Erklärung des Arbeitskreises 8. Mai im BDWO e.V. „Für Verständigung mit Russland!“

Am 22. Juni 2021 jährt sich zum 80. Mal das Ereignis des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. Das Datum mahnt, aus einem verbrecherischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg dauerhaft Lehren zu ziehen. Im Moment des Überfalls hatte Deutschland bereits einen Großteil Europas versklavt und in seine Vernichtungspolitik gegenüber dem vorwiegend slawisch besiedelten Osten einbezogen. Der deutsche „Drang nach Osten“ ging in seine letzte Phase über und brachte Tod und Leid über viele Millionen Menschen. Wir leben heute an der Schwelle des dritten Jahrzehntes des 21. Jahrhundert und die Wunden aus dem Zweiten Weltkrieg sind noch lange nicht verheilt. Der Arbeitskreis 8. Mai, Mitglied im BDWO e. V., wendet sich in seiner Erinnerungsarbeit gerade diesem Thema zu. Die sowjetischen Kriegsgräber und Ehrenmale, die den Leidensweg und den Siegeszug der östlichen Befreier Europas von Faschismus und Krieg bis heute markieren, stehen symbolisch für einen hart erkämpften Frieden. Zwischen den Völkern Europas hat sich seit Jahrzehnten ein breiter zivilgesellschaftlicher Kontakt entwickelt. Der Wille zur Entspannung und zum wechselseitigen Lernen hat Tourismus und Bildungsreisen in ungeahnten Dimensionen hervorgebracht. Menschen in Deutschland und Russland haben zum beiderseitigen Wohl gemeinsame wirtschaftliche und kulturelle Projekte verwirklicht. Sie kennen sich heute persönlich intensiver als je zuvor. Eine vielfältige Erinnerungskultur würdigt zugleich die Leiden des vergangenen Jahrhunderts. Diesen Zusammenhalt wollen wir bewahren und weiterentwickeln. Während der Vorbereitung auf den 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion als wichtigen Gedenktag beobachten wir jedoch Rückschritte in der europäischen Entspannungspolitik. Geschichtsrevision macht sich breit. Bereits im September 2019, im Vorfeld des 75. Jahrestages der Befreiung, wurde vom Europäischen Parlament eine Resolution zur „Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas“ unterzeichnet, die wir, um es mit den Worten der FIR zu sagen, für einen „Text grober ideologischer Propaganda, wie er aus der schlimmsten Zeit des Kalten Krieges in Erinnerung ist“, bezeichnen. 1. Es ist für uns unannehmbar, die Sowjetunion für den Kriegsausbruch mitverantwortlich zu machen und ihren Anteil im Kampf gegen das NS-Regime unter Hinweis auf „Verbrechen des totalitären Regimes der Sowjetunion“ zu schmälern. In diesem Geiste werden in einigen Ländern Osteuropas sowjetische Ehrenmale demontiert, was uns empört. Dass dieses Ansinnen nicht überall Anklang fand, zeigt unsere Umfrage unter Bürgermeistern europäischer Großstädte und in Israel. In ihren Antwortschreiben an den Arbeitskreis 8. Mai verwiesen einige gewählte Stadtoberhäupter auf die Bedeutung der Wahrung der Erinnerung an die sowjetische Befreiungstat. 2. Die Mitglieder des Arbeitskreises 8. Mai im BDWO sind zutiefst beunruhigt über die aktuelle Zuspitzung der Lage in den deutsch-russischen Beziehungen.

Wir fordern alle an Frieden und Völkerverständigung Interessierten auf, sich aktiv an Projekten der Abrüstung, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der freundschaftlichen Begegnung mit Russland zu beteiligen. Lasst uns den 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 mit Bekundungen unseres Friedensbegehrens und mit respektvollem Erinnern an die leidgeprüften Völker im Osten Europas begehen. Denn „Krieg und Frieden“ ist nicht nur der Titel eines großartigen Romans des russischen Schriftstellers Lew Tolstoi, es ist die auch wichtigste Angelegenheit der Menschheit.

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