Interview des Pressesprechers der russischen Botschaft in Berlin Denis Mikerin für Sputnik Deutschland, 4. September 2017

„Feuer Frei!“ – russischer Diplomat zur Vernichtung von Akten

Wie kommt es zu schwarzem Rauch über russischen Vertretungen? Der Pressesprecher der russischen Botschaft in Berlin, Denis Mikerin, sagt in einem Sputnik-Exklusivinterview was zu tun ist, wenn der Geheimdienst vor der Tür des Botschaftsgebäudes steht. Und welche Musik dazu am besten passt.

In den letzten Tagen wurden die Vorfälle mit den russischen diplomatischen Einrichtungen in den USA stark thematisiert. In zwei Worten, was ist in der Tat passiert?

Eine klare Willkür. Die amerikanische Seite hat gegen eines der Pfeiler des Völkerrechts verstoßen – die Unverletzlichkeit der Dienst- und Privaträumlichkeiten einer diplomatischen Mission und deren Mitarbeiter. Darüber hinaus ist es festzustellen, dass in den USA der Primat des nationalen Rechts über das Völkerrecht herrscht. Der US-Staatssekretär ist gemäß Foreign Missions Act vom 1982 dafür berechtigt, jede ausländische Mission dazu zu zwingen, ihr Eigentum aufzugeben.

Gibt es in Ihrer Botschaft in Berlin einen Plan, nach dem Sie handeln müssen, wenn ein Zugriff von außen passiert, wie wir das zum Beispiel in den USA gesehen haben?

Zunächst einmal würde ich lieber nicht in diese Situation geraten, in der sich meine Kollegen befunden haben. Für diese Situation, in der sich die Kollegen befunden haben, gibt es bestimmte Vorschriften, und diese Vorschriften wurden eingehalten, die Kollegen haben alles getan, was sie in so einer Situation tun müssen. Bei uns in der Botschaft gibt es für jede Situation auch einen Plan, und falls so etwas in Deutschland passiert – aber ich hoffe, dass das nie zustande kommt – würden wir auch die entsprechenden Vorschriften einhalten. 

Wenn so ein Vorfall passiert, ist man dann in der Berliner Botschaft eher altmodisch und verbrennt die Unterlagen, wie wir das in San Francisco gesehen haben, oder ist man dann moderner und schreddert das Ganze?

Die Sprecherin des Außenministeriums hat diese Frage bereits beantwortet, was für ein Rauch da aus dem Schornstein kam. Ich gehe davon aus, dass wir diese Akten und Dokumente ganz vorsichtig behandeln würden, und wir würden natürlich sicherstellen, dass diese Akten und Dokumente nicht in die falschen Hände geraten. Wie das gemacht wird, wird vor Ort entschieden.

Haben Sie eigentlich das Recht, auch Widerstand zu leisten, sollte die Polizei solche Aktivitäten vornehmen?

Also, die Polizei, eigentlich der Empfängerstaat ist dazu verpflichtet, die diplomatische Mission entsprechenderweise zu schützen. Deswegen gehen wir davon aus, dass wir vom Empfängerstaat eigentlich geschützt und entsprechenderweise verteidigt werden, falls es zu einem Angriff kommt. Wie gesagt, nicht nur die Akten, sondern auch die Räumlichkeiten sind unverletzlich, und deswegen, wenn es zu einem Angriff auf die Räumlichkeiten kommt, kann das nur Eines heißen, und in klaren Worten, heißt es ein Krieg. Das ist eigentlich das, was genau am 22. Juni 1941 passiert war. Da mussten die Mitarbeiter und die Familienmitglieder der Botschaftsangestellten sich im Innenhof versammeln, fast unter der Kontrolle von SS-Truppen, wenn ich mich nicht irre, und die wurden ausgetauscht gegen die deutschen Diplomaten in Moskau. Also deswegen, wenn es zu einem offenen Angriff auf die Botschaft bzw. auf eine diplomatische Mission kommt, dann heißt es, das ein Krieg erklärt worden ist.

Nochmal was die Vorschriften anbetrifft: Gibt es ein Kommando-Wort, das der Botschafter gibt, um mit der Vernichtung der Unterlagen anzufangen?  

Also, wenn wir so eine Situation theoretisch annehmen, da kann ich mir eine Anweisung aus Moskau vorstellen, wenn wir so eine Benachrichtigung von dem Empfängerstaat bekommen, dass die Räumlichkeiten in beispielsweise 48 Stunden oder 72 Stunden nicht mehr als diplomatische Räumlichkeiten behandelt werden, dann bekommen wir diese Anweisung, uns darauf vorzubereiten, diese Räumlichkeiten zu verlassen.

Aber im Endeffekt: Wie ist die Formulierung? Es muss ein Wort geben, einen Code, um damit anzufangen?

Es gibt da kein Codewort. Wie gesagt, ich habe es selber nicht erlebt und ich hoffe, dass ich das nie erleben werde, aber das würde wie eine Anweisung lauten. Zum Beispiel: Ja, Sie müssen dann diese Vorschriften von dem Empfängerstaat einhalten, deswegen bereiten Sie sich darauf vor, die Räumlichkeiten zu verlassen. Und dann heißt es also wie ein „Go!“, um die Räumlichkeiten auszuräumen.

Würden Sie dann die Musik dafür aussuchen? Zum Leeren der Gebäude?

Ja, also die ganze Situation ist leider nicht so witzig und leider nicht so lustig, aber wenn Sie schon die Frage stellen, also was mir einfällt, zwei Lieder, zwei Tracks. Eines davon würde von Rammstein sein, „Feuer frei!“. Und der zweite Track, es gibt einen sehr schönen und sehr romantischen Track von einem gutbekannten amerikanischen Sänger. Er heißt „What goes around comes around“ von Justin Timberlake.   

Es ist ja bekannt, dass der Botschafter Kamingespräche mit Vertretern der Öffentlichkeit führt. Kann es sein, dass unter diesen Umständen, die wir jetzt in San Francicso gesehen haben, Kamingespräche zu einem neuen Codewort wird? 

Dem Botschafter wurde einmal in einem Interview diese Frage zu diesem Format bereits gestellt, und damals hat der Botschafter gesagt, „Leider ist der Kamin bei uns nicht mehr in Betrieb“.

Also, Sie können es sich nicht vorstellen, dass wenn der GSG9 vor der Tür steht, Sie den Satz sagen: „Es wird Zeit für ein Kamingespräch“?

Wie gesagt, ich würde mir lieber so eine Situation überhaupt nicht vorstellen, dass der GSG9 vor der Tür steht, aber würde es zu so einer Situation kommen, dann würde ich sagen: „Dann werden wir für eine lange Periode nicht mehr von Kamingesprächen reden“.

Quelle: Sputnik Deutschland

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