Ansprache des Botschafters Wladimir Grinin in Bremen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Böhrnsen,
Sehr geehrter Herr Abegg,
Sehr geehrte Frau Hansen,
Sehr geehrter Herr Hollweg,
Sehr geehrter Herr Pfaff,
Sehr geehrter Herr Burow,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Einladung nach Bremen, die Einladung zur heutigen Zeremonie. Zuallererst möchte ich meine persönliche Bemerkung mit Ihnen teilen. Je öfter ich durch Deutschland reise, desto fester überzeuge ich mich, dass wir – Russen und Deutsche – aufs Engste miteinander verflochten sind. Genauso wie heute – ich erlebte nur eine augenblickliche Begegnung mit Ihrer wunderbaren Stadt, doch es wurden so viele Emotionen auf einmal wach!

Die Bremer Stadtmusikanten fanden als künstlerische Gestalt einen bedeutenden Platz in der russischen Kultur und erfuhren eine besondere, unter anderem auch musikalische, Interpretation. Ich habe soeben das Airbus Defence and Space Werk besichtigt. Es trägt spürbar zur gegenseitigen Annäherung unserer Völker bei, wenn auch in Form eines Kopplungsmanövers im Weltraum. Überdies hatte ich die Freude, die Güldenkammer des historischen Rathauses zu besuchen, die das bildkünstlerische Können des herausragenden Malers Johann Heinrich Vogeler auf eine sehr beeindruckende Weise vor Augen führt. Nebenbei gesagt, kann dieser Künstler im bestimmten Sinne sowohl einen deutschen als auch einen sowjetisch-russischen Maler genannt werden.

Heute werden in diesem Haus die Werke von Johann Konrad Dorner präsentiert. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Skizzen der Wandgemälde in der weltberühmten Isaakskathedrale in Sankt Petersburg, die Ende nächsten Monats an die Russischen Seite als Geschenk überreicht werden sollen.

Das Leben und Wirken von Johann Konrad Dorner ist ein Paradebeispiel für eine Jahrhunderte lange und reiche Tradition der russisch-deutschen Zusammenarbeit. Ungefähr zwanzig Jahre verbrachte Johann Konrad Dorner in unserem Land und erfüllte in dieser Zeit sogar Aufträge für die Romanow-Zarenfamilie.

Zu einem Meilenstein in seinem schöpferischen Leben wurde die Teilnahme an der Ausmahlung der Isaakskathedrale in Sankt Petersburg, einem der Meisterwerke der Weltarchitektur. Nicht zuletzt dank diesen großartigen Bildern – insgesamt schuf der Maler 12 Heiligendarstellungen – wurde Johann Konrad Dorner durch die Russische Kaiserliche Akademie der Künste als „Akademiemitglied für historische Malerei“ anerkannt.

Ein weiteres bedeutsames Beispiel der guten und traditionsreichen russisch-deutschen Nachbarschaft ist die bewunderungswerte Freundschaftsgeste der Bremer, die sich entschieden haben, die Skizzen von Johann Konrad Dorner an die Isaakskathedrale zu übergeben.

Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, dass die Zeichnungen dieses herausstechenden Malers für unsere Experten von äußerst großer historischer und künstlerischer Bedeutung sind, weil sie die Entstehung des architektonischen Denkmals dokumentieren, das für alle Zeiten zu einem der Hauptsymbole der „nördlichen Hauptstadt“ Russlands wurde.

Ich bin überzeugt, dass dieses wunderbare Geschenk an Sankt Petersburg, das zudem im Rahmen der „Deutschen Woche“ überreicht wird, von der Russischen Seite mit Dankbarkeit angenommen und gebührend geschätzt wird.

Als Repräsentant der Russischen Föderation in Deutschland freue ich mich sehr, dass in den letzten Jahren in vielen Bereichen der russisch-deutschen Beziehungen und insbesondere im humanitären Bereich ein sehr hohes Niveau der Zusammenarbeit erreicht wurde. Dafür sprechen eine solche groß angelegte und erfolgreich durchgeführte gemeinsame Aktion wie die russisch-deutschen Austauschjahre 2012 und 2013 und das geplante Jahr der russischen Sprache und Literatur in Deutschland sowie das Jahr der deutschen Sprache und Literatur in Russland 2014 und 2015.

Die intensiven kulturellen Beziehungen zwischen unseren Ländern zeugen mit ihren vielfältigen Veranstaltungen von einer starken gegenseitigen Anziehungskraft sowie vom anhaltenden Interesse für Kultur, Geschichte, Sitten und Bräuche. Dank Projekten wie das heutige bereichern wir die Kenntnisse übereinander, und mit diesen Kenntnissen kommt gleichzeitig das Verständnis, dass wir unvorstellbar viel Gemeinsames, Verbindendes haben, dass unsere gemeinsame Geschichte sehr traditionsreich ist. Der sorgfältige Umgang mit der gemeinsamen Geschichte, die Popularisierung deren positiven Kapiteln, insbesondere unter Jugendlichen, hilft wie kaum etwas anderes bei der Beseitigung der nach wie vor existierenden Vorurteile und Stereotype und stärkt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Staaten und Völkern.

Erfreulicherweise geht eine Vielzahl von Initiativen zur Bereicherung der Kenntnisse übereinander und letztendlich zur Förderung der Völkerverständigung von Bundesländern, gemeinnützigen Vereinen und Privatpersonen aus. Da ich gerade in Bremen bin, möchte ich gern den Beitrag des Bundeslandes Bremen hervorheben, das seine traditionelle kulturelle Zusammenarbeit mit Sankt Petersburg und anderen nordwestlichen Regionen Russlands pflegt und fördert. In diesen Wänden ist auch zweifelsohne das Engagement des Bremer Kunstvereins zu erwähnen.

Gestatten Sie mir, zum Schluss meine tiefe Anerkennung gegenüber dem Bundesland Bremen und Herrn Hollweg persönlich auszusprechen. Diese edle Geste ist ein Beweis für die hohe Qualität der russisch-deutschen Beziehungen, aber auch für den Willen sowohl der regionalen Behörden, als auch der einfachen Bürger, die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland zu festigen.

Ich habe keinerlei Zweifel, dass die Skizzen von Johann Konrad Dorner einen würdevollen Platz in der Isaakskathedrale einnehmen und von vielzähligen Petersburgern wie auch Gästen der Newa-Stadt, der Kulturmetropole Russlands, bewundert werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

Deutsche Medien über den Besuch:

TAZ Bremen

Weser Kurier

Kreiszeitung.de

02elf Abendblatt

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