Einleitung des Botschafters der Russischen Föderation Vladimir V.Kotenev bei den Gesprächen in der Botschaft über die Vorbereitung zum auf der 65. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges

Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

sehr geehrter Herr Vizepräsident des Abgeordnetenhauses von Berlin,

Exzellenzen,

sehr geehrte Vertreter der Zivilgesellschaft,

meine Damen und Herren,

liebe Freunde,

Ich danke Ihnen, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind, in der Russischen Botschaft Gedanken und Anregungen zur Vorbereitung zum 65. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges auszutauschen. Vor 2 Monaten hatten wir hier bereits eine lebhafte und meines Erachtens auch fruchtbare Diskussion zu diesem Thema geführt. Nun möchten wir den Dialog fortsetzen und vielleicht auch eine Zwischenbilanz ziehen.

Zunächst ein paar Worte darüber, was die Russische Botschaft in der Zwischenzeit auf diesem Gebiet getan hat.

Wie ich damals angekündigt habe, begannen wir mit der gemeinsamen Kranzniederlegung am 31. Januar in Kienitz an der Oder. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Herrn Grund, Landrat des Landkreises Märkisch –Oderland, und Herrn Böttcher, Bürgermeister der Gemeinde Letschin, sowie allen Kienitzern für die Wahrung und Pflege der russischen Denkmäler danken.

Am 5. Februar hat der russische Außenminister Sergej Lawrow in diesem Hause im Namen des Präsidenten der Russcischen Föderation vier deutschen Antifaschisten, den ehemaligen Angehörigen der Roten Armee, feierlich die Medaille «65 Jahre Sieg im Großen Vaterländischen Krieg» sowie die Auszeichnung des russischen Außenministeriums «Für den Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit» überreicht.

Wie ich bereits bei unserem ersten Treffen im Januar sagte, ist der Tag des Sieges über den Faschismus ein Datum, das für die allermeisten Russen heilig ist. Entsprechend feierlich und bewegend soll in der Russischen Föderation der 65. Jahrestag des Kriegsendes begangen werden. Für die Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten wurde das Organisationskomitee «Pobeda» (der Sieg) gegründet. Den Vorsitz hat Präsident Dmitrij Medwedew persönlich übernommen. Seine Stellvertreter in diesem Gremium: 1. Stellvertretender Ministerpräsident Sergej Iwanow, Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow, Stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma Nadeschda Gerasimowa, erster Stellvertretender Vorsitzender des Föderationsrates Alexander Torschin und Vorsitzender des gesamtrussischen Kriegsveteranenverbands A.Jefimov. Weitere Mitglieder dieses Komitees sind unter anderem Kulturminister Alexander Awdejew und Moskauer Bürgermeister Jurij Lushkow. Außerdem wurde eine Reihe ähnlicher Komitees in russischen Regionen eingesetzt.

Morgen, am 26. März, findet in Moskau eine turnusmäßige Tagung der Außenminister der GUS-Länder statt. Auch dort wird das bevorstehende Jubiläum im Mittelpunkt stehen. Es steht schon fest, dass am 8. Mai, also am Vorabend der zentralen Gedenkveranstaltungen, in Moskau ein informelles GUS-Gipfeltreffen stattfindet, das diesem würdigen Anlass gewidmet wird. Die Staatsoberhäupter der Republiken der ehemaligen UdSSR haben vor, die Bedeutung des Zusammenhaltes der Völker des multinationalen Staates in ihrem heldenhaften Kampf gegen die Nazibarbarei und für die Freiheit hervorzuheben, den Kriegsveteranen für ihren Beitrag zum gemeinsamen Sieg zu danken, und auf die Notwendigkeit der Erziehung der jungen Generation im antifaschistischen und demokratischen Geiste hinzuweisen. Dies wurde auf dem GUS-Gipfel im Oktober 2009 in der Republik Moldau beschlossen. Dort wurde auch das Jahr 2010 zum «Jahr der Veteranen des Grossen Vaterländischen Krieges» erklärt. Die Veranstaltungen in den GUS-Ländern werden unter dem Motto «Wir haben gemeinsam gesiegt» laufen.

Ein Monat früher, am 8. April, wird in Moskau die internationale Konferenz «Der Sieg über den Faschismus 1945: seine Bedeutung für die Völker der GUS-Länder und die Welt» veranstaltet.

Die zentralen Gedenkveranstaltungen mit einer Siegesparade auf dem Roten Platz finden in Russland traditionsgemäß am 9. Mai statt. An diesen Feierlichkeiten sollte eine ganze Reihe ausländischer Staatsoberhäupter teilnehmen. Darüber hat auch Präsident Medwedew am 25. Februar in seinem Telefonat mit der Bundeskanzlerin Merkel gesprochen.

Nun zu unseren Vorhaben in der nahen Zukunft.

Wie am 27. Januar angekündigt, beabsichtige ich, eine Pressekonferenz zum heutigen Thema in der zweiten Hälfte Aprils in der Botschaft abzuhalten.

Vom 19. bis 23. April wird eine Delegation der Russischen Akademie der Geschichtswissenschaften Deutschland besuchen und ihr neues Vorhaben präsentieren. Es handelt sich um Herausgabe von vielbändigen Studien über Grossen Vaterländischen Krieg, die auf Erinnerungen von Veteranen basieren.

Wir haben die Einladungen zu mehreren Gedenkveranstaltungen dankend angenommen, darunter am 23. April bei Riesa auf dem größten Friedhof sowjetischer Kriegsgefangener Zeithein und am 8. Mai am Sowjetischen Ehrenmal Schönholzer Heide in Pankow.

Unsererseits laden wir unsere Partner herzlich zum Gedenkfeier an sowjetischen Ehrenmälern im Treptower Park und in Tiergarten und zum Empfang in der Russischen Botschaft am 7. Mai ein.

Meine Damen und Herren,

Wie bei unserem letzten Treffen kann ich ein unangenehmes Thema nicht aussparen. Während wir uns darüber austauschen, wie wir den 65. Jahrestag der Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Tyrannei würdig begehen, bereiten sich auch Neonazis, Holocaustleugner und sonstige Geschichtsfälscher auf ihre eigene Weise auf dieses Datum vor. Es kommt immer wieder zu Provokationen, die leider von den Regierungen mancher EU-Länder toleriert werden. So wurde am 16.März in Riga eine Demonstration von ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS genehmigt, die mit wehenden Fahnen durch die Stadt gehen durften.

Hierzu möchte ich aus der jüngsten Erklärung des Arbeitskreises Mittel- und Osteuropa zitieren: «Die Schändung antifaschistischer Gräber und Denkmäler, die Verfolgung ehemaliger Partisanen, die Glorifizierung von faschistischen Kollaborateuren in einigen Staaten, die verbreiteten Lügen sind Zündstoff für neue Konflikte und gefährdeten die Sicherheit in der Welt». Dem kann ich nur beipflichten und alle realistisch denkende Menschen, demokratische Parteien, und die Zivilgesellschaft zur Wachsamkeit aufrufen. Dies sind wir den Überlebenden und den Hinterbliebenen der Opfer des Krieges schuldig.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.
30.03.2010

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