Russischer Werkzeugmaschinenmarkt wächst 2017 um fünf Prozent

Für Werkzeugmaschinenbauer aus Deutschland steigen die Geschäftschancen in Russland. Das Industrieministerium rechnet für 2017 mit einem Wachstum der Nachfrage um 5 Prozent bei einem Marktvolumen von 5,6 Milliarden Rubel (86,3 Millionen Euro). Auf der Fachmesse Metalloobrabotka im Mai 2017 konnten Hersteller aus Deutschland, der VR China und Taiwan zahlreiche Verträge abschließen. Asiatische Anbieter gehen aggressiv vor und brauchen keine Sanktionen zu beachten.

Der russische Werkzeugmaschinenbau nimmt einen neuen Anlauf zur Modernisierung. Etwa 70 Prozent der Anlagen sind seit über 20 Jahren im Einsatz und müssen modernisiert werden. Im 1. Quartal 2017 bestellten die Abnehmerbranchen etwa 852 Metallverarbeitungsmaschinen, was einer Steigerung von 18,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum entspricht. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet das Industrieministerium mit einem Wachstum des Absatzes um 5 Prozent bei einem Marktvolumen von 5,6 Milliarden Rubel (86,3 Millionen Euro, EZB-Referenzkurs: 1 Rubel = 64,9139 Euro). Triebkraft sind die steigenden Bruttoanlageinvestitionen, die im 1. Halbjahr 2017 um 4,8 Prozent zugelegt haben.

Viele Abschlüsse auf der Metalloobrabotka

Um von der wachsenden Nachfrage nach Maschinen profitieren zu können, entschließen sich immer mehr ausländische Hersteller – angesichts der Importsubstitutionspolitik der russischen Regierung – zu einer eigenen Produktion in Russland. Im Rahmen der Fachmesse Metalloobrabotka im Mai 2017 gab der Chemnitzer Werkzeugmaschinenbauer Niles-Simmons-Hegenscheidt (NSH Group) bekannt, im Moskauer Gebiet eine Produktion von Fräsmaschinen aufbauen zu wollen. Zuvor erklärte der deutsch-chinesische Roboterhersteller Kuka Robotics auf der Hannover-Messe im April 2017 seine Absicht, eine Produktion in Russland zu eröffnen.

Die russische STAN Holding verkündete mehrere Abschlüsse auf der Metalloobrabotka. Die Firma SKM unterschrieb mit dem Kowrowski Elektromechanitscheski Sawod einen Vertrag zur Lokalisierung der Produktion von Motorspindeln für Werkzeugmaschinen. Auf die Fertigung des gleichen Produkts einigte sich STAN mit der Schweizer Firma IBAG. Zudem unterzeichnete die Holding mit der Firma Alta einen Vertrag über die Lieferung von Bearbeitungszentren für die Vereinigte Flugzeugbau Gesellschaft (OAK).

Industriecluster mit neuen Projekten

In den regionalen Werkzeugmaschinen-Clustern entstehen neue Produktionsanlagen. In Uljanowsk investierte DMG Mori im Rahmen eines Sonderinvestitionsvertrags 70 Millionen Euro in die Produktion von 5-Achs-Bearbeitungszentren der Baureihe Ecoline. Außerdem entsteht ein Zentrum für Engineering auf. Der Lokalisierungsgrad soll auf 70 Prozent steigen.

Die tschechische Trimill startete in Uljanowsk im 1. Quartal 2017 die Produktion von Portal- und Horizontalfräsmaschinen sowie Bearbeitungszentren der Baureihe Forsch. In der Wolgastadt produziert Hestego (Tschechien) Teleskopabdeckungen und Maschinenhauben für Werkzeugmaschinen sowie Lackierkammern. Die geplante Lokalisierung der Produktion von 5-Achs-Bearbeitungszentren der deutschen Berthold Hermle AG liegt hingegen weiterhin auf Eis. Das Projekt unterliegt den Dual-use-Sanktionen der Europäischen Union.

In Jekaterinburg modernisiert das japanisch-russische Gemeinschaftsunternehmen Okuma-Pumori Anlagen zur Herstellung von Dieselmotoren. Ziel sind 10.000 Einheiten pro Jahr. Das Industrieministerium nahm das Swerdlowski Instrumentalny Sawod von Pumori in Jekaterinburg und GPS Ural in das Verzeichnis russischer Hersteller auf. Sie dürfen an staatlichen Tendern teilnehmen und sind berechtigt, Subventionen zu beziehen. Bis 2020 soll der Anteil heimischer Bauteile bei Pumori auf 70 Prozent erhöht werden. Im Gebiet Swerdlowsk geht die tschechische Fima TOS Varnsdorf mit KP Prom ein Joint Venture zur Produktion von Bohrmaschinen ein. Bis 2018 werden 3,15 Milliarden Rubel (48,5 Millionen Euro) in neue Anlagen investiert.

Die Firma InterMasch plant 570 Millionen Rubel (8,8 Millionen Euro) in eine Fertigung von Dreh-, Vertikalfräs- und Fünf-Achs-Schleifmaschinen im Cluster Lipezk zu investieren. Bis 2025 erwartet die Gebietsregierung Investitionen von 176 Milliarden Rubel (2,7 Milliarden Euro) und die Schaffung von 10.000 neuen Arbeitsplätzen. Die Mitgliedsunternehmen des Clusters haben einen Anteil von 5 Prozent am russischen Werkzeugmaschinenmarkt. In Tambow formiert sich gerade ein neuer Cluster.

Asiatische Werkzeugmaschinenbauer auf dem Vormarsch

Unter den Modernisierungsvorhaben sind viele Projekte asiatischer Anbieter. Chinas Maschinenexporte nach Russland haben im Jahr 2016 die deutschen Lieferungen erstmals überholt. Nach VDMA-Angaben exportierte das Reich der Mitte Maschinen und Anlagen im Wert von 4,9 Milliarden Euro nach Russland. Der Wert deutscher Maschinenlieferungen betrug hingegen nur 4,4 Milliarden Euro – ein Rückgang um 6,6 Prozent gegenüber 2015. Seit Jahresbeginn 2017 steigen die Ausfuhren deutscher Anbieter nach Russland erfreulicherweise wieder – im 1. Halbjahr um 20,6 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Dennoch: Chinesische Unternehmen sind im Vorteil, müssen sie doch auf keinerlei Sanktionen Rücksicht nehmen und bringen eine Finanzierung mit.

Im Gebiet Woronesch realisierte die taiwanesische Firma Tongtai zusammen mit der russischen Pride Engineering für 200 Millionen Rubel den ersten Abschnitt eines Vorhabens zur Lokalisierung der Produktion von Dreh- und Fräsmaschinen. In weiteren Ausbaustufen sollen bis 2020 etwa 1,6 Milliarden Rubel (24,65 Millionen Euro) investiert werden. Ziel ist es, pro Jahr bis zu 200 Maschinen mit einem lokalen Anteil von 80% zu produzieren. Das Kowrowski Elektromechanitscheski Sawod im Gebiet Wladimir stellt japanische Werkzeugmaschinen von Takisawa in Lizenz her.

Das Industrieministerium kündigte die Unterzeichnung von Sonderinvestitionsverträgen mit drei weiteren asiatischen Herstellern von Werkzeugmaschinen an. Die Baltijskaja Promyschlennaja Kompanija plant die Lokalisierung der Produktion von Werkzeugmaschinen der taiwanesischen Firma Buffalo. In Perm übernimmt Prom-Oil die Fertigung von Metallverarbeitungsmaschinen für das taiwanesische Unternehmen Femco Far East Machinery. Die koreanische Firma Instek lokalisiert ebenfalls ihre Produktion von Dreh- und Fräsmaschinen in Russland.

Quelle: GTAI (Germany Trade&Invest), Hans-Jürgen Wittmann

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