Woidke wirbt für Dialog mit Russland

Der am 31. August 1994 beendete russische Truppenabzug vom Territorium des vereinten Deutschlands gilt als größte militärische Operation, die Europa in Friedenszeiten je erlebt hat. Die Russische Förderation gab damit den Weg frei für das friedliche Zusammenwachsen beider Teile Deutschlands. Und sie beendete die militärische Besetzung der 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, durch die Rote Armee unter hohen Verlusten vom NS-Terrorregime befreiten sowie der ihr von den Westalliierten übergebenen Gebiete der späteren DDR.

Ein Vierteljahrhundert nach der Rückführung der russischen Soldaten in die Heimat hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitagabend auf einer Veranstaltung in Wünsdorf (Teltow-Fläming) auf das besondere Verhältnis zwischen Russland und Brandenburg hingewiesen. »Es ist ein starkes Signal, dass Russen und Deutsche hier heute zusammenkommen und für ein vertrauensvolles Miteinander und eine friedliche Zukunft werben«, sagte er. Woidke erinnerte auch an den Abzug der Russen aus Wünsdorf. An dem Ort, an dem die NS-Militärspitze den Vernichtungskrieg geplant und bis 1945 geführt hatte, hatte das Oberkommando der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), der späteren Westgruppe (WGT), alle in der DDR stationierten Besatzungstruppen befehligt.

Die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf hatte gemeinsam mit dem Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Sergej Netschaejew, und Ministerpräsident Dietmar Woidke nicht zuletzt auch eingeladen, um den deutsch-russischen Austausch konstruktiv zu unterstützen. Auch Woidkes Amtsvorgänger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte als Vertreter des Deutsch-Russischen Forums seine Teilnahme angekündigt.

»Der Ort steht wie kaum ein anderer für die zerstörerische Kraft des Krieges sowie für die Anstrengung, Frieden wieder zurückzugewinnen«, sagte Woidke. Am 11. Juni 1994 habe die fast ein halbes Jahrhundert dauernde Stationierungsgeschichte geendet, sei mit der Rückführung der Westgruppe mit 380 000 Soldaten, 170 000 Angehörigen und 700 000 Tonnen Munition begonnen worden. »Dieser friedenspolitische Kraftakt war eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme«, so Woidke. »Zusammen mit dem politischen Aufbruch in Osteuropa und der Zurückhaltung der Sowjetunion während der friedlichen Revolution machte er die Vollendung der deutschen Einheit erst möglich.«

Der Ministerpräsident erinnerte 80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges daran, »dass Rassismus, Populismus und Nationalismus diesen von deutschem Boden ausgegangenen Weltenmord einpeitschten. Das gemeinsame Ziel eines friedlichen Zusammenlebens in Europa verpflichtet uns, miteinander im Dialog zu bleiben und völkerverbindende Begegnungen zwischen Menschen, insbesondere Schulpartnerschaften und Jugendaustausche, zu pflegen und auszubauen«.

Quelle: Neues Deutschland

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