Ansprache des Botschafters Wladimir Grinin auf der Eröffnung der Ausstellung „Ansichten von Liechtenstein“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Durchlaucht, lieber Kollege,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bedanke mich bei Ihnen herzlich für die Einladung zur Eröffnung der heutigen Ausstellung des russischen Künstlers Alex Doll „Ansichten von Liechtenstein“. Offen gestanden, als ich diese Einladung erhalten habe, berührte sie mich angenehm. Ein russischer Künstler – Liechtenstein – Zerbst. Ich dachte sofort an Katharina II. Und wie es sich später herausstellte, gingen meine Gedanken in eine richtige Richtung. Ich schaute mir unverzüglich den Katalog der Ausstellung mit ähnlichem Namen an, die im Frühjahr vergangenen Jahres in Vaduz stattgefunden hatte. Die Gemälde, die ich da sah, weckten bei mir sofort angenehme Erinnerungen an ein wunderschönes Land, das ich besuchen durfte. Aber noch mehr fasziniert war ich von der Meisterleistung des Künstlers selbst. Ich glaube, es ist allen bekannt, dass er zwar noch sehr jung, aber bereits Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Künste und Preisträger verschiedener Wettbewerbe ist. Er wurde mit vielen prestigeträchtigen Auszeichnungen geehrt und seine Werke waren auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen in verschiedensten Städten Russlands, der Schweiz, wo er sich derzeit aufhält, und in anderen Ländern.

Mit anderen Worten: Wir haben heute eine Gelegenheit, uns mit dem Schaffen eines der seltensten Talente der zeitgenössischen Kunstwelt in Berührung zu kommen, das immer mehr an Berühmtheit und Anerkennung gewinnt. Mehr dazu: Dieses Talent ist heute auch an der Übermittlung einer sehr wichtigen historischen Botschaft mitbeteiligt.

Denn es kommt aus meiner Sicht nicht von ungefähr, dass die heutige Ausstellung in Zerbst eröffnet wird. Sie ist eine weitere Geste des guten Willens und Andenkens unseres berühmten Landsmanns, Russlanddeutschen, Mäzenen Baron Eduard Alexandrowitsch von Falz-Fein. Seine Vorfahren übersiedelten sich seinerzeit auf Veranlassung der russischen Kaiserin Katarina II. vom damaligen deutschen Staatsgebiet nach Russland. Allerdings mussten seine Eltern mit ihm zusammen in den Wirren der Oktoberrevolution, die sich dieses Jahr zum 100. Male jährt, ins Ausland fliehen. Er ließ sich letztendlich in Liechtenstein nieder, wo er dieses Jahr eigentlich seinen 105. Geburtstag feiern wird. Diese einzigartige Persönlichkeit ist ein eifriger Bewunderer von Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst. Er leistete einen Beitrag dazu, dass hier ein Museum und ein Denkmal ihr zu Ehren, aber schon in ihrer Eigenschaft als russische Kaiserin Katharina die Große entstanden sind.

All das scheint nun, nicht nur ein ausgesprochen symbolischer und moralischer, sondern auch ein durchaus bedeutender und fruchtbarer Beitrag dazu zu sein, das historische Andenken zu bewahren und unzertrennliche Verbindungen zwischen unseren Ländern und Völkern zu unterhalten. All das ist heute wichtiger denn je für uns Russen und Deutschen sowie für unsere Umgebung, wo der deutsch-russische Faktor über letzte Jahrhunderte hinweg immer eine sehr wichtige, wenn nicht eine bestimmende Rolle gespielt hat. In heutigen turbulenten Zeiten können wir nicht umhin, uns bei unseren Unternehmern, unseren Wissenschaftlern und Forschern, unserer Jugend, die übrigens aktiv am jetzt laufenden Deutsch-Russischen Jahr des Jugendaustausches teilnimmt, und letztendlich bei unseren regionalen Oberhäuptern zu bedanken, – das heißt, bei all denen, die eine Art Grundpfeiler für unsere Zusammenarbeit geschaffen haben und diese auch weiterhin aufrechterhalten. Doch den Kunstschaffenden und deren Mäzenen gilt mein besonderer Dank, weil sie unsere Seelen und Herzen bewegen und somit eine besondere Anziehungskraft erzeugen.

Es freut mich sehr, dass die Wahrnehmung der Dinge ebenfalls von unseren Partnern aus Nachbarländern, aus Liechtenstein, geteilt wird auch im praktischen Sinne. Das stärkt unseren Glauben und Hoffnung auf eine bessere Zukunft in unserem gemeinsamen Raum. Vielleicht beginnen wir, denn irgendwann endlich mal als Mitstreiter im wirtschaftlichen und humanitären Bereich von Lissabon bis Wladiwostok gemeinsam zu handeln.

Ich möchte Ihnen, lieber Herr Bürgermeister, und allen Einwohnern von Zerbst, insbesondere denjenigen, die sich aktiv und unmittelbar für den Fortbestand eines der Bausteine unserer gemeinsamen Geschichte einsetzen, meinen herzlichsten Dank aussprechen für einen weiteren wichtigen Beitrag zu diesem Engagement.

 

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