Rede des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, bei der Eröffnung der XXVI. Internationalen Weihnachtlichen Bildungslesungen, am 24. Januar 2018 in Moskau

Eure Heiligkeit,

Eure Hochwürdigste Exzellenz,

Sehr geehrte Kollegen,

Freunde,

zudem möchte ich die Organisatoren, Teilnehmer und Gäste der XXVI. Internationalen Weihnachtlichen Bildungslesungen herzlich begrüßen.

Es ist eine große Ehre für mich, auf der Eröffnung dieses Forums erneut Rede zu halten. Das Forum ist in den letzten vielen Jahren ergiebiger Arbeit zu einer renommierten Plattform für die Erörterung von aktuellen und uns bewegenden Fragen der allrussischen Tagesordnung geworden. Die in seinem Rahmen ausgearbeiteten Initiativen und Empfehlungen leisten einen nützlichen Beitrag an eine harmonische Entwicklung Russlands sowie die Konsolidierung von gesamtbürgerlichen, internationalen und zwischenkonfessionellen Frieden und Eintracht.

Die Aktualität des Themas dieses Treffens (darüber wurde bereits vor mir gesagt) ist schwierig zu hoch einzuschätzen. Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, hob bei der Sitzung des Bischofskonzils am 1. Dezember vergangenen Jahres hervor, dass wir heutzutage sehen, wie traditionelle Werte in vielen Ländern nicht mehr bewahrt werden, und es führt zur gegenseitigen Entfremdung und Entpersönlichung von Menschen.

Es liegt auf der Hand, dass die Revision von grundlegenden moralischen Normen, Willkür und die ad absurdum geführte Toleranz einen Schaden der moralischen Gesundheit der Menschen anrichten sowie ihnen ihre kulturellen-zivilisatorischen Wurzeln entziehen. In einer Reihe der Mitgliedsländer der Europäischen Union werden beispielsweise Verbote von Devotionalien eingeführt, Eltern wird das Recht entzogen, die Kinder im Geiste der christlichen Moral zu erziehen und andere Beispiele, die in der Vorrede Seiner Heiligkeit angeführt wurden. Ich möchte daran erinnern, dass die Europäische Union seinerzeit darauf verzichtet hat, in den Gründungspapieren eine These darüber zu verankern, dass die Europäische Zivilisation christliche Wurzeln hat. Ich bin der Ansicht, dass diejenigen, die sich für ihre moralischen Wurzeln schämen, Vertreter anderer Konfessionen nicht respektieren können. Dies schafft einen Nährboden für Xenophobie und Intoleranz, öffnet den Weg zur Selbstvernichtung der Gesellschaft. Es ist wichtig, den pseudoliberalen Herangehensweisen, die destruktive Verhaltensmodelle gutheißen, tatkräftig entgegenzuwirken.  

Tiefe Besorgnis rufen die aggressiven Versuche hervor, anderen Völkern der Welt ihnen fremde Werte zu oktroyieren.

Am Beispiel des Nahen Ostens und Nordafrikas sehen wir, wozu die verantwortungslose „gesellschaftliche Konstruktion“ führt. Infolge der Einmischung des Westens in die inneren Angelegenheiten der souveränen Staaten – des Iraks, Libyens, Syriens bildete sich ein politisches, rechtliches und in mehrfacher Hinsicht geistiges Vakuum, das die Terroristen füllten, die die ganze Menschheit herausforderten. Vertreter aller Konfessionen, besonders Christen, sind Verfolgungen und Bedrückungen ausgesetzt. Sie mussten unter Androhung von physischer Zerstörung ihren historischen Wohnsitz massenweise verlassen. Besonders explosiv hat sich die Situation in Syrien erwiesen.

Heute beginnt die Lage in diesem leidgeprüften Land sich Schritt für Schritt zu verbessern. Dank der Unterstützung, die seitens der russischen Streitkräfte der legitimen Regierung in Damaskus geleistet wurde, und den aktiven diplomatischen Bemühungen Moskaus gelang es, die IS-Terrorgruppe in Syrien zu zerschlagen und die syrische Staatlichkeit aufrechtzuerhalten sowie die Vorbedingungen für die Lösung von humanitären Problemen und eine reale politische Regelung auf Grundlage der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats zu schaffen. Derzeit arbeiten wir weiter an der Organisation des Syrischen Kongresses zum nationalen Dialog in Sotschi, der dabei helfen soll, die im UN-Sicherheitsrat erreichten Vereinbarungen umzusetzen.

Wir werden auch weiter der politischen Regelung anderer Krisen und Konflikte jegliche Unterstützung leisten, die es in der Nahostregion leider in Hülle und Fülle gibt. Wir gehen davon aus, dass, nachdem sie überwunden werden, die Menschen zu sich nach Hause zurückkehren, was dazu verhelfen wird, die dortigen Tempel wiederaufzubauen. Zusammen mit der Russisch-Orthodoxen Kirche, Vatikan, unseren Kollegen aus Armenien, Weißrussland und anderen Ländern haben wir eine Art Bewegung zum Schutz von Christen im Nahen Osten ins Leben gerufen, indem wir Sonderveranstaltungen im Rahmen der OSZE und des UN-Menschenrechtsrats durchführen.

Ich muss zudem die Situation in der benachbarten Ukraine anschneiden, die auch Opfer der gefährlichsten geopolitischen Experimente wurde. Die infolge des Staatsstreichs an die Macht gekommenen Funktionäre versuchen den Keil zwischen die beiden Brüdervölker zu treiben. Es wird ein offener Kampf gegen die russische Sprache geführt – gerade darauf zielt das ukrainische Gesetz „Über die Bildung“ ab, das gegen die internationalen Verpflichtungen Kiews grob verstößt. Weiterhin werden die Inbesitznahmen von Bauten der kanonischen Ukrainisch-Orthodoxen Kirche sowie die Gewalt in Bezug auf deren Klerus und Gläubige geduldet. Es hören nicht die Versuche auf, die Tätigkeit dieser größten Konfession der Ukraine einzuschränken, kirchliche Gemeinden zu spalten. Wir forderten die OSZE, den Europarat, die UNO und die Europäische Union dazu auf, auf diese illegitimen Handlungen zu reagieren. Bisher bleibt die angemessene Reaktion jedoch aus.

Wir haben in die UNO und die OSZE einen Vorschlag eingebracht, solche schändliche und unsittliche Erscheinung, wie der Krieg gegen die Denkmäler, der in der Ukraine, in Polen und in einigen baltischen Ländern eingeleitet wurde, zu unterbinden.

Ich möchte erneut daran erinnern, dass der einzige Weg zur Regelung der innerukrainischen Krise, der Überwindung von Trennungslinien in der Gesellschaft die volle und konsequente Umsetzung des Minsker „Maßnahmenkomplexes“, der vom Sicherheitsrat der UNO gebilligt wurde, bleibt. Das wichtigste Hindernis auf diesem Wege ist die Kiewer „Kriegspartei“, die die Minsker Vereinbarungen begraben will und sich vor den Karren der Extremisten spannen lässt, indem sie die Blockade des Donezbeckens erklärt und in der Obersten Rada das Gesetz verabschiedet hat, das die Gewaltlösung der innerukrainischen Krise rechtfertigt.

Eure Heiligkeit,

Liebe Freunde,

Unsere Diplomatie wird weiter die moralischen Grundsätze des internationalen Lebens verteidigen, in der zwischenstaatlichen Kommunikation Prinzipien der Ehrlichkeit, Wahrheit, Wohltat und Gerechtigkeit zu fördern. Diese Linie genießt bei der Weltgemeinschaft trotz des Widerstands breite Unterstützung. Die immer größer werdende Zahl der Menschen, darunter auf dem europäischen Kontinent, bezeichnet heute unser Land als Verteidiger der traditionellen Werte.

Das Stützen auf den Idealen, die für alle Weltreligionen identisch sind, die Achtung der Eigentümlichkeit und kulturell-zivilisatorischen Mannigfaltigkeit der Völker der Welt, ihres Rechtes auf die Wahl ihres eigenen Weges zur Entwicklung sind der wichtigste Orientierungspunkt in der Suche nach effektiven Antworten auf die zahlreichen Herausforderungen und Bedrohungen der Gegenwart. Das Außenministerium Russlands ist zur weiteren Festigung des ergiebigen Zusammenwirkens bereit, das wir mit der Russisch-Orthodoxen Kirche, ihren Gemeinden im Ausland und anderen traditionellen Konfessionen Russlands pflegen.

Ich bin überzeugt, dass Sie ihren Beitrag zur Lösung dieser und der anderen wichtigsten Aufgaben der Weihnachtslesungen leisten werden. Ich wünsche Ihnen ergiebige Arbeit und interessante Diskussionen.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Quelle: mid.ru

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