EU-Verluste durch Russland-Sanktionen: 100 Mrd. Euro in Gefahr – Wifo-Experte

Rund eine halbe Million Arbeitsplätze und etwa 27 Milliarden Euro an Wertschöpfung stehen für Deutschland infolge der Russland-Sanktionen auf dem Spiel, heißt es in der jüngsten Studie des österreichischen Wirtschaftsinstitut Wifo. „Sollte das langfristig andauern, ist ein Verlust entsprechend größer“, so Wifo-Vizechef Dr. Marcus Scheiblecker.

Europaweit sind weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze und rund 100 Milliarden Euro in Gefahr, konstatierte der Experte in einem Interview mit Bolle Selke. „Es hat sich gezeigt, dass die ursprüngliche Schätzung, die wir Ende 2014 aufgrund der Zahlen für 2014 berechnet haben zu niedrig gegriffen war. Wir haben in dieser damaligen Studie zwar auch ein Extremszenario gezeichnet, aber das haben wir mit dieser Neuberechnung der Studie sogar überschritten.

„In Deutschland könnten 465.000 Jobs betroffen sein, und es steht 27 Milliarden an Wertschöpfung auf dem Spiel“, fügte Dr. Scheiblecker hinzu. „Nach Wertschöpfung ist am größten sicherlich Großhandel betroffen, dann kommt sehr wohl auch Bauwirtschaft und Einzelhandel. In der Landwirtschaft sind die Einbußen an Beschäftigung am größten, da haben wir dann für ganz Europa 265.000, denn diese Tätigkeiten sind am ehesten arbeitsintensiv. Wenn Agrarprodukteexportchancen verloren gehen, dann trifft das vermehrt die Arbeitskräfte dort.“

Der Experte räumt ein: „Wenn die Sanktionen jetzt bald beendet werden würden, dann würde sich natürlich der Effekt im kommenden Jahr wieder leicht umkehren, und man könnte eigentlich von einem Verlust lediglich in den Jahren 2014 und 2015 ausgehen. Wenn das langfristig andauern sollte, dann ist ein Verlust entsprechend größer.“

„Relative Betroffenheit ist natürlich in Estland mit 16 Prozent Wertschöpfungsverlust größer, der absolute Schaden ist aber in Deutschland sicherlich größer, weil Estland ein sehr kleines Land ist nach wie vor noch sehr eng mit dem Außenhandel Russlands verwoben, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich“, kommentierte der Ökonom. „Alle die dort in der Nähe sind, sind relativ stärker betroffen. Das betrifft auch Finnland oder Polen beispielsweise. Auch diese Länder haben einen großen Verlust hinzunehmen.“

„Die EU hat einerseits nur Befragungen gemacht und angeblich auch nicht genug Daten, um eine Zusammenschau zu machen. Dort hat man sich eben nur auf die Güter konzentriert, die einerseits direkt von den Sanktionen der EU und von den Gegensanktionen Russlands betroffen sind, und da ist zugegebenermaßen nur ein relativ kleiner Ausschnitt. Aber das ganze strahlt ja auch auf andere Produktionsbereiche aus. Und wenn man sich anschaut, dass sich beispielsweise in einigen Ländern der Export nach Russland halbiert hat, oder zumindest auf  Dreiviertel reduziert, dann sieht man, dass das offensichtlich nicht mit militärischen und agrarischen Gütern alleine zu begründen ist.“

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