Rede des Botschafters Wladimir M.Grinin bei der Eröffnung der Ausstellung „Zarskoje Selo – die Sommerresidenz der russischen Zaren“, Zerbst/Anhalt, 25. Juni 2013

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt,

Herr Haseloff,

Sehr geehrter Herr Bürgermeister von Zerbst, Herr Dittmann,

Sehr geehrte Irina Feliksowna,

Meine Damen und Herren!

Ich freue mich sehr, in relativ kurzer Zeit bereits die zweite Gelegenheit wahrnehmen zu dürfen, um in die Stadt Zerbst zu kommen.

Diese Stadt hat der Welt eine der größten historischen Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts gegeben, Sophie Charlotte Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die später russische Kaiserin Katharina die Zweite, Katharina die Große wurde. Während meines letzten Besuchs in Zerbst wurde hier eine touristische Route zum Andenken an Katharina eröffnet. Heute steht eine Ausstellung zur Eröffnung an, die im Stammdomizil der künftigen russischen Kaiserin über ihre Lieblingsresidenz – Zarskoje Selo – berichten wird. Ich bin sehr erfreut über die heutige Ausstellungseröffnung, denn ich sehe, wie Zerbst sich zunehmend aktiv in den russisch-deutschen Kulturaustausch insbesondere durch seine Partnerschaft mit der russischen Stadt Puschkin einbringt.

Das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland ist von einer langen Reihe sehr eng gewachsener historischer Verbindungen geprägt. Diese wirken sich wohltuend auf die aktuelle Partnerschaft beider Länder aus. Ein wunderbares Zeugnis davon waren zahlreiche und vielfältige Veranstaltungen im Rahmen der Jahre Russlands in Deutschland und Deutschlands in Russland 2012 – 2013, die demnächst zu Ende gehen.

Doch wenn man sich die historische Verbindung zwischen dem Schloss in Zerbst und dem in Zarskoje Selo und ihre historische Tragweite für den Gesamtkontext unserer Beziehungen genauer anschaut, so wird man überzeugt sein, dass sie durch eine immense Symbolkraft und eine immense belehrende Kraft herausstechen. Wie kaum andere Objekte, die für unsere gemeinsame Geschichte von Bedeutung sind, führen sie uns vor Augen, was gute Verbindungen, Eintracht und Zusammenarbeit unseren Ländern bringen können, und was alles durch Feindseligkeit und Hass ausgelöst werden kann. Die Lehren des Zweiten Weltkriegs dürfen wir nie vergessen.

Die Bilder der Ausstellung zeigen, wie leicht und schnell das Schöne, das über Jahrhunderte geschaffen wurde, zerstört werden kann und wie schwer sich die Schönheit und Harmonie zurückerlangen lassen. Der Schmerz von der Erkenntnis unsäglicher Menschenopfer und Leiden, die der Zweite Weltkrieg verursacht hat, der Schmerz von der Zerstörung und Ausplünderung hervorragender Kunst- und Architekturwerke geben uns eine Antwort auf die Frage, warum der dornenreiche Weg zur Versöhnung unserer Völker so sensibel und kompliziert war. Hinzu zählen wir auch die Problemkreise der Kriegsgräberfürsorge und der verbrachten Kunst.

Wir dürfen keinen geringsten Vorwand bieten, diese Gefühle zu missachten oder sie aufzustöbern, die Bedeutung des Vertrauens, der freundschaftlichen Atmosphäre in unseren Beziehungen zu übersehen, insbesondere aus fragwürdigen Motiven.

Gleichzeitig dient uns Zarskoje Selo als anschauliches und lehrreiches Beispiel dessen, wie Russland und Deutschland schwierigste Fragen der verschollenen Kunstschätze meistern können. Dank dieser wunderbaren Zusammenarbeit, in die Künstler, Kunstwissenschaftler, Politiker, Diplomaten und Geschäftsleute involviert waren, konnte man zum Beispiel das Bernsteinzimmer Friedrichs des Ersten unter Einsatz von Originalfragmenten wiederaufbauen, die in Deutschland gefunden worden waren. Obwohl die Hoffnungen, das echte Bernsteinzimmer einmal zu finden, bei uns noch nicht erloschen sind.

Eine sehr positive Beurteilung verdient ein Projekt, das im vorigen Jahr von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Kulturstiftung der Länder angeregt wurde. In seinem Rahmen wird nach Kunstschätzen gesucht, die infolge der deutschen Besatzung der sowjetischen Gebiete verschollen sind. Eines der wichtigsten Forschungsobjekte ist eben das Staatliche Schlossmuseum Zarskoje Selo.

Ich lade Sie alle zur Ausstellung über Zarskoje Selo ein, über die Schatzkammer der russischen Kunst. Es gibt kaum einen anderen Ort bei St. Petersburg, der einen so großen Widerhall in der Lyrik, Prosa und der bildenden Kunst gefunden hat. Denn hier begann der berühmte russische Lyriker Alexander Puschkin sein künstlerisches Wirken.

Ich würde deshalb gerne mein Grußwort mit Strophen aus seinem Gedicht „Zarskoje Selo“ abschließen.

Du Hort des Herzgefühls, der Freuden, die verflogen,

dem Waldessänger war dein Geist schon lang gewogen,

Mach, oh Erinnerung, dass sich vor mir erhebt

Der schöne Zauberort, wo meiner Seele lebt

Meine tiefe Anerkennung gilt den Organisatoren der Ausstellung und allen Sponsoren. Ihnen allen wünsche ich weiterhin viel Erfolg.

 
26.06.2013

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