verfassers zu den eigenen Vorfahren und die Enttäuschung von ihrem Unglück. Diese Vorfahren waren nicht jene, die ihr eigenes Land vor dem Feind, der unter der Fahne der Vernichtung alles Lebendiges ging, verteidigten. Es ist die Sympathie gegenüber gerade denjenigen, die unter diesen Fahnen auf dem fremden Boden gingen und alles auf ihrem Weg töteten. Er sagte kein einziges Wort über den Heroismus und Selbstopferung der sowjetischen Soldaten, die bis zum Tod kämpften. Dabei gibt es deutsche historische Chroniken, Quellen, die unter anderem von Wehrmachtssoldaten über die damaligen Ereignisse geschrieben wurden. Man hätte diese Informationsmaterialien nutzen können.

Ein solches Herangehen ist nicht neu. Leider gibt es in der letzten Zeit immer mehr Versuche (sowohl in Deutschland als auch generell im Westen), die Geschichte zu revidieren, die Heldentaten der Roten Armee herabzusetzen, die unter schwierigsten Bedingungen den Feind stoppen und dann aus Moskau zurückdrängen konnte, um in die Offensive zu gehen und Europa von der „braunen Pest“ zu befreien.

Man kann sich nur wundern, wie solche im Kern revanchistischen und den Aggressor rehabilitierenden Beiträge in den deutschen Medien mit dem von Berlin verkündeten Kurs der Reue und der historischen Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in Einklang stehen, der sich u.a. in Reden des Bundespräsidenten F.-W. Steinmeier am 18. Juni dieses Jahres zum 80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion sowie zum in Deutschland am 14. November begangenen Volkstrauertag, widerspiegelte.

Gewöhnlich laden wir Freunde, Gäste, Partner, Menschen ein, mit denen wir Beziehungen aufbauen, mit denen wir zusammenarbeiten, die wir respektieren, lieben und schätzen. Ich würde vielleicht eine Ausnahme machen, wohl eine erzwungene Maßnahme. Ich möchte diesen Verfasser zwar nicht zu uns einladen, doch er hat die Möglichkeit, seinen Fehler zu korrigieren (vielleicht einen absichtlichen Fehler) – zu kommen und sich die Rollbahn anzusehen, auf der die Wehrmachtssoldaten marschierten. Er schreibt umsonst, dass sie Moskau nicht erreicht haben. Sie haben es praktisch erreicht. Der deutsche Verfasser sollte sich die Zahl der errichteten Denkmäler ansehen, unter denen es nicht bloß architektonische Monumente, sondern Gräber gibt. Dort liegen unsere Soldaten, die diese Stadt mit ihrem Leib, ihrem Schicksal, ihrem Leben, ihrer Willenskraft und ihrem Geist verteidigt haben. Vielleicht überdenkt er etwas und überlegt es sich anders. Diese Denkmäler sind alle paar Kilometer zu sehen. Dort liegen immer Kränze und frische Blumen. Dort finden Zeremonien am 9. Mai statt.  Vielleicht erlebt er auch unsere Tradition – wie frisch verheiratete Paare, die gerade ihr gemeinsames Leben beginnen, zu diesen Denkmälern kommen. Diese für ihn merkwürdige Tradition lässt sich nur so erklären: Wenn sie ihr gemeinsames Leben beginnen und ihre Zukunft aufbauen, erinnern sich unsere Menschen daran, wer ihnen diese Möglichkeit gegeben hat.

Es ist nicht ganz verständlich, mit welchem Recht deutsche Verfasser, zumal Medien, solche pseudowissenschaftliche „Machwerke“ schreiben.

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