Kommentar des russischen Botschafters Sergej J. Netschajew der deutschen Informationsagentur „RND“

Einige deutsche Politiker und Medien machen auf sich in den letzten Tagen aufmerksam, indem sie Gazprom und der russischen Regierung vorwerfen, diese würden den eigenen Verpflichtungen nicht nachkommen, die für Europa bestimmten Gasmengen bewusst verknappen, die Spotpreise in einer nie da gewesenen Art und Weise steigen lassen und die Europäer im kommenden Winter „einfrieren“ wollen.

Diese Unterstellungen sind befremdlich und entbehren in Wirklichkeit jedweder Grundlage, was in den Stellungnahmen der Sprecher der Bundesregierung und der Führung des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft bereits zum Ausdruck kam.
Es ist schon merkwürdig, dass statt allgemein zugänglicher und leicht verifizierbarer Informationen unverkennbare Fakes in den Raum gesetzt werden und objektive Analysen primitiven Manipulationen weichen müssen.

Die Russische Föderation kommt ihren Verpflichtungen stets makellos und vollständig nach. In über 50 Jahren erfolgreicher Gaskooperation mit den europäischen Ländern wurden die Rohstofflieferungen von Moskau nie als «Energiewaffe» bzw. «Druckmittel» instrumentalisiert. Alle Vereinbarungen werden von Gazprom strikt eingehalten. Die Gasverkäufe an die EU-Staaten wurden vom Konzern weder reduziert noch willkürlich eingeschränkt. Zum größten Teil werden sie mit langfristigen Verträgen geregelt, bei denen der Gaspreis von jeweiligen Konjunkturschwankungen entkoppelt ist.

Bei der deutsch-russischen Zusammenarbeit im Gasbereich handelt es sich um ein  äußerst erfolgreiches Projekt, das sich über Jahrzehnte bewährt hat. Der gesunde Menschenverstand legt es nahe: Mit Blick auf die Energiewende, den Atom- und Kohleausstieg wird Deutschland ohne Erdgas als Brücke ins regenerative Zeitalter nicht auskommen können. Russland ist bereit, diesen Rohstoff zu möglichst vorteilhaften Konditionen zu liefern. Gerade das ist ja der Sinn und Zweck von Nord Stream 2.

Ein weiter Punkt ist auch nicht zu übersehen. Viele von denen, die heute Gazprom der Absicht bezichtigen, Europa im Kalten sitzen zu lassen, verlangten gestern noch Russlands Anteil am europäischen Energiemix drastisch zu reduzieren, erklärten die bestehenden Gasimportleitungen für überflüssig und die neuen für redundant.
Es wurde letztendlich gefordert, auf langfristige Lieferverträge mit Russland zu verzichten und auf ausschließlich marktwirtschaftliche Preisbildungsmechanismen zurückzugreifen, die auf dem Börsenhandel basieren. Was genau will man denn von Russland? Der Bestimmer heute ist der Markt. Viele ausländische Lieferanten zogen es vor, die Rohstofflieferungen vom europäischen auf den asiatischen Markt umzuleiten, wo die Preise eben höher liegen. In Erwartung günstigerer Preise sorgten manche Unternehmen nicht dafür, ihre Gasspeicher rechtzeitig aufzufüllen. Dass die eigene Gasproduktion in europäischen Staaten rückläufig ist, kann Russland auch nicht verantworten.

Gazprom ist weiterhin bereit, die Interessen der europäischen Verbraucher zu berücksichtigen und sich konstruktiv mit den Anliegen der westlichen Energiekonzerne auseinanderzusetzen. Ich bin sicher, dass die Unternehmer immer eine gemeinsame Sprache finden können. Hauptsache, die Politik mischt sich nicht ein. 

Der RND-Artikel ist unter folgendem Link abrufbar: https://www.rnd.de/politik/annalena-baerbock-russland-weist-erpressungsvorwuerfe-zu-gaspreisen-zurueck-IGJV3XM4UVD45BRZ43YKSXGH4U.html

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