Zu Äußerungen des deutschen Botschafters in Litauen bei der Einweihung des Denkmals für den jüdischen Wasserträger in Vilnius am 19. Oktober 2020


Wir sind empört über die Ansprache des deutschen Botschafters in Litauen, die er am 19. Oktober 2020 in Vilnius bei der Einweihung des Denkmals für den jüdischen Wasserträger gehalten hat. Der Chef der deutschen diplomatischen Mission in der Hauptstadt Litauens erklärte, die Rote Armee habe bei der Befreiung Deutschlands vom Nazismus nicht mehr und nicht weniger das Ziel verfolgt, Stalins repressive Herrschaft im besiegten Land durchzusetzen.

Es stellt sich die Frage, ob bei unseren deutschen Kollegen alles in Ordnung ist. Diese Offenbarungen des hochrangigen deutschen Diplomaten, die durch anti-russische Stimmungen inspiriert sind, die seit Jahrzehnten von rechtsextremen Kräften in Litauen geschürt werden, sehen wir als eine grobe und zynische Provokation an. In diesem Zusammenhang möchten wir vor allem daran erinnern, dass der Krieg der UdSSR gegen das Nazi-Deutschland ein Großer Vaterländischer Krieg ihrer Völker für die eigene Freiheit und Unabhängigkeit war, ein Kampf gegen die drohende Unterwerfung und Vernichtung durch die Nazis. Vom Wahnsinn der national-sozialistischen Rassentheorie besessen, erklärte das Dritte Reich unseren Staat für einen „Lebensraum“ der Deutschen, wo minderwertige Völker, vor allem slawische Nationen eliminiert werden sollten. Die Offensive der Wehrmacht, der SS-Einheiten, ihrer Verbündeten und Helfershelfer gegen die UdSSR wurde nicht nur dazu geführt, die Sowjetunion militärisch zu besiegen, sondern auch um die Bevölkerung des Landes physisch zu vernichten. Das ging mit in der Geschichte beispiellosen Grausamkeiten und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung einher, die im Grunde unter den später definierten völkerrechtlichen Begriff des Völkermords fallen. Über 3 Jahre kämpfte das multinationale sowjetische Volk ums Überleben. Erst 1944 vertrieb die Rote Armee die deutschen Besatzer vom Staatsgebiet der UdSSR und begann mit der Befreiung Ost- und Mitteleuropas vom Nazi-Terror, die unzählige sowjetische Soldaten und Offiziere das Leben kostete.

Mit Blick auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und die Rolle, die von Deutschland und seinem Volk im blutigsten Konflikt der Menschheitsgeschichte gespielt wurde, klangen die oben erwähnten Äußerungen des deutschen Botschafters in Litauen besonders zynisch und anmaßend. Dies betrachten als Provokation. Wir erwarten, dass die deutsche Seite sich erklärt und sich von diesem individuellen Affront, der leider kein Einzelfall ist, eindeutig distanziert.

Leider müssen wir feststellen, dass in letzter Zeit in Deutschland ein pseudohistorisches Narrativ immer aktiver um sich greift, das die UdSSR mit dem Deutschen Reich bei den Ursachen des Zweiten Weltkriegs gleichsetzt sowie Kommunismus und Nationalsozialismus ebenso als gleichgestellt betrachtet. Man tut das offensichtlich, um die deutsche Verantwortung für unmenschliche Verbrechen des Nazismus auszuhöhlen. Wir lehnen einen solchen Ansatz vehement ab. Denn dadurch wird die Aussöhnung zwischen Russen und Deutschen in Frage stellt, die gemessen an aufgebrachter Kraft menschlicher Selbstüberwindung einzigartig ist.

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