Spaß mit kyrillischen Buchstaben

Das Interesse an Russisch nimmt zu. Die Oberschule an der Lerchenstraße bietet die Sprache im Unterricht bis zum Abitur an. Am Freitag findet ein Wettbewerb mit 15 Mannschaften statt.

Aumund-Hammersbeck. „Mittlerweile leben in Bremen-Nord viele russischstämmige Familien“, sagt Gesine Zeynalov, Russischlehrerin an der Oberschule an der Lerchenstraße, „manche Kinder dieser Familien können Russisch lesen, andere hörend verstehen und einige auch schreiben. Und in unseren Sprachkursen für Russisch mischen sie sich mit denen, die noch über keinerlei Russischkenntnisse verfügen.“

Das Angebot, an dieser Schule von der sechsten Klasse bis zum Abitur Russisch zu lernen, ist für Bremen-Nord einmalig. Neuerdings kann Russisch dort auch als viertes Prüfungsfach in den Abschlussprüfungen der zehnten Klassen sowie im Abitur gewählt werden, was insbesondere für Schüler mit muttersprachlichen Kenntnissen als gute Möglichkeit gesehen wird, im Abschluss gute Noten einzubringen.

Zwar gibt es auch an anderen Schulen in Bremen-Nord Russisch-Unterricht, doch meist im Rahmen einer AG. So können zum Beispiel auch Kinder der fünften bis siebten Klasse in der Oberschule Helsinkistraße in Marßel Russisch für Muttersprachler belegen. „Diese AG haben wir eingerichtet, weil die Eltern vieler Schüler russischstämmig sind“, sagt die dortige Schulleiterin Barbara Bugiel.

In der Oberschule an der Lerchenstraße nehmen etwa 100 Schüler das Angebot wahr. Und wenn sie in der sechsten Klasse beginnen, ist die erste große Hürde die kyrillische Schrift. Gesine Zeynalov, die an der Schule Russisch und Mathematik unterrichtet, zeigt ein Schreibheft, in dem die Sechstklässler die kyrillischen Buchstaben lernen. „Es macht den Schülern großen Spaß, diese neuen Zeichen zu schreiben“, sagt sie.

Zeynalov versucht, den Unterricht dadurch lebendig zu gestalten, dass die Schüler zum Beispiel auch in kleinen Alltagsdialogen miteinander kommunizieren. „Und die Anfänger lernen besonders schnell, wenn sie mit anderen zusammentreffen, die über gute Russischkenntnisse verfügen“, sagt die Lehrerin. Wer bei ihr Russisch belegt, erfährt auch viel über das Land und seine Kultur und lernt zum Beispiel auch die russische Küche kennen.

Russischlernen an der Lerchenstraße ist ein stadtteilübergreifendes Projekt, denn auch Schüler aus anderen Schulen in Bremen-Nord und sogar aus Bremen-Stadt kommen in die Lerchenstraße, wobei die Fortsetzungskurse allerdings im Schulzentrum Bördestraße stattfinden. Die Russischkurse an der Oberschule an der Lerchenstraße haben eine lange Tradition: Schon in den 1980er-Jahren, also noch in Zeiten des Kalten Krieges, stellte der damalige Schulleiter die Partnerschaft zu Sankt Petersburg her. Seitdem gibt es alle zwei Jahre einen Schüleraustausch zwischen der Bremen-Norder Schule und einer Spezialschule für Deutsch in Sankt Petersburg.

„Dort lernen die Kinder schon ab der ersten Klasse Deutsch“, sagt Gesine Zeynalov, „die russischen Schüler können deshalb weit besser Deutsch als die deutschen Schüler Russisch.“ Und wenn die Deutschen nach Russland reisen, seien sie immer wieder überrascht, wie gut die Schulen dort ausgestattet sind. „Bildung spielt in Russland eine herausragende Rolle“, meint Zeynalov, wie überhaupt Sankt Petersburg jedes Mal die Schüler durch das enorme Angebot an Kultur und Sport überwältige.

Seit acht Jahren nimmt die Oberschule Lerchenstraße regelmäßig am Wettbewerb „Spielend Russisch lernen“ teil, der vom Deutsch-Russischen Forum in Berlin ausgerichtet wird. Die Schule ist dabei traditionell Gastgeber für die Regionale Runde dieses Wettbewerbs, zu der Teilnehmer aus dem Norden und Westen Deutschlands anreisen. Dazu treffen sich an diesem Freitag, 8. September, 15 Mannschaften aus vier Bundesländern, und Bildungssenatorin Claudia Bogedan wird ein Grußwort sprechen.

Bei einem Sprachspiel bilden Russischkönner und Nichtkönner ein Zweierteam und gelangen auf einem Spielbrett auf Felder, auf denen sie Karten ziehen müssen. „Gewinner sind diejenigen, die sich am meisten Ausdrücke merken konnten. Die Sieger dieser Regionalrunde reisen vom 3. bis 5. November 2017 auf Einladung des Erdgas-Konzerns „Gazprom Germania“ nach Rust in Baden-Württemberg, wo das Finale stattfinden wird. Dort wird dann um eine Russlandreise gespielt.

„Französisch, das als zweite Fremdsprache belegt werden kann, hat längst nicht mehr die Bedeutung wie früher“, sagt Gesine Zeynalov, „auch viele Chinesen können zum Beispiel inzwischen Russisch, und wer bei uns Russisch gelernt hat, hat es viel leichter, wenn er oder sie ins Land reist. Die Sprachkurse würden das gegenseitige Verständnis und den kulturellen Austausch entscheidend fördern. Und schließlich erhält jeder nach erfolgreichem Abschluss der Russischkurse ein Zertifikat. „Das macht sich später bei Bewerbungen besonders gut.“

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