Der Außenminister Russlands Sergej Lawrow zum heutigen Modell der Weltordnung

Der Zerfall der Sowjetunion, der Fall der Mauer, die zwei „Lager“ bedingt teilte, die Auflösung der unversöhnlichen ideologischen Konfrontation, die die Konturen der Weltpolitik de facto in allen Bereichen und Regionen bestimmte – diese tektonischen Änderungen führten leider nicht zur Feier der vereinigenden Tagesordnung. Stattdessen waren Triumph-Relationen darüber zu hören, dass das „Ende der Geschichte“ gekommen sei, und es ab jetzt nur das einzige Zentrum der internationalen Beschlüsse geben werde.

Heute liegt es auf der Hand, dass die Versuche, ein unipolares Modell zu sichern, scheiterten. Der Prozess der Verwandlung der Weltordnung wurde unumkehrbar. Neue große Akteure, die über eine nachhaltige Wirtschaftsbasis verfügen, wollen den regionalen und globalen Prozess aktiver beeinflussen, beanspruchen zu Recht eine mehr bedeutende Teilnahme am Treffen der Schlüsselentscheidungen. Die Nachfrage nach einem gerechteren und inklusiveren System nimmt zu. Die Rückfälle der arroganten neokolonialen Herangehensweisen, die den einen Ländern das Recht geben, den eigenen Willen den anderen zu diktieren, werden von einer absoluten Mehrheit der Mitglieder der Weltgemeinschaft abgelehnt.

Das alles löst ein spürbares Unbehagen bei jenen, die sich seit Jahrhunderten daran gewohnt haben, die Muster der Entwicklung der Welt zu bestimmen, wobei man über ausschließliche Vorteile verfügt, aus. Die Anfrage seitens der meisten Staaten auf ein mehr gerechtes System der internationalen Beziehungen, einen realen und nicht deklarativen Respekt der Prinzipien der UN-Charta stößt auf das Streben, die Ordnung aufrechtzuerhalten, in deren Rahmen eine enge Gruppe der Länder und internationalen Korporationen die Früchte der Globalisierung nutzen könnte. Die Reaktion des Westens auf die Situation lässt über seine wahre Weltanschauungsrichtlinien urteilen. Die Rhetorik zum Thema „Liberalismus“, „Demokratie“ und „Menschenrechte“ wird durch die Förderung der Herangehensweisen begleitet, die auf Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Egoismus, Überzeugung von eigener Ausschließlichkeit ruhen.

Der „Liberalismus“, als dessen Schützer sich der Westen positioniert, stellt die Persönlichkeit, ihre Rechte und Freiheiten ins Zentrum. Es stellt sich die Frage: Wie stimmt die Politik der Sanktionen, wirtschaftlichen Erstickung und unverhohlenen Militärbedrohungen gegenüber mehreren unabhängigen Staaten – Kuba, Iran, Venezuela, Nordkorea, Syrien – damit überein? Sanktionen treffen direkt einfache Menschen, ihren Wohlstand, verletzen ihre sozialwirtschaftlichen Rechte. Wie stimmen mit dem Imperativ des Menschenrechtsschutzes die Bombenangriffe gegen souveräne Staaten, ein bewusster Kurs auf die Zerschlagung ihrer Staatlichkeit, der zum Tode von Hunderttausenden führte, Millionen Iraker, Libyer, Syrer und Vertreter anderer Völker zu unzähligen Leiden verurteilte, überein? Das Abenteuer des „arabischen Frühlings“ vernichtete eine einmalige ethnokonfessionelle Mosaik im Nahen Osten und im Norden Afrikas.

Was Europa betrifft, kommen die Kümmerer einer liberalen Idee ziemlich gut mit Massenverletzungen der Rechte der russischsprachigen Bevölkerung in mehreren Länder der EU und ihrer Nachbarn aus, wo Gesetze verabschiedet werden, die die in multilateralen Übereinkommen festgeschriebenen sprachlichen und Bildungsrechte der nationalen Minderheiten grob verletzen.

Was gibt es „Liberales“ in den Visums- und anderen Sanktionen des Westens gegen die Bewohner der russischen Krim? Sie werden für die demokratische Willensäußerung für die Wiedervereinigung mit der historischen Heimat bestraft: Widerspricht das nicht dem Basisrecht der Völker auf die freie Selbstbestimmung, geschweige denn das in den internationalen Übereinkommen festgeschriebene Recht der Staatsbürger auf freie Bewegung?

„Liberalismus“ – in seiner gesunden und unverzerrten Deutung – war traditionell ein wichtiger Bestandteil des globalen, darunter russischen politischen Gedanken. Doch die Vielfältigkeit der Entwicklungsmodelle lässt nicht darüber sprechen, dass der westliche „Korb“ der liberalen Werte alternativlos ist. Natürlich sollen diese Werte nicht mit Gewalt getragen werden – ohne Berücksichtigung der Geschichte der Staaten, ihres kulturellen und politischen Codes. Wozu das führt – das zeigt die Statistik des Unglücks und Zerstörungen als Ergebnis des „liberalen“ Bombenabwerfens.

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