Interview des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, mit der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya am 20. April 2018 in Moskau

Frage: Herr Lawrow, Sie haben gesagt, dass Russland unwiderlegbare Beweise hat – nicht „highly likely“, wie es jetzt Engländer sagen, sondern unwiderlegbare, dass der so genannte C-Waffen-Angriff in Duma, bei Damaskus von einer Seite inszeniert wurde, die in die erste Reihe der Russenhasser drängt. Dieses Land wurde später vom Leiter der Abteilung für Informationen und Massenkommunikationen des Verteidigungsministeriums Russlands, Igor Konaschenkow, genannt, er sagte, dass es sich um Großbritannien handelt. Wir werden uns doch nicht wie Engländer verhalten, indem man jemandem etwas vorwirft, ohne Beweise zu haben? Wann und welche Beweise können wir gegen Großbritannien vorlegen?

Sergej Lawrow: Es gibt bereits im Prinzip Beweise im Überfluss. Auf dem Video, mit dem alles begann, und das anscheinend zum größten Anlass für den fiebrigen Angriff wurde, der von Amerikanern, Engländern und Franzosen geschafft wurde, indem Bombenangriffe gegen Objekte für Produktion und Lagerung von C-Waffen versetzt wurden, wie sie sagten (anscheinend ist selbst einfachen Menschen klar, dass wenn man weiß, wo sich ein C-Waffen-Lager befindet, bedeuten Bombenangriffe gegen es nur eines – eine humanitäre Katastrophe für jene, die in dieser Gegend wohnen), war sehr gut zu sehen, wie Menschen ohne Schutz (nur einige von ihnen hatten Gaze-Masken) Jungen, irgendwelche erwachsene Menschen mit Wasser begießen.

Unsere Militärs, als sie diesen Teil von Ost-Ghuta befreiten, fanden zwei Ärzte, die in diesem Krankenhaus arbeiteten. Sie zeigten sich selbst auf dem Video und erzählten, wie irgendwelche Menschen eindringen, schrien, dass es ein C-Waffen-Angriff war und man dringend alle mit Wasser begießen soll. Das wurde ehrlich von Ärzten gesagt, die ihre Gesichter nicht verheimlichten und ihre Namen nannten.

Ich habe mir übrigens vor kurzem Euronews angesehen, dort wurde eine Frau gezeigt, bei der das Gesicht und der Körper gedeckt waren, es blieb nur ein schmaler Spalt für Augen. Sie nannte nicht ihren Namen, hielt zwei Jungen an der Hand und sagte, dass es ihre Kinder sind, die sich ebenfalls in der Situation erwiesen, als sie Kopfschmerzen bekamen, ihnen gefiel nicht der Geruch. Sie begann zu riechen, ihr gefiel ebenfalls nicht dieser Geruch. Sie beendete ihren Auftritt mit den Worten, dass ihr Mann später Kinder zum Arzt brachte. Gleich fällt die Frage ein – kann man mit diesem Arzt sprechen, erfahren, wie diese Frau heißt, wer ihre Kinder sind u.s.w.? Deswegen sollen Informationen, die wir sehen, besonders jetzt sehr detailliert analysiert werden, damit wir nicht für „Nowitschok“ gehalten werden.

Zudem entdeckte unser Verteidigungsministerium vor kurzem nach der Befreiung von Duma ein Lager mit chemischen Stoffen, die unter anderem in Deutschland sowie in Porton Down in Salisbury hergestellt wurden.  Jetzt analysieren Spezialisten, was dort entdeckt wurde. Zudem verheimlicht niemand, dass die Inszenierung, die auf dem oben erwähnten Video zu sehen ist, von White Helmets organisiert wurde. Die White Helmets arbeiten ausschließlich auf den Gebieten, die von Extremisten kontrolliert werden, darunter solche Terroristen wie Dschebhat an-Nusra. Sie beteiligten sich bereits am „Zusammenbasteln“ derselben Provokation vor einem Jahr in Chan-Scheichun, und sie werden – das ist auch kein Geheimnis – unter anderem von Großbritannien, den USA und mehreren anderen westlichen Länder finanziert.

Das alles wurde von uns ziemlich konkret und umfassend bei der Sitzung des OPCW-Exekutivrats und im UN-Sicherheitsrat vorgelegt. Als Antwort hören wir nur eins – die Versuche, Großbritannien vorzuwerfen, es konnte etwas falsch gemacht haben, gehen außerhalb der Rahmen, das ist unmöglich und man kann das sogar nicht besprechen.

Ich hoffe, dass alle vernünftigen Menschen den Unterschied in den Argumenten sehen, welche Fakten auf den Tisch gelegt und welche überhaupt nicht vorgelegt werden.

Frage: Jetzt weilt in Syrien eine Mission der OPCW-Experten. Welchen fairsten Bericht kann man erwarten? Mit welchem fairsten Bericht rechnen Sie?

Sergej Lawrow: Falls der Bericht einfach fair sein wird, würde das ausreichen. Wir sind natürlich darüber besorgt, dass mehrere Akteure versuchen, die Tätigkeit der OPCW zu verhindern. Wir haben keine Zweifel daran, dass in der OPCW in Den Haag und in ihren auswärtigen Missionen hohe Profis arbeiten. Doch wir können auch nicht ausschließen (dafür gibt es Beweise), dass man versucht, diese Experten, faire Wissenschaftler in politischen Zielen zu nutzen. Die Mission reiste nach Syrien, kam in Beirut und musste bereits am nächsten Morgen die Grenze zu Syrien überqueren, wo auf sie konsularische Vertreter des syrischen Außenministeriums zur Ausstellung von Visa warteten. An diesem Zeitpunkt konnten sie nicht starten, weil die Angriffe begannen. Einige wollten nicht, dass sie rechtzeitig in das Gebiet gelangen, von dem die Rede ist. Jetzt sind sie in Damaskus, in ein paar Tagen wurde eine Erkundungsmission in das Gebiet gelassen, das untersucht werden soll, um sich vergewissern zu können, dass es dort sicher ist. Sie wurden von UN-Mitarbeitern und unserer Militärpolizei als Wache begleitet. Als sie sich in diesem Gebiet befanden, begann Schießerei aus dem Teil der Stadt, wo noch einige Dutzende Extremisten blieben, die sicher darüber informiert wurden, wer sich konkret dorthin und mit welchen Ziel begeben wird.

Jetzt bemühen wir uns, dass diese Mission jedoch stattfindet. Inzwischen finden unsere Militärs immer mehr interessante Gegenstände. In einer Wohnung in einem Gebiet, das unter Kontrolle der Extremisten stand, wurde ein Kanister mit einem chemischen Stoff, meines Erachtens, Chlor, entdeckt. Er lag auf einem glatt bedeckten Bett. Es gab keine Merkmale des Gelangens dieses Kanisters in das Zimmer von oben bzw. von der Seite – er wurde durch die Tür gebracht und gelegt. Das alles wollen wir OPCW-Experten vorlegen, damit sie nicht nur den Ort des Begießens mit Wasser, sondern auch das Labor, das wir fanden, wo die in Europa hergestellten chemischen Stoffe entdeckt wurden, die Wohnung besuchen, wo dieser Kanister mit Chlor liegt. Dort gibt es was zu sehen. Ich hoffe sehr, dass der Professionalismus doch siegen wird. Wir waren von Anfang an bereit, ein professionelles Gespräch mit der OPCW und allen unseren westlichen Kollegen zu führen.

Ich erwähnte, dass sowohl Franzosen, als auch Amerikaner auf einer früheren Etappe des jetzigen Widerstandleistens wegen der chemischen Frage fragten, ob sie ihre Experten zusammen mit unseren schicken können, um neben OPCW-Experten zu sehen, was dort geschah. Als wir sagten, dass wir bereit sind und die syrische Regierung bereit sein wird, das zu unterstützen, wurden Angriffe versetzt statt diese Vereinbarung umzusetzen. Mal sehen. Natürlich erwarten wir Ehrlichkeit von Experten – im Fall Syrien und im Fall Salisbury. Dort wird die Untersuchung ebenfalls fortgesetzt.

Frage: Wir werden auf Salisbury noch zu sprechen kommen. Ich habe einige Fragen über Syrien. Könnte es so sein, dass den Experten etwas heimlich gelegt und ihnen vorgeschlagen wurde, das mitzunehmen und zu testen? Ist es möglich?

Sergej Lawrow: Ich hoffe, dass die Experten auf ihren guten Ruf achten und immer auf der Hut sein werden. Nichts ist ausgeschlossen, denn die Methoden, auf die unsere westlichen Partner derzeit zurückgreifen, gehen unter die Gürtellinie. Ich möchte nichts ausschließen, aber ich möchte niemanden grundlos beschuldigen.

Frage: Und emotional, in menschlicher Hinsicht, was Sie erlebt haben, als Sie diesen Jungen Hassan Diab sahen – das elfjährige Kind, das plötzlich von den Erwachsenen angegriffen wurde, die es mit kaltem Wasser aus dem Schlauch begossen haben und ihm etwas in den Mund gestreut haben, um es einzuschüchtern? Sein Vater hat selbst davon erzählt. Wie haben Sie das alles als Mensch empfunden?

Sergej Lawrow: Ich finde, das ist ekelhaft, wenn Kinder in diese schmutzigen Spielchen involviert werden.

Frage: Sie haben große Erfahrung, auch in der Ständigen Vertretung unseres Landes bei den Vereinten Nationen. Könnten Sie sich vorstellen, dass dieser Junge, Hassan Diab, und sein Vater im Sicherheitsrat erscheinen und mit ihrer Geschichte als Zeugen aussagen? Oder sie müssen zuerst syrische diplomatische Pässe bekommen? Wird die Welt diese Menschen hören, weil dies wichtige Zeugen sind, die an den Ereignissen teilnehmen?

Sergej Lawrow: Es wäre nützlich, und natürlich würden wir diese Handlungen unterstützen. Sie sollten vor allem von der syrischen Regierung unternommen werden. Unsere westlichen Kollegen greifen oft darauf zurück, die Zivilgesellschaft, wenn es dazu kommt, dass es Zeugen einer Aktion gibt, die behandelt wird, in die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates einzubeziehen.

Frage: Also, solch eine Praxis gibt es?

Sergej Lawrow: Ja. Vertreter verschiedener Nichtregierungsorganisationen werden zum UN-Sicherheitsrat gebracht, zu verschiedenen Zeiten waren das (ich erinnere mich jedoch nicht mehr, was das für eine Organisation war) Syrer, Iraker, und es fanden Videokonferenzen statt. Das heißt, dass es technisch möglich ist, dem Sicherheitsrat und den UN-Mitgliedstaaten in den öffentlichen Sitzungen des obersten Organs der Organisation die Sicht bestimmter Personen zu vermitteln, die die Zeugen dieses Ereignisses wurden. Übrigens wollten und werden wir auch weiter anstreben, dass (darunter in den Situationen, die nicht nur Syrien betreffen) die Zeugen die Möglichkeit haben, sich an den UN-Sicherheitsrat direkt von ihren Sitzen zu wenden. Aber in diesem konkreten Fall ist dies natürlich die Aufgabe der syrischen Regierung. Wir würden einen solchen Vorschlag aktiv unterstützen.

Frage: Der Vater hat zumindest gesagt, dass sie bereit sind, egal wohin zu fahren und egal vor wem als Zeugen aussagen.

Sergej Lawrow: Ja, das habe ich gehört.

Frage: So oder so, diese Provokation, die Inszenierung endete mit massiven Raketenangriffen und, nebenbei bemerkt, mit einer ziemlich spektakulären Reflexion. Vielleicht ist dies die erste Episode in der Geschichte der Menschheit. Inwiefern detailliert, genau und im voraus erhielt Russland eine Warnung vor dem bevorstehenden Raketenangriff? Hatten wir die Möglichkeit, unsere „roten Linien“ um die bestimmten Regionen zu zeichnen? Buchstäblich „rote Linien“ auf der Karte. Wie entschlossen würden wir antworten, wenn die Raketen in die falschen Gebiete fliegen würden, vor denen wir gewarnt haben? Wären wir bereit, die feindlichen Schiffe zum Versinken zu bringen und ihre Flugzeuge abzuschießen?

Sergej Lawrow: Noch, bevor die Pläne der westlichen „Troika“, Schläge zu versetzen, angefangen haben, sich zu materialisieren, sagte der Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Waleri Gerassimov, ausdrücklich, dass, wenn irgendwelche Kampfhandlungen der sogenannten „Koalition“ gegen russische Militärs Schaden zufügen, dann werden wir hart und eindeutig antworten. Außerdem werden wir als legitime Ziele nicht nur die Raketen selbst, sondern auch ihre Träger betrachten. Dies wurde klar und eindeutig gesagt.

Übrigens, ich wundere mich, wie einige Ihrer westlichen Kollegen, auch meine in der Tat, und einige unserer Medien griffen unseren Botschafter in Libanon, Alexander Sasypkin, an, der wiederholte, was der Chef des Generalstabs gesagt hatte. Er wurde so interpretiert, dass, wenn auch eine Rakete der Koalition über das Gebiet Syriens fliegen wird, wir Schiffe, U-Boote und so weiter versenken werden. Er hat aber die Worte des Chefs des Generalstabs, Waleri Gerassimov, wiederholt, der davor gewarnt habe, den russischen Soldaten Schaden zuzufügen.

Danach gab es Kontakte auf der Ebene der militärischen Führung, Generäle, zwischen unseren Vertretern und dem Kommando der amerikanischen Koalition. Sie wurden informiert, wo wir „rote Linien“ hatten, einschließlich „rote Linien“ „auf dem Boden“, geographisch. Die Ergebnisse zeigen, dass sie diese „roten Linien“ nicht überschritten haben.

Was die Ergebnisse dieser Angriffe betrifft, werden sie auch in Frage gestellt. Amerikanische Kollegen sagen, dass alle Raketen ihre Ziele erreicht haben, einschließlich die französischen. Unser Generalstab hat ein sehr klares Bild, wir haben alles live in Echtzeit gesehen. Wir sind bereit für die Statistik verantwortlich zu sein, die unser Militär zur Verfügung gestellt hat. Wenn jemand sagt, dass alle 105 Raketen ihre Ziele erreicht haben, dann müssen Sie Ihre Statistiken zur Verfügung stellen. Zumindest Beweise dafür, dass unsere Aussagen, unsere Berechnungen, unsere Arithmetik nicht grundlos sind, werden von unserem Militär vorgelegt, wie ich es verstehe, sehr bald.

Frage: Bald?

Sergej Lawrow: Ich hoffe es.

Frage: Unser Militär sagte, dass 103 Raketen gestartet wurden, 71 davon wurden abgeschossen. Der US-Präsident Donald Trump sagte, er habe jemand angerufen und gefragt, ob alle Raketen ihr Ziel erreicht haben, und am anderen Ende sagte man ihm, dass „alle, Herr Präsident“. Wer könnte das sein, den er angerufen hat?

Sergej Lawrow: Ich weiß es nicht, wenn der US-Präsident in diesen Fällen anruft. Unser Präsident telefoniert nicht – er wird benachrichtigt, wenn sich derartige Fälle ereignen. Jetzt würde ich es vorziehen, nicht in das Thema der Beziehungen innerhalb der US-Regierung zu gehen und wie einige Beamte in Washington zur Position und den Wünschen seines Präsidenten stehen.

Frage: Werden wir S-300 nach Syrien liefern?

Sergej Lawrow: Darüber sagte der russische Präsident Wladimir Putin. Wir haben jetzt keine moralischen Verpflichtungen. Es gab sie, wie haben versprochen, dies noch weitere 10 Jahre nicht zu tun, auf Wunsch unserer bekannten Partner. Wir berücksichtigen ihr Argument, dass dies zur Destabilisierung der Situation führen könnte, obwohl das Mittel rein defensiv ist, aber trotzdem beachten wir ihre Bitten. Jetzt haben wir diese moralische Verpflichtung nicht mehr.

Frage: Sie sagen, dass Sie die Lage innerhalb der US-Regierung nicht besprechen wollen, aber dennoch in der aktuellen Konfiguration, wenn die empfindlichste „Taube“ im Weißen Haus „Mad Dog“ John Mattis ist, entsteht eine solche Lage, dass wir kurz vor einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und den Vereinigten Staaten stehen. Wie groß ist das Risiko?

Sergej Lawrow: Ich glaube, der US-Verteidigungsminister John Mattis und der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, Joseph F. Dunford, verstehen die Unzulässigkeit und Unzulänglichkeit der Handlungen, die einen direkten militärischen Zusammenstoß zwischen Russland und den Vereinigten Staaten provozieren können. Dies liegt meiner Meinung nach auf der Hand, und das Militär muss das verstehen, und es versteht das auch besser, als viele andere.

Wenn Politiker versuchen, die Führung des Landes zu „stacheln“, indem sie von ihr immer mehr Konfrontation fordern, darunter eine materielle, dann ist das unverantwortlich. Sie versuchen, ihre innenpolitischen Ziele zu erreichen, ein sehr grausamer Kampf zwischen den Parteien läuft weiter (das ist im Kongress zu sehen), aktiv wird auf dem russischen Faktor spekuliert, indem sie verstehen, dass es den Nährboden für die Vereinigung auf russophober Basis gibt. Aber diese Kampagne erlahmt. Sie wurde künstlich durch absolut beispiellose Sanktionen über Wasser gehalten, in der Hoffnung, dass sie mit derartigen Sachen uns dazu zwingen werden, ihre Bedingungen zu akzeptieren, damit sich die Beziehungen weiter entwickeln können. Dies ist zumindest kurzsichtig und naiv. Sie wollen gute Beziehungen zu Russland, aber dafür muss Russland alle seine Sünden und Fehler eingestehen. Das heißt, sie gehen von ihrer Unfehlbarkeit aus, und dass an allem, was jetzt geschieht, nur Russland schuld ist, das widerstreitet und sich als revisionistische Macht sieht, indem es die moderne Weltordnung revidiert. Dabei meinen sie unter der Weltordnung nicht die UN-Charta, sondern das, was sie für nötig halten, um ihre Dominanz beizubehalten.

Ich verstehe, dass der historische Westen, wie wir ihn nennen, mehrere Jahrhunderte seines Amtes in der Welt waltete. Und jetzt, wenn Machtzentren in Asien, Lateinamerika und eigentlich die Russische Föderation – einer der wichtigsten Akteure auf der Weltarena – auftauchen, so mögen sie es nicht, dass jemand versucht, seine Interessen zu verteidigen. Dabei verteidigen wir unsere Interessen nicht mittels Ultimaten, sondern schlagen vor, nach einem Interessenausgleich zu suchen, um zu vereinbaren. Und sie sagen, sie werden nur dann vereinbaren, wenn wir sagen, dass wir damit einverstanden sind, wie die Welt in ihrer Sicht funktioniert. Darum geht es eben.

Zurück zur Frage nach den Risiken einer militärischen Konfrontation: ich gehe hundertprozentig davon aus, dass das Militär dies nicht zulässt. Und das wollen natürlich weder der russische Präsident Wladimir Putin noch, da bin ich mir sicher, der US-Präsident Donald Trump. Sie sind Anführer, die von ihren Völkern gewählt werden, und sind vor ihnen dafür verantwortlich, dass Frieden und Ruhe herrschen.

Frage: Ehrlich gesagt bewundere ich diese Kaltblütigkeit und Ausdauer Russlands. Ich erlebte den „Kalten Krieg“, und es entsteht so ein Eindruck, dass, wenn im Kreml eine andere Person sitzen würde, alles anders ausgehen würde, denn es scheint so, dass Provokationen hintereinander folgen. Russland wird provoziert, aber es lehnt immer wieder ab, diesen „Kalten Krieg“, diese Art von Sport, zu akzeptieren. Sie sagen, es geht bergab, und ich persönlich habe das Gefühl, dass es sich im Gegenteil verschärft, die Spannung spitzt sich zu, direkte Lügen werden zu einem Instrument der außenpolitischen Aktivität – wir können uns beispielsweise an den britischen Außenminister Boris Johnson erinnern. Unsere Partner wollen weder zuhören noch einfach hören. Bei mir im Büro laufen die Sender „Rossija 24″, „BBC“, „CNN“. Auf Rossija 24 wird eine Reportage mit dem elfjährigen Jungen gezeigt, der unfreiwillig Schauspieler in dem Video wurde, und der erzählt darüber, dass man ihm Datteln, Kekse und Reis gab. Diese Provokation wurde aufgedeckt, aber BBC zeigt dasselbe Video, um den Raketenangriff zu rechtfertigen, als ob es von nichts hört, als ob nichts geschehen wäre. Was soll passieren, um unter diesen Bedingungen eine Entspannung zu erreichen?

Sergej Lawrow: Ich habe nicht gesagt, dass diese Kampagne abklingt. Ich sagte, sie erlahmt. Wissen Sie, ein Mann läuft 100 Meter oder 10000 Meter, oder besser 42 Kilometer, und mit jedem Schritt atmet er schwerer, aber läuft weiter. Am Ende verlassen ihn seine Kräfte. Ich glaube, wir erleben derzeit etwas Ähnliches, obwohl sie sicherlich wollen (diejenigen, die diese russophobe Kampagne spielen), ihr Tempo zu erhöhen. Aber so kann man (und wahrscheinlich wird es so sein), zusammenbrechen.

Sie haben absolut Recht. Ich bin überzeugt, dass wir mit Würde reagieren müssen. Wir können nicht auf die Entziehung unseres Eigentums, die Ausweisung von Diplomaten nicht reagieren – das ist dann sich selbst nicht respektieren. Aber wir werden nicht zu Zankereien und Anpöbelungen übergehen, wir werden dies nicht tun – es ist überhaupt nicht der Stil unseres Präsidenten. Er sieht immer nach vorne, und es ist sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, ihn aus der Fassung zu bringen. Und sie versuchen, so etwas Ähnliches zu tun – ihn aus dem Konzept, aus der Ruhe, dem Glauben, unsere Pläne zu zerstören, die wir zu Hause umsetzen müssen, zu bringen, und es gibt sie viele. Aber ich wiederhole noch einmal, wenn sie uns anbrüllen, so erinnere ich mich an die berühmte Weisheit „Du ärgerst dich, o Jupiter, und das bedeutet, dass du im Unrecht bist.“

Frage: US-Präsident Donald Trump, wie es vor kurzem bekannt wurde, hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Weiße Haus eingeladen. Gibt es Genaueres über den Zeitpunkt, Ort und die Tagesordnung?

Sergej Lawrow: Wir gehen davon aus, dass US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat (dies ist bekannt geworden, es ist kein Geheimnis) eine solche Einladung geschickt hat, dass er froh sein werde, ihn im Weißen Haus zu sehen und sich im Rahmen des Gegenbesuchs zu treffen. Er kam einige Male auf dieses Thema zurück, also ließen wir unsere amerikanischen Kollegen wissen, dass wir nicht aufdringlich sein wollen, aber wir wollen auch nicht unhöflich sein, da US-Präsident Donald Trump einen solchen Vorschlag gemacht hat, wir gehen wir davon aus, dass er darüber noch genauer sagen wird. Der russische Präsident Wladimir Putin ist aber bereit für so ein Treffen.

Frage: Ist dieses Treffen geplant?

Sergej Lawrow: Noch nicht. Sobald wir mehr wissen werden, werden wir Ihnen davon erzählen. Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Donald Trump bereits nach diesem Telefongespräch mehrmals in seinen Tweets und auch so sagte, dass es notwendig ist, Probleme mit Russland zu lösen, dass sie gute Beziehungen mit uns haben wollen. Es ist besser, als diese nicht zu haben, und nur ein Idiot denkt anders. Wir hören das alles auch.

Frage: Aber parallel dazu sagte Vizepräsident Mike Pence, dass die USA die militärische Vorherrschaft im Weltraum einschließlich über Russland anstreben werden. Wird dies zu einem Wettrüsten im Weltraum führen? Wie wird Russland darauf reagieren?

Sergej Lawrow: Die USA sind seit vielen Jahren die einzige Großmacht, die den Beginn der Verhandlungen über die russisch-chinesische Initiative über den Beginn der Ausarbeitung des Abkommens über das Einsatzverbot von Waffen im Weltraum, die wir mit unseren chinesischen Kollegen in der Abrüstungskonferenz in Genf eingebracht haben, blockiert. Es geht nicht darum, die Militarisierung des Weltraums zu verhindern, weil Satelliten von uns, von Amerikanern und vielen anderen für militärische Zwecke gestartet werden. Dies ist eine separate Sache. Waffen im Weltraum zu platzieren wäre jedoch sehr riskant und würde neue, absolut unvorhersehbare Bedrohungen schaffen. Wir schlugen vor, einen Vertrag mit den Chinesen zu schließen. Jeder ist bereit, Verhandlungen aufzunehmen. Es ist klar, dass dies eine schwierige Aufgabe ist, aber wir haben einen Projektentwurf. Er wurde gründlich ausgearbeitet, wir sind offen dafür, Artikel für Artikel zu besprechen und nach Formulierungen zu suchen, die es zur einer Vereinbarung und Unterzeichnung führen könnte. Die Amerikaner ihrerseits blockieren diese Arbeit. Inzwischen haben wir die Gefahr einer solchen Entwicklung zu wissen und warten jetzt darauf, wenn die Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen über ein rechtsverbindliches Dokument reif sind, und fördern das politische Konzept – Appell an alle, zu verkünden, dass jedes Land nicht das erste sein wird, das Waffen in den Weltraum bringt. Es gibt eine Resolution der UN-Generalversammlung, die wir einbringen. Sie wird mit einer deutlichen Mehrheit der Stimmen angenommen. Die Amerikaner sind dagegen, und viele amerikanische Verbündete enthalten sich der Stimme.

Aber das Problem ist da. Wenn sich diese Bedrohungen materialisieren, muss man sich im Voraus auf Handlungen vorbereiten, mit denen die schlimmsten Szenarien vermieden werden können, wenn man aus dem Weltraum Objekte auf dem Boden einfach zerstören wird. Das ist ein großes Problem. Es beinhaltet das Thema der Antisatellitenwaffen. Je früher dieses Gespräch professionell und mit Teilnahme der Diplomaten und Militärs auf der Abrüstungskonferenz in Genf beginnt, so wird es wahrscheinlich für die ganze Menschheit besser sein.

Was die Erklärung des US-Vizepräsidenten Mike Pence über die Notwendigkeit einer militärischen Vorherrschaft im Weltraum betrifft, so überrascht es nicht, dass sich die USA weigern, zu verhandeln, was ich erwähnt habe. Und es ist bei ihnen eigentlich üblich, zu dominieren, nicht nur im Weltraum, sondern auch an Land, auf dem Boden, in der Luft. Und das steht in ihren doktrinellen Dokumenten geschrieben. Es gibt hier nichts Verwunderliches. Aber ich wiederhole, die Übertragung dieser Logik auf den Weltraum wird natürlich ein sehr ernstes Risiko für die gesamte Menschheit sein.

Frage: Zumindest spüren die Amerikaner keine Einschränkungen.

Sergej Lawrow: Es gibt sie nicht. Es gibt keine juristischen Einschränkungen.

Frage: Sie arbeiten einfach an Dominanz. Russland könnte dies auch tun, denn es gibt keine Einschränkungen?

Sergej Lawrow: Wir sehen, was unsere amerikanischen Kollegen tun, und natürlich haben wir nicht das Recht, das einfach hinzunehmen.

Frage: Kommen wir zum chemischen Thema zurück. Diese Geschichte mit „BZ“, was halten Sie von der Intrige? Die neueste Information – es wird berichtet, dass „BZ“ künstlich in die Proben beigemischt wurde, die an das Schweizer Labor geliefert wurden, um angeblich die Professionalität und Kompetenz derjenigen, die die Analyse durchführen werden, zu überprüfen. Was ist das denn?

Sergej Lawrow: Dies geschah mit Absicht, um die Professionalität derjenigen zu prüfen, die die Analyse durchführen werden. Ich will nicht ins Detail gehen, aber der Großteil des Berichts war vertraulich, aber es ist bekannt, dass, nachdem sich die Briten an die OPCW für die technische Hilfe gewandt haben, sie ihnen nicht nur eine Probe des Materials vom Unfallort übergaben, sondern auch sagten: „Hier ist eine Probe, finden Sie darin eine chemische Substanz“. Das heißt, es war ein Auftrag. Und die OPCW-Experten, die eine technische Funktion erfüllten, bestätigten, dass es genau die Substanz war, von der die Briten ihnen erzählt haben. Aber sie war in purer Form und in hoher Menge, was darauf hindeutet, dass sie in die Probe kurz vor der Analyse gemischt wurde, weil sie in ein paar Wochen einem Metabolismus unterzogen worden wäre, und sie wäre einer ganz anderen Konsistenz gewesen.

Parallel dazu wurde im Schweizer Labor in der Stadt Spiez in der Probe neben der im Auftrag gegebenen Substanz auch eine bestimmte Menge von BZ gefunden, die zu den Substanzen der zweiten Kategorie gehört. Laut der Chemiewaffenkonvention ist dies eine weniger gefährliche Verbindung als die der ersten Kategorie.

Es gibt viele Fragen, und wir wollen eine Antwort auf sie bekommen. Wenn das, was uns über BZ gesagt wird, wahr ist, dann erklären Sie es uns. Nun, wenn diese Fragen auftauchen, würden wir gerne die primären Ergebnisse der Analysen nicht nur im Labor in Spiez sehen, sondern auch in den anderen drei Laboratorien, in die diese Proben parallel versandt wurden.

Es wurde auch bekannt, dass die OPCW-Experten nicht nach ihrem eigenen Ermessen Proben genommen haben, sondern an den Orten, auf die die Briten hingewiesen haben.

Es gab keine unabhängige Untersuchung der Patienten, deren Blut die OPCW-Ärzte abgenommen haben. Das heißt, alle haben sich ausschließlich auf britische Ärzte verlassen. Und es wäre schön, wenn die Briten in ihren weiteren Aktionen offen wären, wenn sie die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchungen zeigen würden, aber sie halten alles geheim, so wie sie es in der Vergangenheit getan haben, als sie den „Fall Litwinenko“ für geheim erklärten. Die Materialien werden immer noch geheim gehalten.

Fragen häufen sich natürlich. Wir haben fast fünf Dutzend hochprofessionelle Fragen formuliert. Als Reaktion darauf sagen sie uns, dass wir zuerst ihre Fragen beantworten sollen. Und sie haben eine Frage, oder besser gesagt zwei: „War das Wladimir Putin, der befohlen hat, dies zu tun oder Sie haben lediglich die Kontrolle über Ihr Chemiearsenal verloren?“ Was für Chemiearsenal? Dieses, das vernichtet und von der OPCW als bereits vernichtetes Arsenal mit der Zustimmung der gesamten Weltgemeinschaft verifiziert wurde?

Sie begannen Anklage zu erheben, darunter ein Assistent der Premierministerin, der einen offenen Brief an den NATO-Generalsekretär schrieb. Warum in aller Welt, warum? Aber in diesem Brief gibt er die Daten an, die, wie sie glauben, alle von der Richtigkeit der englischen Argumente und Vorwürfe gegen uns überzeugen sollen. Unter anderem heißt es, dass in den 2000er Jahren ein militärisches Chemieprogramm in Russland heimlich durchgeführt worden sei. Das zu zerstören, was von der OPCW gemeldet wurde, aber es habe immer noch ein geheimes Programm gegeben. Geleitet sei es (später sagte das jemand) persönlich von Präsident Putin worden. Aber wenn das so ist, wenn sie die ganze Zeit darüber wüssten, würden sie zur OPCW kommen, Alarm schlagen und verlangen, dass wir zur Verantwortung gezogen werden müssen. Sie waren still. In diesem Brief wird behauptet, dass die Methode, Menschen durch die Anwendung von Giftstoffen auf den Türgriffen zu vergiften, als „trademark“, als unsere Markenidee konzipiert wurde, und es war so vor langer Zeit. Aber wenn sie wussten, dass es unsere Markenidee ist, über die Türgriffe zu vergiften, wenn sie uns sofort beschuldigt haben, Skripals vergiften zu haben, warum haben sie sich denn an den Türgriff ihres Hauses erst in der vierten Woche erinnert und zuerst das Taxi, die Bank, das Restaurant untersucht? Dies ist eine Unstimmigkeit. Sie sagen, dass die Hauptabteilung für Aufklärung beim Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation angeblich jahrelang E-Mails von Julia Skripal gelesen hatte. Aber um das zu behaupten, müssen Sie auch ihre E-Mails im Auge behalten haben. Je mehr sie sich zu rechtfertigen versuchen, desto mehr Fragen entstehen.

Frage: Wenn sie eine Probe nehmen und sich erlauben, dort BZ beizumischen, so ist die Richtigkeit der Probenahme nicht bestätigt worden, und die OPCW verliert nun demzufolge ihr Gesicht?

Sergej Lawrow: Ich behaupte nicht, dass sie das eingespritzt haben, dass sie versuchten, in die Irre zu führen.

Frage: Sie haben selbst gesagt, dass sie BZ eingespritzt haben.

Sergej Lawrow: Ja, aber wir wollen verstehen, inwieweit das den Vorgehensweisen entspricht. Denn, was wir jetzt darüber wissen, wie die OPCW auf Einladung von London in Großbritannien empfangen wurde und wie die Organisation dort arbeitete, passt nicht in diese klaren Vorgehensweisen, die die Chemiewaffenkonvention vorsieht. Aber wir machen keine Vorwürfe. Wir haben Dutzende von Fragen gestellt. Wir wollen Antworten auf diese Fragen haben, Antworten von Experten. Wir wollen ein professionelles Gespräch. Vielleicht müssen wir erst einmal abwarten, bis die Spezialisten in der britischen Regierung auftauchen. Bisher scheitert das Gespräch immer.

Frage: Es entsteht eine Situation, in der Sergej Skripal selbst den „rutschigen“ Weg im Leben wählte, aber Julia Skripal wollte diesen Weg sicherlich nicht. Es stellt sich heraus, dass sie für ein paar Tage zu ihrem Vater fuhr, um den Segen für die Ehe zu erhalten, und das Leben nahm eine ganz andere Wendung an. Jetzt schreibt jemand Briefe von ihrem Namen auf Cambridge-Englisch, und eigentlich ist die Person verschwunden. Es ist ein ganzes Drama. Sie ist eine russische Bürgerin. Das waren nicht ihre Pläne, dort zu bleiben, sie hat ihre Wohnung renovieren lassen, sie hat einen Verlobten, einen Hund, ihr ganzes Leben hier. Wie ist das alles zu verstehen?

Sergej Lawrow: Ich halte das einfach für eine Unverschämtheit. Wir haben bereits mehrere offizielle Noten mit der Bitte gerichtet, uns einen persönlichen Kontakt mit der russischen Staatsbürgerin zu gewähren, um sicherzustellen, dass alles, was die Engländer in ihrem Namen sagen, wahr ist. Bislang haben wir diese Überzeugung nicht. Wissen Sie, das alles überschreitet nicht nur alle ethischen, sondern auch rechtliche Grenzen. „Sie will mit Ihnen nicht kommunizieren, sie hat das gesagt.“ Aber Julia Skripal hat davon nichts gesagt, das haben wir nicht gehört. Sie telefonierte mit ihrer Cousine Viktoria etwa anderthalb Minuten. Viktoria hat in mehreren Interviews darüber gesprochen. Sie machte sich Sorgen darüber, wie Julia klang. Wenn Julia nicht mit uns kommunizieren will, wollen wir, dass sie uns das selbst sagt. In vielen Situationen, wenn unsere Mitbürger sich entschließen, in ein anderes Land zu gehen, oder in Schwierigkeiten sind, und wir ihnen konsularische Unterstützung geben wollen und sie sie ablehnen, vergewissern wir uns davon im Rahmen eines persönlichen Treffens. Es können ruhig nur zehn Sekunden sein, sie sagt einfach „Vielen Dank, aber ich brauche ihre Dienstleistungen nicht.“

Was Sergej Skripal betrifft, haben Sie gesagt, dass er selbst seinen Weg gewählt hat. Er wurde verurteilt und hatte eine Haftzeit von ungefähr vier Jahren. Und zu diesem Zeitpunkt fand ein Austausch gegen die sogenannte „Chapman-Gruppe“ statt – also gegen mehrere Menschen, die für die USA und Großbritannien spionierten. Der Austausch fand statt, er wurde aus dem Gefängnis entlassen, zog in seine neue Heimat und lebte da. Wenn jemand ihn in der Russischen Föderation loswerden wollte (wie sie jetzt sagen, dass wir nur ein Motiv hatten), warum haben wir ihn dann gegen unsere Geheimdienstler austauschen sollen?

Ich habe viele Freunde-Geheimdienstler, und ich schätze unsere Beziehung sehr, ich schätze ihren Beruf sehr. Einige unserer Politologen, ich werde sie so nennen, sagen, dass es eine „heilige Sache“ ist, Überläufer zu vernichten, zu beseitigen. Das ist eigentlich eine Beleidigung für die Nachrichtendienste in jedem Land der Welt, denn in jedem Nachrichtendienst werde ich Ihnen sagen, dass, wenn er ausgetauscht wurde, so muss er in Ruhe gelassen werden. Das ist alles, die Frage wird für geschlossen erklärt.

Frage: Das meine ich nicht, dass er beseitigt werden muss. Er wählte seinen eigenen Weg, er wählte seine Partner. Und es sind diese Partner mit ihm, die jetzt alles tun, was sie wollen. Erlahmen hier auch die Versprechen?

Sergej Lawrow: Hier?

Frage: Sie sagten, dass diese Geschichte mit der Stadt Duma weitgehend erlahmt. Und in diesem Fall?

Sergej Lawrow: Wenn wir analysieren, was sie auf unsere sehr konkreten Fragen antworten, indem sie alle „Lügengeschichten“ aus dem Weg räumen und wie ein Mantra wiederholen, dass niemand eine Kombination von Merkmalen hat, eine Substanz zu produzieren, dass niemand die Erfahrung hat, diese Stoffe für illegale Zwecke einzusetzen und niemand Motive hat (wie Boris Johnson sagt), dann ist das ein absolutes Unwissen des Falls. Sie hätten schon vor einem Monat uns darum bitten können, ihnen professionelle Informationen zu geben. Dieser sogenannte „Nowitschok“, diese Klassifizierung wurde nicht von uns erfunden. Er wurde so im Westen bezeichnet.

Ja, wir hatten Entwicklungen, und einer der Entwickler war Wil Mirsajanow. Er immigrierte in die USA, veröffentlichte diese Formel. Diese Substanz wurde patentiert, stand im Dienst oder wurde von verschiedenen Institutionen der biologischen und chemischen Armeen der Vereinigten Staaten verwendet. Sie ist einfach herzustellen. Es gab ein Treffen des OPCW-Exekutivrats, und wir fragten, wie das Labor in Spiez davon überzeugt war, dass es genau die Substanz, um die es sich handelt. Dann hatte sie also einen Prototyp oder, wie es heißt, einen Marker. Sie sagten, dass ihnen eine Formel gegeben wurde. Und dieses Labor hat innerhalb von ein paar Tagen oder vielleicht Stunden diese Substanz synthetisiert. Das heißt, es ist nicht schwer, sie zu schaffen, wenn es eine Formel gibt, die Ende des letzten Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Es ist daher absolut unverständlich, warum niemand diese Information den respektablen Mitgliedern des britischen Kabinetts, einschließlich der Premierministerin, zur Verfügung stellen kann.

Frage: Es gibt noch ein Thema auf der internationalen Agenda, das viel diskutiert wird – der bevorstehende Gipfel der beiden Koreas. US-Präsident Donald Trump sagt, dass er in den kommenden Wochen den Anführer Nordkoreas, Kim Jong-un, sehen wird. Der Ort steht fest. Russland schlägt vor, ein Treffen auf seinem Territorium abzuhalten.

Sergej Lawrow: Ich habe nichts davon gehört. Vielleicht phantasiert jemand und macht Vermutungen. Es wurden einige europäische Länder erwähnt, auch die Mongolei, ein Dorf an der Grenze der entmilitarisierten Zone.

Frage: Sind wir bereit, unser Territorium vorzuschlagen?

Sergej Lawrow: Ich denke nicht, dass wir in dieser Angelegenheit aktiv werden und Initiative ergreifen sollten. Dieser Gipfel, den wohl jeder erwartet, weil das ein Schritt zurück von der Perspektive der militärischen Krise, einer militärischen Lösung des Problems der koreanischen Halbinsel. Wir hoffen sehr, dass damit der Prozess der Deeskalation der Spannung eingeleitet wird.

Tatsächlich haben Russland und China vor etwas weniger als einem Jahr im Juli vergangenen Jahres die Idee einer „Roadmap“ vorgelegt. Sie sah vor, dass es notwendig ist, erst einmal einen Dialog zwischen den beiden koreanischen Staaten zu beginnen, zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten und eine Art Rahmen ins Leben zu rufen, mit Hilfe dessen gegenseitige Forderungen und Besorgnisse erörtert werden können.

Wir alle wollen die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, aber sie kann auf verschiedene Art und Weise umgesetzt werden. Was wir jetzt über die Gespräche in der US-Administration lesen, zeigt, dass es dort viele gibt, die es schnell machen wollen. Ich glaube nicht, dass es angesichts der Ereignisse um das iranische Atomprogramm schnell gehen wird, wenn das Abkommen derzeit vor einem riesigen Fragezeichen steht. Im Mai muss US-Präsident Donald Trump erneut bestätigen, dass die Einstellung der Sanktionen fortgesetzt wird. Wenn nicht, dann wird das den Austritt aus dem Auskommen bedeuten. Man muss unbedingt die Denuklearisierung anstreben, aber wir müssen realistisch sein, das wird ein Prozess der sehr schwierigen Verhandlungen sein, denn Nordkorea im Gegenzug, vor allem angesichts der iranischen Erfahrung, feste Sicherheitsgarantien wollen wird. In welcher Form das sein wird, ist es derzeit unmöglich zu sagen. Aber das wäre sicherlich eine ausgezeichnete Lösung. Aber ich wiederhole, zuerst muss ein Dialog gestartet und auf dem Treffen der beiden Führer aufgenommen werden, danach steht eine sehr schwierige Aufgabe bevor, deren Teil darin bestehen muss, Mechanismen von Frieden und Sicherheit in Südostasien mit Teilnahme von Russland, China und Japan im weitesten Sinne zu besprechen, wie es damals bei den Sechser-Gesprächen der Fall war.

Wir begrüßen den bevorstehenden zwischenkoreanischen Gipfel, der bereits im April stattfinden wird, und den bevorstehenden USA-Nordkorea-Gipfel im Mai oder Juni, wie US-Präsident Donald Trump sagte.

Frage: Sie sprechen von einem Dialog. Fühlen Sie sich in den entstehenden Realitäten nicht altmodisch? Donald Trump trifft sich nicht zum Dialog, sondern mit einem Ultimatum. Er sagte schon, wenn es nicht klappt, dann stehe ich vom Tisch auf und gehe weg. Von was für einen Dialog kann es hier denn die Rede sein? Und Sie scheinen mir romantisch zu sein, in dem sie von einem Dialog sprechen. Ich verstehe, dass das edelherzig ist, aber ob das nicht viel zu realitätsfern ist? Er hat ja Ultimaten.

Sergej Lawrow: Wir können das Scheitern dieses Treffens nicht wünschen. Und ich glaube, dass es so wie bei den Boxern, die auf den Ring gehen, sie wiegen sich und brüllen einander an und beginnen anschließend den Kampf, aber danach umarmen sie sich und gratulieren gegenseitig.

Ich möchte keinen direkten Vergleich ziehen, aber den Einsatz vor dem Beginn eines ernsten Gesprächs zu erhöhen, ist keine Neuigkeit in der internationalen Diplomatie. Wir werden es dann sehen.

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