Sergey Naryschkin, der Vorsitzende der Russischen historischen Gesellschaft: Der UdSSR-Beschluss über den Nichtangriffspakt mit Deutschland gründete sich auf genaue nachrichtendienstliche Erkenntnisse

Vor genau 80 Jahren, in der Nacht zum 24. August 1939, wurde in Moskau der Nichtangriffsvertrag zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet. Die Meldung über den Vertragsabschluss kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Irritationen und Wut kochten in Tausend Briefen sowjetischer Bürger an Redaktionen zentraler und lokaler Zeitungen über. Denn der Antagonismus zwischen der Sowjetunion und dem Dritten Reich war tödlich.

Ende der 30er Jahre war die UdSSR die einzige Macht in Europa, deren Soldaten und Offiziere von Angesicht zu Angesicht gegen Armeeeinheiten Nazi-Deutschlands und dessen Satelliten kämpften. Ein unerklärter Krieg war im Gange in Spanien, wo die Sowjetregierung die Republikaner unterstützte, in China, das sich gegen die japanische Aggression zur Wehr setzte, und letztendlich in der Mongolei, wo am 20. August 1939, nur drei Tage vor der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrags, eine Großoffensive am Chalkin Gol einsetzte.

Die drastische Kehrtwende der sowjetischen Außenpolitik hat eine lange Vorgeschichte und viele Ursachen. Beginnen sollte man bei den eigentlichen Grundlagen des Versailles-Washington-Systems, das nach dem Ersten Weltkrieg zu Stande kam. Das Kernprinzip der Zwischenkriegsordnung war nach Meinung vieler Historiker die Ungleichheit. Die s.g. Großmächte – England, Frankreich und die USA – waren bestrebt, ihre Dominanzstellung zu festigen, indem sie potentielle Gegner gezielt schwächten. Deutschland wurden seine Rechte entzogen, es wurde demilitarisiert und mit demütigenden Reparationsleistungen belegt. Das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn wurden aufgeteilt und Sowjetrussland in die internationale Isolation verbannt.

Entlang unserer ganzen westlichen Grenzen entstand eine Art Kordon aus den aus den Trümmern des Russischen Zarenreichs hervorgegangenen Staaten, bei denen es sich mitunter um nationalistische Regimes handelte. Das größte davon war das Polen von Piłsudski, das 1921 Gebiete im Westen Weißrusslands und in der Westukraine von Russland abgespalten hatte. Eine gewaltsame Polonisierung der örtlichen Bevölkerung wuchs sich zu einem unverhohlenen Staatsterror aus. Nicht besser erging es dem benachbarten Baltikum.

Großbritanniens und Frankreichs wahre Absichten in Bezug auf diesen „Vorhof Europas“ zeigten sich mit den Verträgen von Lokarno von 1925. Aus Angst vor einer sich abzeichnenden Annäherung zwischen der Weimarer Republik und der Sowjetunion teilten die Versailles-Garanten die deutschen Grenzen in die Westlichen, deren Unverletzlichkeit nicht in Frage gestellt werden durfte, und die Östlichen ein, über die die Deutschen weitgehend freie Hand behalten konnten. Anders gesagt, sollte der erstarkende deutsche Revanchismus nicht unterdrückt, sondern kanalisiert, in die „richtige“ Bahn gen Osten gelenkt werden. Kein Wunder also, dass gleich nach der Machtübernahme durch die Nazis die Appelle zur Eroberung neuen Lebensraums im Osten und dessen schonungsloser Germanisierung zur Kernidee der Außenpolitik des Dritten Reichs wurden.  

Das Ansinnen, die Sowjetunion zu vernichten, und die bloße Feigheit ließen Großbritannien und Frankreich präzedenzlose Zugeständnisse an Hitler machen. Die Appeasement-Politik ebnente den Nazis den Weg zur Bildung einsatzfähiger Streitkräfte, machte es ihnen möglich, sich in Spanien zu „versuchen“ und letzten Endes 1936 das remilitarisierte Rheinland zurückzuholen.

Der Appetit des Aggressors, der nie auf Widerstand stieß, wurde immer größer. Mit Großbritanniens und Frankreichs stillschweigender Zustimmung wickelte Hitler im März 1938 den Abschluss Österreichs ab und regte die Sudetenkrise an, die ins schandhafte „Münchner Komplott“ mündete. Kurz vor der Begegnung mit Hitler erklärte der Chef der britischen „Beschwichtiger“ Chamberlain, Deutschland und England seien zwei Säulen des europäischen Friedens und die wichtigsten Stützen gegen Kommunismus. Daraufhin erfolgte die Aufteilung der souveränen Tschechoslowakei, deren Vertreter damals übrigens erst gar nicht zu Verhandlungen eingeladen wurden.

Der italienische Diktator Mussolini jubelte: Was in München passiert sei, bedeute das Ende des Bolschewismus in Europa, das Ende der politischen Einflussnahme durch Russland auf dem Kontinent. Es wurde offensichtlich, dass die feine Materie des Völkerrechts die faschistischen Aggressoren und deren Anhänger wird schon nicht mehr aufhalten können. Die Sowjetunion geriet in eine wirklich schwierige Lage und sah sich veranlasst, ihre früheren internationalen Prioritäten umgehend zu ändern.

Es sei daran erinnert, dass seit der Machtübernahme durch die Nazis die Sowjetunion bestrebt war, eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik zu fahren. 1934 begrüßte die Sowjetregierung den Vorschlag des französischen Außenministers Barthou, der einen Pacte de l`Est (Pakt des Otens) anregte, an dem alle ost- und mitteleuropäischen Länder einschließlich der UdSSR und Deutschlands beteiligt werden sollten. Aus Gründen, die erst später zu Tage traten, lehnte es Hitler rundheraus ab, ein solches Abkommen zu unterschreiben. Und Deutschland – das nennt man die Ironie des Schicksals! – wurde dabei inbrünstig von Polen unterstützt.

Der blinde Antisowjetismus des „Oberstenregimes“ trieb die Polen über lange Zeit dem hitlerschen Gravitationsfeld zu. Die Deutschen ermutigten sie eine Zeitlang dazu, traten 1938 einen Teil der Tschechoslowakei an sie ab und stellten ihnen danach auch die Sowjetukraine und den Zugang zum Schwarzen Meer in Aussicht. Gerade das wird wenigstens durch die durch den sowjetischen Auslandsnachrichtendienst aufgetriebene Mitschrift des Gesprächs zwischen dem Reichsaußenminister von Ribbentrop und dem polnischen Außenminister Beck belegt, das im Januar 1939 in Warschau stattfand.

Im März 1939 rollte eine weitere diplomatische Krise über Europa hinweg. Allen Zusicherungen zum Trotz, die durch Großbritannien und Frankreich in München gemacht wurden, besetzte Hitler Tschechien und rief das deutsche Protektorat über die Slowakei aus. An diesen Erfolg anknüpfend, annektierte der Aggressor das litauische Memel und stellte gleich darauf zwei Ultimaten auf – an Rumänien und Polen. Die Aussicht eines Großkrieges in Europa leuchtete allen ein.

Unter immensem öffentlichem Druck verurteilten London und Paris Deutschland und wiesen die Berliner Botschafter aus. Der März stand ganz im Zeichen angestrengter intentionaler Beratungen, zu denen letztendlich auch die Sowjetunion als vollwertiger Teilnehmer herangezogen wurde. In Reaktion auf den britischen Vorschlag machte die Sowjetregierung den Vorstoß eines neuen britisch-französisch-sowjetischen Vertrages über gegenseitige Hilfe und als Annex dazu sollte ein trilaterales militärisches Übereinkommen geschlossen werden. So begannen am 17. April 1939, als der Krieg schon ins Haus stand, die Moskauer Gespräche – ein verzweifelter und leider auch verspäteter Versuch, eine Antihitlerkoalition zu schmieden. Symbolhaft ist, dass, bevor diese angefangen haben, das Oberkommando des Heeres den berühmt-berüchtigten Fall Weiß beschloss, mit dem der Überfall auf Polen vorgezeichnet war.

Historiker sind sich nach wie vor nicht einig, wo die Ursachen fürs Scheitern der britisch-französisch-sowjetischen Initiative liegen. Allem voran sei angemerkt, dass weder der britische Premier noch der französische Präsident Stalin persönlich treffen wollten. Der ehemalige britische Premierminister George erinnerte: „Chamberlain hat direkte Gespräche mit Hitler geführt und zusammen mit Lord Halifax Rom besucht. Doch wen haben sie nach Moskau geschickt? Nicht einmal ein Kabinettsmitglied niedrigsten Ranges haben sie nach Moskau geschickt. Sie haben einen Clerk aus dem Foreign Office geschickt. Das ist eine Beleidigung gewesen“.

Die Unterlagen, die von den sowjetischen Geheimdiensten aufgetrieben wurden, führen vor Augen, dass London gar nicht versuchte, eine Vereinbarung mit Moskau zu erzielen. Im Gegensatz zu den Franzosen, die sich der Bedrohung für ihre nationale Sicherheit durchaus bewusst waren, sahen die Briten in Hitler lediglich einen widerspenstigen Verbündeten, den es durch ein hypothetisches Bündnis mit den Russen zurechtzuweisen galt. Es unterliegt auch keinem Zweifel, dass die „Beschwichtiger“ nichts gegen eine Neuauflage des Münchner Komplotts hatten, diesmal in Bezug auf Polen. Die sowjetischen Geheimdienste setzten die Staatsführung über derartige Konsultationen zwischen Berlin und London regelmäßig in Kenntnis.

Im Juli gaben Lettland und Estland ihre Weigerung bekannt, die sowjetischen Garantien zu akzeptieren, und schlossen mit Deutschland Nichtangriffspakte ab. Somit wurde das ganze Baltikum zum deutschen Aufmarschgebiet für einen Überfall auf die Sowjetunion. Die UdSSR war sich über die reale Bedrohung im Klaren und schlug vor, politische Konsultationen zu unterlassen und zu unmittelbaren militärischen Verhandlungen zu übergehen.

Indem die britische und die französische Missionen weiterhin auf Zeit spielten, begaben sie sich in die sowjetische Hauptstadt über die möglichst lange Strecke: auf dem Seeweg nach Leningrad und danach mit dem Zug nach Moskau. Außerdem stellte es sich bei der Ankunft heraus, dass General Joseph Doumenc, der die französische Delegation leitete, nur zur Verhandlungsführung bevollmächtigt war, und der britische Admiral Reginald Drax überhaupt ohne jedwede Befugnisse in Moskau ankam.

Die entscheidenden – oder genauer gesagt die endgültigen Faktoren – waren die Differenzen bezüglich des Durchmarschs der Roten Armee über das polnische Staatsgebiet. Weiterhin in eigenen Illusionen gefangen, weigerten sich die Polen prinzipiell, den sowjetischen Streitkräften das Durchmarschrecht zu gewähren. Sogar der Druck auf Warschau vonseiten Frankreichs war vergebens. „Es werden nicht die Deutschen sein, sondern die Polen, die ins Innere Deutschlands gleich in den ersten Kriegstagen eindringen!“, lautete die bravouröse Antwort des polnischen Botschafters Jozef Lukasiewicz auf alle Argumente. Später, wenn Marschall Woroschilow die westlichen Militärmissionen verabschieden wird, wird er zu Admiral Drax mit Verdruss sagen: „Anscheinend hätten wir Polen erobern sollen, um unsere Hilfe anzubieten, oder hätten wir vor den Polen in die Knie gehen und um Erlaubnis betteln sollen, ihnen zur Hilfe zu kommen?“ Die Geschichte hat diese rhetorische Frage beantwortet.

Die nachfolgenden Ereignisse haben sich überschlagen. Nachdem sich die sowjetische Führung vergewisserte, dass Konsultationen mit London und Paris aussichtslos sind, bekräftigte sie ihre Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit Deutschland. Bereits am 23. August 1939 stattete der Reichsminister des Auswärtigen Joachim von Ribbentrop einen eiligen Besuch in Moskau ab. Die deutsche Diplomatie ging auf präzedenzlose Zugeständnisse ein, um die sowjetische Neutralität in der polnischen Kampagne zu gewährleisten. Der Vertragsentwurf wurde an demselben Tag gebilligt und bereits in der Nacht im Kreml unterzeichnet.

Die taktische Vereinbarung mit Hitler ermöglichte es, die Koalition der britisch-französischen „Beschwichtiger“ und die der Achsenmächte zu spalten. Außerdem gab diese der Sowjetunion ein paar Jahre Frieden und verhalf dazu, die Grenze zu Deutschland nach Westen zu verschieben. Das Maß der Zweckmäßigkeit des Vertrags war vor allen Dingen die nationale Sicherheit. Schließlich glaubte zu dem Zeitpunkt keiner mehr an einen dauerhaften Frieden mit dem Aggressor.

Die Schließung des Nichtangriffsvertrags wurde in Warschau völlig ignoriert, aber dafür aufs Schärfste von Tokio verurteilt. Die Situation am Chalkin Gol  entwickelte sich nicht zum Vorteil der Aggressoren. Vor diesem Hintergrund war der Verrat der deutschen Verbündeten ein besonders herber Rückschlag für den Kaiserhof. Fünf Tage später trat die gesamte antisowjetische Regierung von Kiichiro Hiranuma zurück. Wieder einmal überzeugten sich die Japaner von Hitlers politischer Prinzipienlosigkeit, und diese Lektion hielt nach Auffassung einiger Historiker das Land der Morgenröte im Herbst 1941 davon ab, der UdSSR überraschend in den Rücken zu fallen.

Nur eine Woche danach, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Das Geschehen war eine eklatante Niederlage für Großbritannien und Frankreich, deren Regierungen, Diplomaten und Geheimdienste. Indem sich die „Beschwichtiger“ darum bemühten, sich außer Gefahr zu bringen und Deutschland dazu aufzuwiegeln, die Sowjetunion anzugreifen, fielen sie ihren eigenen Intrigen zum Opfer. „Man muss zugeben, dass die UdSSR eine kluge Politik betrieb“, hob der finnische Staatspräsident Karl Mannerheim hervor, der, wohlgemerkt, nie mit dem sowjetischen System sympathisierte.

Die darauffolgenden Ereignisse stellten unter Beweis, dass eine Absage an Ribbentrop für die Sowjetunion viel schlechtere militärische und politische Verhältnisse nach sich gezogen hätte. Polen überschätzte seine Bedeutung für die älteren „Partner“ und erhielt keine wirkliche Hilfe von Großbritannien und Frankreich. Nach nur zwei Wochen hörte es auf, als unabhängiger Staat zu existieren. Die Garantien der westlichen Staats- und Regierungschefs mündeten in ein diplomatisches Asyl für die polnische Exil-Regierung.

Den beharrlichen Forderungen Hitlers zum Trotz marschierten die sowjetischen Streitkräfte in Polen erst dann ein, als die polnische Armee jeglichen Wiederstand de facto aufgegeben hatte und die Evakuierung der zentralen Regierung der Polnischen Republik abgeschlossen worden war. Am 17. September 1939 überquerten die ersten Einheiten der Roten Armee die sowjetisch-polnische Grenze. Da der Oberbefehlshaber der polnischen Armee, Marschall Edward Rydz-Smigly, die Situation vernünftig einzuschätzen vermochte, erteilte er den Befehl, mit ihnen nicht ins Gefecht zu kommen.

Die Rote Armee rückte rasch vor und erreichte in fünf Tagen die vorherigen Grenzen des Russischen Zarenreichs (es sei daran erinnert, dass zu dem Zeitpunkt nur 18 Jahre nach der Übergabe dieser ehemaligen russischen Territorien an Polen gemäß dem Vertrag von Riga vergangen sind). Die Folgen einer gewaltsamen Polonisierung machten sich bemerkbar. So wurden die Rotarmisten häufig als Befreier in Empfang genommen, und an mehreren Orten entstanden spontan antipolnische Partisanentrupps. Ein markantes Ereignis des Befreiungskampfes war der Aufstand in Skidel im westlichen Weißrussland, der ein bedeutsames Kontingent polnischer Kräfte fesselte.

An dieser Stelle sei ferner angemerkt, dass die Präsenz der sowjetischen Soldaten sowohl in Polen als auch im Baltikum groß angelegte Pogrome gegen Juden verhinderte, die dortige Nazi-Chaoten anrichteten, ohne die Ankunft der deutschen Herren abzuwarten. Natürlich muss man alle diese Faktoren bei der Auswertung der damaligen sowjetischen Außenpolitik berücksichtigen.

Die neue sowjetisch-deutsche Grenze bekam eine stillschweigende internationale Anerkennung. Dass die russischen Armeen sich an dieser Linie aufzustellen hätten, sei für die Sicherheit Russlands gegen die Nazi-Bedrohung absolut notwendig gewesen, sagte Churchill. Eine zurückhaltende Zustimmung zur neuen Gebietsaufteilung gab auch Paris.

Indes wurde von der Sowjetregierung über diplomatische Kanäle Großbritannien und Frankreich mitgeteilt, dass es sich bei dieser Demarkationslinie nicht um eine Staatsgrenze zwischen Deutschland und der UdSSR handle. Polens Schicksal hänge von vielen Faktoren und gegensätzlichen Kräften ab, deren Berücksichtigung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich sei.

Wie wir wissen, war der maßgebliche Faktor der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges. 1941-1944 wurden im sowjetischen Hinterland polnische nationale Einheiten neu formiert und bewaffnet. Die Soldaten der Polnischen Armee kämpften im Schulterschluss mit Rotarmisten und befreiten ihre Heimat vom Nazismus. Über 600 Tausend Rotarmisten ließen ihr Leben auf polnischem Boden. Ihre Kampfgenossen und sie befreiten Häftlinge von KZs Auschwitz, Majdaneck, Treblinka…

Einen weiteren Punkt würde ich noch kurz ansprechen. Bereits nach dem Sieg über Nazi-Deutschland wurde auf sowjetische Initiative ein großer Teil von Industriegebieten an Polen abgetreten – Schlesien, Ostpreußen und Pommern. Durch das Engagement der Sowjetdiplomatie konnte sich die Polnische Republik um fast ein Viertel vergrößern. Also sollten unsere polnischen Partner in ihrer Vergangenheit richtige Vorbilder finden. Ein ehrendes Gedenken haben polnische Nationalisten kaum verdient, die sich nur durch die Flucht aus ihrem in Gefahr schwebenden Land auszeichneten.

Abschließend möchte ich sagen, dass der wichtigste Grundsatz der Geschichtswissenschaft den Umgang mit dem Gestern von der Warte der Gegenwart ausschließt. Nur eine vertiefte Auseinandersetzung mit der in Frage stehenden Zeit, der Rückgriff auf authentische historische Quellen und Rücksichtnahme auf kompetente Meinungen von Berufshistorikern ermöglichen es, aus der Vergangenheit zeitrelevante und nützliche Lehren zu ziehen. Werte Leserinnen und Leser möchte ich daher an dieser Stelle auf die Dokumentarausstellung „1939, Beginn des Zweiten Weltkrieges“ hinweisen, die dieser Tage in der Ausstellungshalle der föderalen Archivdienste in Moskau (Bolschaja Pirogowskaja, 17) eröffnete. Ich glaube, dass die einzigartigen und nur selten ausgestellten Dokumente nicht nur beim Verständnis der ganzen internationalen Spannungen der Vorkriegszeit helfen, sondern auch zur Überzeugung beitragen können, dass die Bestrebung nach Weltherrschaft ohne Ansehen erklärter Ziele die Menschheit unausweichlich zur Tragödie führt.

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