OFFENER BRIEF an den Oberhäuptern der ausländischen Partnerstädten von Sankt Petersburg im Zusammenhang mit dem offiziellen Brief des Oberbürgermeisters von Prag Tomáš Hudeček über die Einstellung der Zusammenarbeit mit Sankt Petersburg wegen der „Missbilligung der aktiven russischen Politik der Ukraine gegenüber“

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Sehr geehrte Kollegen! Liebe Freunde!

Ich wende mich an Siemit dem offenen Brief, um in dieser schwierigen Zeit meine Position sowie die Haltung von Sankt Petersburg und seine Einwohner gegenüber den freundschaftlichen und partnerschaftlichen Beziehungen darzustellen, die uns mit Gemeinden in 60 Ländern verbinden.

Die Freundschaft und Partnerschaft zwischen den Städten sind besondere Beziehungen der Sympathie, des Vertrauens und Interesses an einander, bei deren Aufnahme und Aufrechterhaltung die Staatsmächte nur vermitteln und die Interessen der Stadtbewohner vertreten. Nicht ohne Grund konnten die Städte in den 50er und 60er Jahren keinen formalen Vertrag unterzeichnet haben. Leningrad und Hamburg brauchten, zum Beispiel, seit 1957 solche Formalitäten für Dialog, Zusammenarbeit und Freundschaft nicht. Das erste Abkommen wurde erst nach 50 Jahren, im Jubiläumsjahr der Jumelage unterschrieben. Dabei war und bleibt Hamburg einen unseren aktivsten und zuverlässigsten Partner.

Junge Politiker der Moderne erinnern sich leider nicht oder wollen sich nicht an die ursprünglichen Gründe der Jumelage-Bewegung erinnern. Das wundert und befremdet uns, Petersburger, denn wir waren immer den vertrauensvollen Beziehungen mit unseren Partnern treu.

Im Zusammenhang mit dem Twitter-Kommentar meines Kollegen, Herrn Hudeček darüber, dass die Beziehungen zwischen Prag und Sankt Petersburg seitens Prag aufs Eis gelegt werden, weil „russische Städte keine von der Politik der föderalen Behörden unabhängigen Gemeinden sind“, möchte ich nur darauf hinweisen, dass Bürgermeister der russischen Städte sich in nichts von ihren Kollegen in Europa und der ganzen Welt unterscheiden. Unsere Hauptaufgabe, wofür wir alle arbeiten, – ist die Erhöhung der Lebensqualität und des Komforts in unseren Städten. Wir beschäftigen uns nicht mit der „großen Politik“, wir arbeiten für das Wohl unserer Bürger. Und wenn unsere Partner in die Klemme geraten, tun wir unser Bestes, um den zu helfen, und bekommen unsererseits auch Hilfe und Unterstützung von Ihnen. In den 90er Jahren waren es unsere Partnerstädte, die humanitäre Hilfe für Sankt Petersburg gesammelt und der Stadt zugeschickt haben, wenn wir viele Schwierigkeiten mit der Nahrungsmittelversorgung hatten. Ebenfalls hat Sankt Petersburg auch seinen Freunden in harten Tagen immer beigestanden.

Alle diese längst vergangenen und jüngst erschienenen Beispiele für die gegenseitige Unterstützung und Hilfe führe ich an, damit wir nicht vergessen, warum Städte Freundschaften pflegen. Diese etablierten Verbindungen bewahren in den Menschen zu den für die zwischenstaatlichen Beziehungen schwierigen Zeiten die Zuversicht, dass solche Begriffe wie Freundschaft, Respekt und Hilfsbereitschaft noch wertvoll sind.

Deswegen wundert und befremdet uns die Entscheidung des Prager Oberbürgermeisters, die am Vorabend der Sankt Petersburg Tage veröffentlicht wurde. Ich zweifle daran, dass Einwohner von Prag diese Entscheidung verstehen und unterstützen werden. Die Einwohner, die alle Karten für Konzerte und Aufführungen von Kollektiven aus Sankt Petersburg am 9. und 10. September dieses Jahres aufgekauft und unseren Künstlern einen sehr herzlichen Empfang geleistet haben.

In Sankt Petersburg waren wir erstaunt und enttäuscht, als wir über diese Entscheidung zuerst aus dem Internet, dann aus den Medien erfahren haben, und erst neulich ist uns ein offizieller Brief zugekommen, in dem Herr Hudeček diese Position bestätigt.

Wundert und befremdet uns auch der Aufruf von Herrn Hudeček an andere Städte. Ich bin mir sicher, dass gute Beziehungen zwischen den Städten für augenblickliche politische Ambitionen nicht hingegeben werden sollen. Die Städte in die Atmosphäre des Misstrauens und der Feindlichkeit heranzuziehen, diese Gefühle in den Bürgern zu züchten ist ein verheerender und gefährlicher Weg.

Wir akzeptieren diese Entscheidung des Oberbürgermeisters von Prag nicht. Für uns, Petersburger sind und bleiben Prag und seine Einwohner Freunde und Partner, mit denen wir wesens- und kulturell verwandt sind.

Mit aufrichtigen Wünschen vom Frieden und Wohlergehen,

Gouverneur von Sankt Petersburg Georgi S. Poltawtschenko

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