Zurück nach Russland

Die Kieler Kunsthalle hat am Dienstag erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein „Beutekunst“-Gemälde aus Russland zurückgegeben. Seit über zwei Jahren erforscht die Kunsthalle systematisch ihre Bestände auf mögliche Raubkunst, die zwischen 1933 und 1945 ihren Eigentümern entwendet wurde.

Die Rückgabe des Ölbildes „Waldweiher“ des bedeutenden russischen Malers Wassili Dmitrijewitsch Polenow (1844 bis 1927) an den Staatlichen Literatur- und Architekturhistorischen Museumspark Taganrog als rechtmäßigen Eigentümer sei viel mehr als ein Rechtsakt, sagte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) anlässlich der Übergabe in der Kunsthalle. „Es ist auch ein historischer Akt der Wiedergutmachung. Und es ist ein Zeichen des Friedens und der guten Beziehungen zwischen unseren Staaten.“

Das 1881 entstandene Ölbild im naturalistischen Stil ist 90,5 mal 134,5 Zentimeter groß. Es war gegen Ende der Besatzung der südrussischen Hafenstadt Taganrog durch die Wehrmacht im August 1943 mit anderen Kunstwerken aus dem örtlichen Museum an einen unbekannten Ort verbracht worden. Jetzt kommt das Gemälde wieder in den Besitz des Museumsparks in Taganrog. Zur Rückgabefeier waren auch Vertreter der russischen Botschaft und der Stadt Taganrog eingeladen.

Die Odyssee des Bildes im Krieg und in der Nachkriegszeit habe sich nicht mehr ganz klären lassen, sagte Kunsthallen-Direktorin Anette Hüsch. 1959 gelangte der „Waldweiher“ zunächst durch die Münchener Kunsthandlung Hagmann und Gräf in die Sammlung des Schweinfurter Industriellen Georg Schäfer (1896 bis 1975).

1986 erwarb der damalige Direktor der Kunsthalle zu Kiel, Jens Christian Jensen, das Bild. Es zählt zu 13 Werken, die mit Mitteln der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein 1986 aus der Sammlung Schäfer zum dauerhaften Verbleib in der Kunsthalle angekauft wurden.

Über den Wert des Bildes mochte Hüsch nicht spekulieren. Im März 2009 war ein Gemälde Polenows – die „Spaziergängerin auf einem Waldweg“ – für 830 000 Schweizer Franken (nach heutigem Kurs etwa 723 000 Euro), in der Schweiz versteigert worden.

Seit 2015 untersucht die Kunsthalle Kiel systematisch ihre Bestände auf Kunst, die jüdischen Besitzern in der Nazizeit geraubt oder im Krieg erbeutet wurde. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat in Kiel die Stelle eines Provenienzforschers ermöglicht: Der Wissenschaftler Kai Hohenfeld versucht, die Herkunft von rund 100 Kunstwerken der Kunsthalle zu klären. Dabei geht es einerseits um die Besitzgeschichte eines Artefakts, andererseits aber auch um seine Echtheit.

Wegen des „Waldweihers“ nahm die Kunsthalle Kontakt zu dem bei der Kulturstiftung der Länder angesiedelten Deutsch-Russischen Museumsdialog und zum Museumspark Taganrog auf. Direktorin Hüsch erläuterte, die Rückgabe an das südrussische Haus erfolge gemäß internationalem Recht. „Ich finde es richtig, dass das Bild jetzt wieder an die rechtmäßigen Eigentümer geht“, sagte sie.

Quelle: Fehmarn Heiligenhafen24

Комментарии ()