Flughäfen, Internet, Bahnverkehr: Wo Russland uns Deutsche überrascht

Hierzulande gilt Russland nicht als besonders fortschrittlich. Dabei könnte sich Deutschland gerade in Sachen Infrastruktur einiges abschauen.
Der Ausdruck „russische Rückständigkeit“ ist angeblich bereits im Mittelalter entstanden. Russland und Fortschrittlichkeit, das passt für die meisten im Westen nicht zusammen. Dabei gibt es eine Reihe von Projekten, bei denen sich insbesondere Deutschland etwas abschauen könnte.

Während in Berlin seit 2006 am Großflughafen BER eine Panne auf die nächste folgt und die Eröffnung weiter ungewiss ist, hat Moskau inzwischen vier Flughäfen. Der zuletzt gebaute, „Schukowski“, wurde nach einer Bauzeit von gerade einmal zwei Jahren 2016 wiedereröffnet.

Die Giganten des Moskauer Luftverkehrsknotens sind „Domodedowo“ und „Scheremetjewo“. Beide haben mehr als 30 Millionen Passagiere jährlich – und trotzdem funktioniert die Kofferausgabe schneller und reibungsloser als beispielsweise in Hamburg. Auch die Anbindungen zur Stadt sind mit dem Flughafenexpress problemlos und pünktlich.

Für Nutzer der Deutschen Bahn geradezu ein Schocker: Auch russische Züge sind (fast) immer pünktlich – selbst wenn es schneit. Nach Angaben der „Russischen Eisenbahnen“ fahren im Durchschnitt über neun von zehn Zügen in Russland nach Plan.

Im Zwei-Minuten-Takt pendelt hingegen die Moskauer Metro. Um den wachsenden Andrang zu bewältigen, hat die Stadtverwaltung in den letzten zehn Jahren fast 50 neue Stationen errichtet und daneben zur Entlastung noch einen Eisenbahnring aufgebaut. Zum Vergleich: In Berlin wurden in der gleichen Zeit gerade einmal drei U-Bahn-Stationen fertiggestellt.
Außerdem wird in Gastwirtschaften oder Hotels durchgängig, teilweise auch auf öffentlichen Plätzen, kostenfreies WLAN angeboten. Überhaupt entwickelt sich der Ausbau des Internets in Russland rasant.

Natürlich gibt es in Sibirien abseits der Ortschaften riesige Funklöcher. Doch in den Großstädten ist Breitbandinternet längst die Norm. Internetgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde sind inzwischen Standard in Moskau. In Deutschland liegt der Durchschnitt derzeit bei circa 20 Megabit.

Zugegeben: Moskau ist nicht Russland, die russische Hauptstadt ist der Provinz meilenweit voraus. Aber sie zeigt, was Russland anstrebt. Bequem kann der Moskauer inzwischen über verschiedene Apps den Parkplatz bezahlen oder sich ein Auto leihen, einen Arzttermin machen, die Rechnung im Restaurant begleichen oder mit dem Smartphone an der Ladenkasse bezahlen.

Übrigens wären Öffnungszeiten wie in Deutschland für die Russen völlig undenkbar. Nicht nur Supermärkte, auch einige Einkaufszentren, Apotheken, Blumenläden oder gar kleine Kopierläden haben rund um die Uhr geöffnet. Shoppen können die Moskauer sieben Tage die Woche und selbst an Feiertagen.

Quelle: Handelsblatt

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