XIII. Internationalen Peter-der-Große-Kongresses: Russland und Deutschland in der Petrinischen Epoche

„Russland und Deutschland in der Petrinischen Epoche“ ist derzeit in Berlin Thema des XIII. Internationalen Peter-der-Große-Kongresses. Die Beziehung dieses russischen Zaren zu seinem westlichen Verbündeten diskutieren Geschichtsforscher und Kulturexperten. Mit dabei: Alla Manilowa vom russischen Kulturministerium – mit konkreten Vorstellungen.

Die stellvertretenden Kulturministerin der Russischen Föderation trifft sich am Rande des Internationalen Peter-der-Große-Kongresses mit Vertretern deutscher Verbände, um über neue Formen der deutsch-russischen Museumsarbeit zu sprechen.

„Vor dem Hintergrund des gigantischen kulturellen Erbes unserer beiden Staaten sollte die Zusammenarbeit enger, fundamental weiterentwickelt und auf eine gemeinsame Basis gestellt werden. (…) Es müsste eine allgemeine Plattform der Museumszusammenarbeit geben, an der alle großen Museen, wie unsererseits etwa die Eremitage, das Russische Museum oder auch die Tretjakow-Galerie gemeinsam beteiligt sind“, so Kultur-Staatssekretärin Alla Manilowa am Donnerstag in Berlin. Bislang gibt es sehr erfolgreiche, jedoch lediglich bilaterale Beziehungen zwischen den einzelnen Häusern.

Der Kongress
Internationale Peter-der-Große-Kongresse werden seit 2008 jährlich in St. Petersburg veranstaltet. Im Jahr 2017 fand der Kongress zum ersten Mal außerhalb Russlands statt – in Paris. In diesem Jahr ist Berlin verortet, diese Tradition der Zusammenkünfte soll sich weiterentwickeln.

Es sei „eine einzigartige Plattform europäischer Zusammenarbeit im geisteswissenschaftlichen Bereich, es gibt wohl kaum etwas gleich Schwergewichtiges und Intensives wie diese Verflechtung zwischen den beteiligten Institutionen aus Wissenschaft und Kultur Europas wie Russlands“, würdigt die stellvertretende russische Kulturministerin das Ereignis.

Zum Austausch in Berlin treffen sich prominente Geschichtsforscher und Kulturexperten aus ganz Europa – von Belgien und den Niederlanden über Russland, Italien und Spanien bis Deutschland. Ihre Voträge und Präsentationen finden seit Donnerstag im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße statt. Zudem läuft die Fotoausstellung „Auf den Spuren Peters des Großen“, es werden dem großen Zaren und seiner Zeit gewidmete Publikationen präsentiert.

Themen sind die Geschichte der Deutschlandreisen Peters des Großen: Chronik, militärische, politische und diplomatische Aspekte; der Erwerb von Kenntnissen in den Bereichen von Wissenschaft, Technik, Architektur und bildenden Künsten; die Petersburger Akademie der Wissenschaften und deutsche Gelehrte, die Raritätensammlungen der Kunstkammer sowie Kunstsammlungen in Deutschland und Russland zu Zeiten Peters des Großen, aber auch die Gestalt Peters des Großen in der deutschen Literatur und Geschichtswissenschaft sowie die „Petrinischen Stätten“ in Deutschland.

Peter der Große und die große Politik

Zu Zeiten Peters des Großen (Zar und Kaiser von 1682 bis 1721) bestand Deutschland aus zahlreichen Fürstentümern. Und Peter I. besuchte diese mehrmals: So während der „Großen Gesandtschaft“ 1697 bis 1698, als er zum Teil inkognito als Teil einer russischen Delegation in Europa unterwegs war: durch Livland, Kurland, Preußen, Holland und England. Und er kam im Laufe des Nordischen Krieges (1711-1713) und seiner zweiten Reise nach Europa (1716-1717) in westliche Gefilde.

Peter rief die Tradition enger russisch-deutscher dynastischer Bindungen ins Leben, die im Laufe von zwei Jahrhunderten hochgehalten wurde – die Ministerin erinnert an die deutschen Frauen, die großen Einfluß auf Russlands Geschicke gehabt hätten: Katharina die Große und Elisabeth von Hessen-Darmstadt, die als Jelisawjeta Fjodorowna die Begründerin der russischen Kultur der Barmherzigkeit und Wohlfahrt war und von der Russisch-orthodoxen Kirche in den Heiligenstand erhoben wurde.

In Deutschland traf der große Zar seinerzeit mit dem Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz zusammen – im Oktober 1711 zum ersten Mal in Torgau, und in der Stadt Wittenberg besuchte Zar Peter im selben Jahr das Haus des Theologen und Reformators Martin Luther – und verewigte sich wie ein Fan mit seinem Signet. Bis heute ist dieses „Peter war hier“ erhalten: Hinter Glas an der Tür zur Wohnstube im Lutherhaus.
Reformator Peter lud viele Gelehrte nach Russland ein. Auch deutsche Baumeister und Ingenieure trugen wesentlich zum Aufbau von St. Petersburg Anfang des 18. Jahrhunderts bei. Tausende kamen nach Russland – Kaufleute und Handwerker, Architekten und Baukünstler, Gelehrte und Militärs. In Moskau, Archangelsk und St. Petersburg entstanden seinerzeit deutsche Siedlungen.

Zur „Petrinischen Zeit“ war Deutsch die vorherrschende Fremdsprache in Russland: „Das sagt eigentlich schon alles!“, so die Ministerin, die selbst aus „Piter“ stammt, so heißt im Volksmund die einstige Hauptstadt. „Sprache ist doch wie ein Marker, also ein Indikator, für das länderübergreifende Verhältnis, (…) nicht nur in St. Petersburg gab es kompaktes deutsches Leben, es formierte sich sogar eine gewisse Kulturautonomie der Deutschen“, sagt sie augenzwinkernd. „Der deutsche Einfluß auf die Kultur St. Petersburgs und auf den gesamten Nordwesten Russlands ist einfach unübersehbar.“
In Deutschland wurden Bücher, Instrumente, Waffen und Kunstgegenstände für Russland angekauft. Als diplomatische Geschenke erhielt Peter I. den Gottorfer Riesenglobus und das Bernsteinzimmer.

„Der Import von Wissen war für Peter sehr wichtig – warum? Auf dass Russland auf schnellstem Wege zu einem bedeutenden europäischen Staat werde! Eigentlich wären dafür Jahrzehnte, Jahrhunderte nötig gewesen, doch Peter wollte nicht solange warten. Er wollte das Vorhaben schnell und auch persönlich vorantreiben und es eben nicht künftigen Generationen überlassen, sondern Russland persönlich groß machen“, so die Ministerin. „Als das Genie, das er in Staatsangelegenheiten war, begriff er, dass umgehend alles Fortschrittliche und Neue aus dem Ausland Eingang ins Russische finden mußte. Er hat es geschafft: Denn beginnend noch zu seinen Lebzeiten, konnte keine einzige wichtige Entscheidung im europäischen Kontext mehr ohne Russland getroffen werden. Das ist sein Verdienst“, so die Ministerin. „Und heute ist es auch noch so. Und so wird es immer sein!“

Der Peter-der-Große-Kongress findet im Rahmen des Kulturfestivals „Russische Saisons 2019” unter der Schirmherrschaft des russischen Kulturministeriums und der Botschaft Russlands in Deutschland sowie des Kulturausschusses der Regierung von St. Petersburg statt. Veranstalter sind die Staatliche Eremitage, das Peter-der-Große-Institut sowie die Dmitri-Lichatschow-Stiftung.

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