Deutsche Wirtschaft sucht Nähe zu Russland

Russland ist der wichtigste Rohstofflieferant der Saar-Stahlindustrie. Wie es trotz politischer Krisen weitergeht, untersuchten gestern Experten.

Für die Dillinger Hütte und auch Saarstahl läuft es gerade besonders gut. Michael Müller, Vorsitzender der SHS Stahlholding Saar, berichtete gestern auf dem Deutsch Russischen Rohstoffdialog an der Saar, Saarstahl könne auf einen Rekord in den Auftragseingängen und im Absatz verweisen. Auch Dillingen erreiche gute Quartalszahlen. Das liege auch daran, dass die Versorgung mit Rohstoffen für die Produktion sehr zuverlässig funktioniere. Größter Rohstofflieferant für die Saar-Hütten ist Russland.

Hans-Joachim Welsch, Geschäftsführer der Tochtergesellschaften Rogesa und der Zentralkokerei Saar, betonte, Russland liefere Eisenerze und Metalle in einer Größenordnung von mehreren Millionen Tonnen „zuverlässig und in bester Qualität“. Zudem beziehe die saarländische Stahlindustrie Eisenerz-Pellets und Kohle aus Russland. Die Russische Föderation sei ein Rohstoffgigant als zweitgrößter Erdölproduzent der Welt und mit 24 Prozent der weltweiten Erdgasreserven. Dazu lagerten in Russland 15 Prozent der erkundeten Vorkommen metallischer Rohstoffe der Erde. Auch im Bereich der Hightech-Metalle, der Seltenen Erden, habe Russland enorme Potenziale. Das Land werde deshalb für Deutschland immer wichtiger, sagte Welsch in seinem Impulsreferat. Die von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen stellten jedoch ein enormes Hindernis dar und behinderten auch Zukunftsprojekte sowie gemeinsame Forschungen in neue Technologien.

Nach Ansicht von Welsch, der auch Vorsitzender des Ausschusses für Rohstoffpolitik des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ist, gehört der freie Zugang zu den Rohstoffmärkten zu den elementarsten Voraussetzungen, damit die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Unternehmen und der saarländischen Stahlindustrie erhalten bleibt. Sanktionen nutzen am Ende niemandem. Zumal Deutschland heute nur noch drei Prozent der benötigten Primärenergie selbst fördere und mittlerweile 97 Prozent importieren müsse.

Den freien Zugang zu den Rohstoffmärkten forderte auch Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Wir brauchen einen fairen Wettbewerb und fairen Handel, keinen Protektionismus.“ Rohstoff-Partnerschaften würden immer wichtiger. Deshalb setzt Rehlinger auf einen Ausbau der Zusammenarbeit mit Russland und mehr Dialog. Klaus Töpfer, Schirmherr des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums, hält die Überwindung der Sanktionen der EU gegen Russland für vorrangig. Insbesondere die Einrichtung gemeinsamer deutsch-russischer Forschungsteams sei wichtig, um die umweltfreundliche Verwendung von Rohstoffen zu verbessern und schneller neue Technologien an den Start zu bringen. Sergey Serdyukow, technischer Direktor des Pipelineprojektes Nordstream 2, lobte die Zusammenarbeit mit der Dillinger Hütte, die für das Pipeline-Projekt Grobblech geliefert hatte. „Die Zusammenarbeit mit den Deutschen ist gut.“ Die Pipeline trage zu mehr Versorgungssicherheit in Europa bei und sei kein Mittel für Russland, Staaten zu erpressen. „Wir kaufen und verkaufen Gas.“ Edmund Stoiber, Mitglied im Präsidium des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums sieht Handlungsbedarf der Bundesregierung in Brüssel. Sie müsse eine Mehrheit gegen die Meinung der EU-Kommission organisieren, die Nordstream 2 Pipeline sei politisch falsch. SHS-Chef Michael Müller baut schon mal vor: Dillingen und Saarstahl würden noch stärker international agieren, um sich von konkunkturellen Schwankungen und Krisen unabhängiger zu machen.

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