Beitrag des Botschafters W.M.Grinin bei der Zeremonie in Kienitz

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzeck,

sehr geehrter Herr Schmidt (Landrat Märkisch-Oderland),

sehr geehrter Herr Gorholdt (Vertreter des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Brandenburg),

sehr geehrter Herr Bürgermeister Böttcher (Bürgermeister der Gemeinde Letschin),

sehr geehrter Herr Grund (Ortsvorsteher des Ortsteils Kienitz),

meine Damen und Herren,

liebe Freunde!

Für die Einladung zur heutigen Gedenkveranstaltung danke ich Ihnen von Herzen. Wir kommen hier an einem besonderen Ort zusammen.

Hier in Kienitz überschritt die Rote Armee erstmals die Oder-Neiße-Linie und sicherte sich mit dem Kienitzer Brückenkopf eine gute Ausgangslage für die Schlacht um die Seelower Höhen.

Es ist aber auch ein besonderer Tag. Denn es ist ein runder Jahrestag, den wir gern zum Anlass nehmen wollen, um über unsere Vergangenheit nachzudenken, über unsere Gegenwart zu sprechen und Lehren für unsere Zukunft zu ziehen.

70 Jahre sind es inzwischen her, seit Deutschland und Europa durch die Rote Armee mit Unterstützung der alliierten Streitkräfte vom Nationalsozialismus befreit wurde. 70 Jahre. Inzwischen zwei Generationen her. Die zeitliche Kluft wird weiter und tiefer. Doch die Erinnerung erlischt nicht. Sie ist lebendig. Sie wühlt auf. Sie regt an. Auch heute noch, wenn Russen und Deutsche zusammenkommen, ist Krieg stets ein Thema der Diskussion.

Ich finde, das ist gut so. Diese Auseinandersetzung mit der Geschichte darf nicht aufhören. Denn zu groß war das Leiden, das über die Völker der Sowjetunion gebracht worden war. Zu hoch war der Blutzoll, den sie für die eigene Befreiung und für die Befreiung Deutschlands und Europas zu zahlen hatten.

So unermesslich die Zahl der Opfer, so tief ist unsere Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die um den Preis ihres eigenen Lebens, uns unsere Chance auf Frieden und Freiheit ermöglicht haben. Umso wichtiger sind für uns Veranstaltungen wie diese, mit denen unverkennbare Zeichen für die Erinnerung gesetzt werden, die von allen ehrlichen und anständigen Menschen geteilt wird.

Dass wir heute zu einer gemeinsamen deutsch-russischen Gedenkveranstaltung zusammengekommen sind, ist für mich ganz wichtig und von einer symbolischen Kraft. Denn auch für die Deutschen wuchs der Krieg sich zur schlimmsten Tragödie ihrer Geschichte aus.

Im schmerzhaften Erinnern an die Schrecken des Krieges haben Russen und Deutsche wieder zueinander gefunden. Besonders deutlich wird es hier in Brandenburg.

Denn in der Endphase des Krieges wurden märkische Regionen zum Schauplatz blutigster Gefechte, erfuhren schlimmste Zerstörung, verzeichneten schreckliche Opferzahlen. Deshalb wissen die Brandenburger allzu gut, wie wichtig es ist, das Gedenken an die Gräuel des Kriegs und dessen Opfer wachzuhalten, damit so etwas sich nie wiederholt. Deshalb ist hier über die Nachkriegsjahrzehnte eine Erinnerungskultur entstanden, die wir zu Recht als vorbildlich bezeichnen dürfen.

Sie manifestiert sich vor allem im fürsorglichen und respektvollen Umgang mit sowjetischen Kriegsgräberstätten. An dieser Stelle ergreife ich gern die Gelegenheit, um Danke zu sagen. Mein Dank gilt vor allem den Landesbehörden Brandenburgs, Ihnen, sehr geehrter Herr Platzek, weil Sie im Laufe Ihrer Amtszeit als Ministerpräsident vortreffliche Rahmenbedingungen dafür geschaffen haben, die auch weiterhin gepflegt werden.

Ich danke den Verantwortlichen des Landkreises Märkisch-Oderland, der Gemeinde Letschin, des Ortsteils Kienitz und allen märkischen Einwohnerinnen und Einwohnern, die diese Arbeit unterstützen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Wir sind heute zusammengekommen, um gemeinsam Zeichen zu setzen – gegen den Krieg, für Erinnerung, für Frieden und Freundschaft. Diese Zeichen sind uns sehr wichtig insbesondere in heutigen Zeiten, wo wir immer wieder mit Schwächen des menschlichen Gedächtnisses konfrontiert werden. Nie aber darf die Geschichte zur Geisel tagespolitischer Interessen und flüchtiger Konjunktur werden.

Nicht nur Verdrehungen historischer Wahrheiten, sondern auch Neuauflagen des Rassismus, Rechtextremismus, Antisemitismus bedrohen unser friedliches Miteinander. Nur wenn wir entschieden zusammenhalten, könnten wir diesen auch effektiv entgegenwirken.

Es ist Aufgabe gerade zeitgenössischer Generationen, diese Partnerschaft aufrechtzuerhalten, damit niemand sagen kann, dass die Opfer von damals umsonst waren.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Комментарии ()