Open-Air-Konzert vor der historischen Kulisse der Gedenkstätte Seelower Höhen vom 25. September 2020

Am 25. September 2020 um 18 Uhr hat ein Open-Air-Konzert vor der historischen Kulisse der Gedenkstätte Seelower Höhen stattgefunden. Das Land Brandenburg führte die Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der „Berliner Operation“ der Roten Armee durch, die den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland vollendete und die Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa erreichte.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) sorgte für musikalische Umrahmung des Abends. Es hat vor rund 200 eingeladenen Gästen die legendäre 7. Sinfonie in C-Duer, op. 60 von Dimitri Schostakowitsch, „Leningrader Synfonie“, aufgeführt. Alle 100 Musikerinnen und Musiker wurden jeweils vier Mal auf Covid-19 getestet.

Vor dem Konzert hielten Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Landtagspräsidentin Ulrike Liedke, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzende der Deutsch-Russischen Freundschaftsgruppe im Bundesrat, Manuela Schwesig, Landrat von Märkisch-Oderland Gernot Schmidt sowie der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Sergej Netschajew, ihre Reden vor der Anwesenden.

Hier veröffentlichen wir das Grußwort des Botschafters Sergej Netschajew:

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr.Woidke,

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Schwesig,

Sehr geehrter Herr Landrat Schmidt,

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Prof. Dr. Liedtke,

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schröder,

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Seelower Höhen,

Meine Damen und Herren,

Liebe Freunde,

Дорогие соотечественники,

dass wir heute zusammengekommen sind, erscheint unter den wahrlich außerordentlichen Gegebenheiten des laufenden Jahres alles andere als selbstverständlich. Doch dass dieses Konzert auch vier Monate nach den eigentlichen Gedenk- und Feiertagen im Mai stattfinden kann, zeigt, dass unsere Erinnerung nicht an einem Datum festzunageln ist. Sie ist nicht an kalendarische Rhythmen gebunden. Die Erinnerung braucht keinen Anlass. Sie braucht Menschen, die sich für sie mit Herz und Seele entscheiden. In seiner Ansprache an die Teilnehmer der 75. Sitzung der UN-Vollversammlung betonte der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin, wie borniert und äußerst verantwortungslos ein Vergessen der Lehren der Geschichte ist. Für Ihre Entscheidung gegen das Vergessen, das trennt, für das Gedenken, das verbindet, danke ich Ihnen von ganzem Herzen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Die Erinnerung braucht keinen Anlass. Die Erinnerung braucht jedoch einen würdigen Ort und einen würdigen Rahmen. Vor der historischen Kulisse der Gedenkstätte der Seelower Höhen wird heute die Leningrader Symphonie aufgeführt. Somit spannen Sie über die vier langen Jahre des Großen Vaterländischen Kriegs einen Bogen, der den Atem anhalten lässt. Das Grausame der menschenverachtenden Kriegsmaschinerie, die 1941 die Einwohner von Leningrad in die tödliche Zange genommen hat, musste 1945 hier im Oderbruch seinem unausweichlichen Ende in die Augen schauen.

Dazwischen waren Schlachtfelder von Moskau, Stalingrad und Rshew, Verbrechen von Buchenwald, Gardelegen, Maidanek und Auschwitz-Birkenau. Verwüstung und Trauer, die der Nationalsozialismus über mein Land, auch über ganz Europa brachte, sind unaussprechlich. Der Krieg kostete 27 Millionen Sowjetbürger das Leben. Bis zum letzten Atemzug kämpften die sowjetischen Soldaten für jeden Zentimeter ihres Vaterlandes, brachten Völkern Europas Frieden und Freiheit. Die Erinnerung an diese historische befreiende Heldentat der Roten Armee ist einem jeden Russen heilig. Den gefallenen Soldaten bewahren wir das ehrende Gedenken.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Auf der geographischen Landkarte mag die Gegend des Oderbruchs klein erscheinen. Doch auf der Landkarte unserer Erinnerung ist das Befreier-Denkmal auf den Seelower Höhen unmöglich zu übersehen. Diese Gedenkstätte und diese Grabsteine machen das Grausame des Krieges wieder greifbar. Sie sind uns eine Mahnung. Sie nehmen uns in die Pflicht. Sie lassen das „Nie wieder!“ mit immer neuer Eindringlichkeit erklingen.

Doch auch diese Mahnung will in jeder Hinsicht gepflegt werden. Hier und heute gilt mein Dank vor allem der Stadt Seelow und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätte Seelower Höhen, die sich in mühevoller Arbeit für diese beeindruckende Ehrenanlage engagieren. Ich werde jedoch auch nie müde, dem Land Brandenburg, seinem Ministerpräsidenten, Herrn Dr. Woidke, unseren märkischen Freundinnen und Freunden für die Pflege der zahlreichen sowjetischen Kriegsgräber hierzulande zu danken. Diesen sichtbaren Zeichen unserer Erinnerung werden in der Mark Fürsorge, Respekt und Achtung zuteil, die sie verdienen. Eure Bemühungen, liebe Freunde, schätzen wir sehr und danken Euch von ganzem Herzen dafür!

Auch Ihnen, sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Schwesig, gilt unser Dank und Verbundenheit, denn in Mecklenburg-Vorpommern, wo viele meine Landsleute die letzte Ruhestätte gefunden haben, werden sowjetische Kriegsgräber gepflegt und gesichert. Beste Grüße auch nach Schwerin.

Meine Damen und Herren!

Die Mahnung der Toten zu pflegen, heißt auch wachsam sein. Soldaten der Roten Armee brachten Befreiung. Sie brachten Frieden. Russen und Deutsche haben die historischen Möglichkeiten wahrgenommen und sich die Hände zur Aussöhnung, Vertrauen und Verständigung gereicht. Die Erinnerung an Leid und Kummer, die beiden Seiten im Krieg wiederfahren sind, bildete die Grundlage für das gemeinsame Vorankommen im Sinne der lebenden und künftigen Generationen. Solange wir uns darauf besinnen, bleiben der Boden an der Oder und der Boden an der Newa auch in der Zukunft unempfindlich für die Keime von Vorurteilen, Feindseligkeit, Misstrauen und Konfrontation. Das unschätzbare Erbe der Annäherung und Aussöhnung darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Russen wollen das Entfremden nicht. Ich bin sicher, dass die Deutschen das auch nicht wollen. Denn das ist das Vermächtnis derer, die hier ihr Leben gelassen haben. Diesem Vermächtnis haben wir gerecht zu werden.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

der herausragende italienische Dirigent Arturo Toscanini durfte 1942 als erster in den USA Schostakowitschs Siebte Sinfonie aufführen. Abschließend führe ich kurz ein Zitat von ihm an: „Dieses herausragende Werk ist der Triumph des Menschen, Triumph des Geistes über die Materie, wofür es sich lohnt, zu leben und zu siegen“. Zitatende. Möge auch der heutige Abend ganz im Zeichen des Lebens und des Triumphs der Menschlichkeit stehen. 

Ich wünsche Ihnen allen Frieden, Glück und Wohlergehen, weiterhin Freundschaft mit Russland.

Vielen Dank für die Einladung und Ihre Aufmerksamkeit.

Und bleiben Sie gesund“.

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