Lewada-Umfrage: Russen fühlen sich von den USA gehasst

Das unabhängige Lewada-Zentrum fragt die Russen jährlich, wie ihrer Einschätzung nach andere Nationen ihrem Land gegenüber eingestellt sind. Auch in diesem Jahr zeigt sich: Die außenpolitische Lage bestimmt das Ergebnis.

Die Russen sind der Meinung, dass die USA, die Ukraine sowie die Türkei ihnen gegenüber am stärksten feindlich gesinnt sind. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Lewada-Zentrums hervor.

Die USA, die von 72 Prozent der Befragten genannt wurden, stehen an erster Stelle, gefolgt von der Ukraine, die von 48 Prozent als feindlich eingestellt bezeichnet wurde. Mit 37 Prozent war dieser Wert im Vorjahr noch deutlich niedriger gewesen. Den größten Sprung in dem Ranking machte aber die Türkei: Erachteten 2015 nur ein Prozent der Befragten die Türkei als einen Feind, so waren es nun bereits 29 Prozent.

Als Freunde hingegen werden insbesondere die russischen Partner der Eurasischen Wirtschaftsunion, Belarus (50 Prozent) und Kasachstan (39 Prozent), gesehen. Auf Platz drei landete China (34 Prozent), das im Ranking jedoch Einbußen verzeichnen musste. Im vergangenen Jahr wurde es noch von 43 Prozent der Befragten als Freund bezeichnet.

Erwähnenswert ist außerdem, dass nun auch Syrien stärker zu Russlands Freunden gezählt wird. Zehn Prozent sprachen dem Land diese Rolle zu, 2015 waren es lediglich zwei Prozent gewesen. Für die Europäische Union konnten sich in diesem Jahr übrigens nur noch 24 Prozent erwärmen. Zum Vergleich: 2009 hatten noch 53 Prozent der Russen eine EU-Mitgliedschaft befürwortet.

Einstellungen können sich schnell ändern

Wie Experten erklären, bestimmt im Wesentlichen die außenpolitische Lage das Verhältnis der Russen zu den einzelnen Ländern. Ändert sich die Situation, kann sich eine feindliche Gesinnung schnell zum Positiven wandeln.

„Solche Umfrageergebnisse sind nicht ungewöhnlich. Wenn man Ihnen jeden Tag sagen würde, dass Amerika oder Europa Ihr Feind sei, dann würden Sie das auch irgendwann glauben“, sagt Dmitrij Rogozin, Leiter der Stelle für methodologische Sozialforschung an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst (RANCHiGS).

Nach Meinung des Experten kann man die Einstellung der Menschen nicht als starres Gebilde sehen, weil sie sich schnell ändern kann. „Es reicht aus, einen Monat lang auf den landesweiten TV-Sendern zu erklären, dass unsere Freunde nun die Amerikaner seien, und der Anti-Amerikanismus in der Gesellschaft würde abnehmen. Das Gleiche gilt auch für die Türkei und die Ukraine.“

Menschen, die ein Land als einen Feind betrachteten, seien häufig selbst nie dort gewesen, betont der Soziologe: „Wenn das Lewada-Zentrum fragen würde, ob die Befragten diese Länder schon mal besucht hätten, würden wohl 99 Prozent der Leute mit einem Nein antworten. Es ist leicht, denjenigen zu hassen, den man nicht kennt.“

Quelle: RBTH

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