Grußwort des Botschafters Wladimir Grinin vor dem Konzert anläßlich des 125. Jahrestages von Sergey Prokofjew

Exzellenzen,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freunde!

Es ist mir eine Freude, alle zahlreichen Gäste der russischen diplomatischen Vertretung Unter den Linden beim heutigen Konzertabend begrüßen zu dürfen. Es findet an einem denkwürdigen Tag für die Kultur Russlands und der ganzen Welt statt – heute begehen wir den 125. Geburtstag unseres herausragenden Landsmanns Sergej Prokofjew.

Das Jubiläum von einem der größten Genies der Musikwelt des 20. Jahrhunderts wird in Russland und außerhalb seiner Grenzen recht breit gefeiert. Dem Schaffen von Sergei Prokofjew werden an diesen Tagen dutzende Konzerte unter Beteiligung bekannter Klangkörper und Interpreten, Musikwettbewerbe, Dokumentarausstellungen und andere vielfältige Veranstaltungen gewidmet. Mit dem heutigen Konzert möchten wir unseren Beitrag zur Wahrung des Gedenkens an diesen herausragenden Komponisten leisten.

Einmal in Moskau fiel der Blick von einem talentierten und späterhin weltweit bekannten Pianisten Swjatoslaw Richter auf einen merkwürdigen Passanten. Laut Richter, erkannte er die „herausfordernde Kraft” dieses Menschen, der als “eine ungewöhnliche Erscheinung“ an ihm vorbeiging. Das war eben der Komponist Sergej Prokofjew: extravagant – in grellgelben Schuhen, einem karierten Anzug, mit einer rotorangen Krawatte, geschäftig und selbstbewusst. Jahre später sagte Swjatoslaw Richter: “Als Sergej Sergejewitsch noch am Leben war, konnte man von ihm immer ein Wunder erwarten. Als stünde man im Bann von einem Zauberer, der einen jederzeit mit märchenhaftem Schätzen beglücken kann“.

Diese märchenhaften Schätze der Weltmusikkultur verkörperten sich eben im unschätzbaren Erbe Prokofjews, das fast alle klassischen Genres umfasst – Oper und Ballett, Sinfonie und Konzert,   Oratorium und Kantate, Film- und Theatermusik. Die Werke von Prokofjew reflektieren wie ein Spiegel das ganze Jahrhundert – mit seinen Rhythmen, Ereignissen und Schicksalen von Zeitgenossen.

Das Wunderkind Sergej Prokofjew studierte am Petersburger Konservatorium als Pianist, Komponist und Dirigent und wurde schnell weltweit berühmt. In Jahren großer Turbulenzen in Russland fand er sich, wie übrigens viele russische Künstler, im Ausland. Dort setzte er seine Arbeit fort, komponierte Musik und betrat als Pianist die größten Bühnen der Welt. Er war befreundet mit Rachmaninow, Ravel, Picasso, Matisse und anderen herausragenden Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Nach einiger Zeit kehrte Sergej Prokofjew, der sich ausschließlich als russischer Komponist betrachtete, in sein Heimatland zurück. “Man kann im Ausland so lange wie man will bleiben – sagte er – aber man muss immer in die Heimat zurückkehren, um den wahren russischen Geist zu finden“. Zuhause war sein Weg nicht immer mit Rosen gestreut, aber im Großen und Ganzen war sein Werk erfolgreich und bereicherte bemerklich die Musikkultur Russlands und der ganzen Welt. Laut Dmitry Schostakowitsch, war er ein genialer Komponist, der das künstlerische Erbe der großen Koryphäen der russischen klassischen Musik – Glinka, Mussorgskij, Borodin, Rimskij-Korsakow, Rachmaninow – zu entwickeln vermochte.

Als sprechender Beweis für die höchste Anerkennung seiner musikalischen Begabung nicht nur in unserem Land, sondern auch im Ausland dient die starke Beliebtheit der Werke von Sergej Prokofjew, die auch heutzutage nicht nachlässt. Seine Werke gehören zum Repertoire von namhaften Musikern, sie werden regelmäßig auf den Bühnen berühmter und angesehener Oper- und Ballettheater aufgeführt. Nicht nur erfahrene Klassikkenner sind mit dem symphonischen Märchen „Peter und der Wolf“, dem Ballett „Romeo und Julia“, seiner Musik für den Film „Alexander Newskij“ recht gut vertraut. Die breite Popularität der Werke des Komponisten in Europa, unter anderem in Deutschland, bestätigt die Verwandtschaft unserer Kulturen, die die Menschen vereinigt, der traditionellen Partnerschaft und dem gegenseitigen Vertrauen zwischen unseren Völkern zugrunde liegt. Ich bin überzeugt, dass keine vorübergehenden Dissonanzen, keine zeitweilige Disharmonie das aushöhlen können, was die Völker aneinander heranzieht, die sich vor den gemeinsamen geistigen Werten verbeugen.

Mit dem heutigen Konzert in der russischen Botschaft zollen wir dem großen Komponisten Russlands und der Welt den gebührenden Respekt. Gleichzeitig ist es ein Geschenk, das Musiker mit einem großen internationalen Ruf, die Pianistenfamilie Maria Masytschewa und Georgij Gromow für alle unsere Gäste darbringen möchten.

Maria und Georgij absolvierten das Tschajkowskij-Konservatorium in Moskau und die Universität der Künste in Berlin. Sie sind Preisträger von renommierten internationalen Wettbewerben, arbeiten mit berühmten Dirigenten zusammen und treten mit Konzerten in ganz Europa auf: in Moskau, Paris, Genf, Zürich, Berlin. Maria und Georgij sind Initiatoren des kürzlich ins Leben gerufenen Projekts „Internationale Musikakademie“, in deren Rahmen Meisterkurse und Workshops für Pianisten in verschiedenen Ländern der Welt durchgeführt werden.

Maria Masytschewa und Georgij Gromow interpretieren heute die Werke des musikalischen Genies Sergej Prokofjew und seiner Inspiratoren, großer russischer Komponisten – Tschajkowskij und Rachmaninow. Vollendet wird das Konzert mit Prokofjews Suite „Aschenputtel“, gespielt auf zwei Flügeln.

Abschließend möchte ich meine Dankbarkeit an all diejenigen richten, die diesen Abend möglich gemacht haben – das sind die Sponsoren dieses Konzerts; der Verlag „MK-Germania“ und das Unternehmen „Visa Handling Services“. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Ich wünsche uns allen eine gute Unterhaltung und einen angenehmen Abend.

Ich bedanke mich.

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