Grußwort des Botschafters Rußlands W.Grinin bei der Eröffnung der Ausstellung „Rilke und Rußland“, 3. Mai, Marbach

Liebe Rilke-Verehrer,

„Dass Russland meine Heimat ist, gehört zu jenen großen und geheimnisvollen Sicherheiten, aus denen ich lebe“, schrieb Rainer Maria Rilke, einer der einflussreichsten Dichter der Moderne, der in Prag geboren ist, österreichischer Staatsangehöriger war, auf Deutsch schrieb und in Italien, Frankreich und der Schweiz lebte. Und der mehrere Jahre seines Lebens Russland widmete – er lernte lang und fleißig Russisch, bewunderte die russische Kunst und übersetzte die russische Literatur. Geschweige denn, dass das Werk Rilkes immens die internationale Dichtung, unter anderem die russische von Zwetajewa über Pasternak bis hin zu Brodsky, geprägt hat.

Dass heute in Marbach die Ausstellung eröffnet wird, die sich mit einem der weltweit meistgelesenen und verehrten deutschen Dichter Rainer Maria Rilke und seinen Verbindungen mit seiner „spirituellen Heimat“ Russland befasst, ist ein einzigartiges Ereignis. Einzigartig ist es nicht nur, weil bei der Umsetzung dieses internationalen Ausstellungsprojekts auf einmal drei angesehene Institutionen aus Deutschland, Russland und der Schweiz mitgewirkt haben – Deutsches Literaturarchiv Marbach, Staatliches Literaturmuseum Moskau und Schweizerisches Literaturarchiv in Zürich – sondern auch in erster Linie inhaltlich. Unter rund 280 Exponaten, die unter anderem durch Archiv der Familie Rilke, Staatliche Tretjakow-Galerie und Staatliches Puschkin-Museum für bildende Künste zur Verfügung gestellt worden sind, finden sich echte Raritäten wie persönliche Ikone des Dichters oder sein Schriftwechsel mit Leo Tolstoj und Marina Zwetajewa.

Ich bin zuversichtlich, dass die Ausstellung sich auf traditionsreiche geistige Verbindungen der Völker Deutschlands, der Schweiz und Russlands zurückbesinnen lässt und einen Beitrag zur kulturellen Brückenbildung zwischen unseren Ländern leisten wird. Gerade dank ihrer Aktualität wird die Ausstellung „Rilke und Russland“ einen starken Zulauf nicht nur hier, sondern auch in Bern und Moskau haben, die den Staffelstab von Marbach bereits in einigen Monaten übernehmen.

Ich wünsche den Gästen der Ausstellung spannende Entdeckungen bei der Besichtigung und deren Veranstaltern – Inspiration und unerschöpfliche kreative Energie für die Organisation derartiger wichtiger Kulturprojekte in der Zukunft.

Wladimir M. Grinin

Außerordentlicher und Bevollmächtigter

Botschafter der Russischen Föderation

in der Bundesrepublik Deutschland

 

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