Gastbeitrag des außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters der Russischen Föderation in Deutschland Sergej Netschajew für Onlinemagazin Telepolis

Die Gasleitung Nord Stream 2, die vor dem Hintergrund der Energiewende zur Diversifizierung von Lieferungen und Verbesserung der Energiesicherheit Deutschlands und der EU beitragen soll, ist fertiggestellt.

Nun stehen technische Prüfungen und Zertifizierung an. Gazprom rechnet damit, bereits im laufenden Jahr erste Lieferungen durchzuführen. Viel hängt an dieser Stelle von entsprechenden deutschen Stellen ab.

Nord Stream 2 wird eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von European Green Deal und der deutschen Klimastrategie spielen. Denn mit der Pipeline werden wettbewerbsfähige Gaslieferungen gewährleistet, um Kohle im Energiemix zu ersetzen, und Vorratsmengen an Erdgas geboten, um mögliche Ausfälle von Wind- und Sonnenkraftanlagen auszugleichen.

Wenn die EU es ernst damit meint, ihre Klimaziele zu erreichen, soll der Erdgas-Anteil am Energiemix mittelfristig ansteigen. Künftig könnte Nord Stream 2 für Lieferungen von „grünem“ Wasserstoff genutzt werden.

Sowohl in Deutschland als auch in Russland wurde bereits eine Wasserstoffstrategie beschlossen und in Kraft gesetzt, die zur Klimaneutralität beitragen soll.

Nord Stream 2 mit geringerem CO2-Fußabdruck

Ich möchte alle, die an der Umweltverträglichkeit des Projektes zweifeln, daran erinnern, dass es alle notwendigen Umweltprüfungen durch mehrere Staaten durchlaufen hatte, bevor die Baugenehmigung erteilt wurde.

Nord Stream 2 leitet den Rohstoff aus Russlands gasreichem Norden über die kürzeste, rentabelste und nachhaltigste Route an europäische Abnehmer weiter.

Die Pipeline wurde mit Einsatz neuester Technologien entworfen, die Methanemissionen entlang der gesamten Leitungslänge ausschließt. Der CO2-Fußabdruck der Pipeline ist mindestens um den Faktor 5 geringer als beim Erdgastransport über alternative Routen.

In diesem Zusammenhang würde ich gerne auch an die Aussage des russischen Präsidenten Wladimir Putin erinnern: Wir sind offen dafür, Erdgas über das ukrainische Staatsgebiet unter wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen und bei Vorhandensein einer entsprechenden Nachfrage der EU-Länder zu befördern.

Hier hängt viel von unseren europäischen Partnern ab. Die Gastransportinfrastruktur der Ukraine ist Fachexperten zufolge dagegen ziemlich abgenutzt, moralisch und physisch veraltet sowie reparatur- und modernisierungsbedürftig. Darüber hinaus ist die Route zweitausend Kilometer länger.

2019 überschritten die Liefermengen russischen Erdgases an die EU die Marke von 200 Millionen Kubikmeter. Das ist deutlich mehr, als die Transportkapazitäten der beiden „Nord Stream“-Pipelines.

Gaslieferungen nie als politisches Druckmittel benutzt

Mit Blick auf einen stufenweise erfolgenden Kohleausstieg und die rückläufige Gasproduktion in den europäischen Ländern kann mit erhöhtem Gasbedarf gerechnet werden.

Ich möchte auch alle beruhigen, die eine steigende „Abhängigkeit“ Europas vom russischen Erdgas befürchten und Spekulationen bezüglich einer „Energieerpressung“ Glauben schenken. In mehr als fünfzig Jahren unserer Energiekooperation nutzten wir die Gaslieferungen nie als Instrument politscher Druckausübung und haben das auch nicht vor.

Der EU-Gasmarkt zeichnet sich durch eine Vielfalt an Lieferanten und Lieferwegen aus. Keiner besitzt ein Monopol auf den Gasverkauf. Entscheidungen werden auf Grundlage klarer und transparenter Marktmechanismen getroffen.

Mehr noch, indem wir neue Lieferwege schaffen, nehmen wir den früheren Transitmonopolisten die Möglichkeit, unbegründet hohe Tarife auf Gastransporte über ihr Gebiet einzufordern und weitere Vorteile für sich zu in Anspruch zu nehmen, wie es noch unlängst der Fall war.

Eine Diversifizierung der Lieferrouten wird sich positiv auf den Wettbewerb auswirken und den Anstieg von Gaspreisen für europäische Abnehmer aufhalten.

Quelle: https://bit.ly/2XkFT7C

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