Außenministers Russlands Sergej Lawrow

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zunächst möchte ich alle Teilnehmer der internationalen Konferenz begrüßen, die dem interkulturellen Dialog im Raum der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten gewidmet ist. Ich wünsche Ihnen fruchtbare Arbeit.

In unserer globalisierenden Welt stellt die Kultur in der breiten Bedeutung dieses Wortes eine starke Ressource dar. Sie kann zur Lösung von außenpolitischen Aufgaben jedes Landes beitragen. Sie kann die Zahl der Freunde mehren und sogar Propagandafeldzüge und Informationskriege abwehren. Kulturelle Beziehungen bieten einzigartige Möglichkeiten für den Verkehr der Völker.

Es ist klar, dass die kulturelle und konfessionelle Mannigfaltigkeit der Welt immer größere Einwirkung auf die Bildung des modernen polyzentrischen Systems der globalen Verwaltung hat. Man kann sagen, dass sie den Vektor ihrer Entwicklung bestimmt. Zum Gebot der Zeit wird die Verständigung von Kulturen und Konfessionen, und die ist unmöglich ohne Koexistenz der Kulturen und religiösen Traditionen, ohne Anerkennung der Vielfalt der Entwicklungsmodelle und gleicher Rechte für unterschiedliche Wertsysteme. Kurz und gut, infolge der Globalisierung müssen wir uns für die Toleranz und Anpassung von Kulturen, für die Entideologisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen entscheiden.

Einerseits setzt die Globalisierung die gegenseitige Durchdringung und Bereicherung der nationalen Kulturen voraus, andererseits kann sie aber die kulturelle Eigenart der Länder und Völker gefährden. Infolgedessen erwerben kollektive Handlungen für die Aufnahme des interkulturellen Dialogs eine besondere Bedeutung, wobei auch Ressourcen und Möglichkeiten  verschiedener internationaler Strukturen, Institute der Zivilgesellschaft, religiöser Organisationen genutzt werden müssen. Der harmonische interkulturelle Dialog ist nicht nur ein wirksames Instrument für die Milderung der Differenzen zwischen den Staaten, sondern auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für die stabile nationale Entwicklung, für die Schaffung des notwendigen Sicherheitsniveaus und des Wohls jedes Staates.

Im interkulturellen Dialog spielen Fragen der Bildung, der Jugendpolitik, der Medien und der Migration die vorrangige Rolle, und für die GUS-Staaten darüber hinaus alles, was mit dem gemeinsamen Kulturerbe verbunden ist. Die Entwicklung der internationalen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit als ein Mittel für die Aufnahme des Dialogs der Kulturen, für die Verständigung und das Einvernehmen der Völker gehören zu den wichtigsten Aufgaben der russischen Diplomatie. Das ist in dem vom Präsident Dmitri Medvedev genehmigten neuen außenpolitischen Konzept der Russischen Föderation festgelegt.

Von besonderer Bedeutung ist die humanitäre Zusammenarbeit im Raum der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Die Beziehungen zu diesen Ländern stellen unsere wichtigste außenpolitische Priorität dar. Gerade deshalb begrüßen wir die Initiative des Zwischenstaatlichen Fonds für humanitäre Zusammenarbeit der GUS-Staaten, diese Konferenz zu veranstalten. Wir halten es unter den heutigen Bedingungen für äußerst aktuell, zumal dieses Thema im Rahmen der GUS in diesem Format zum ersten Mal erörtert wird.

Innerhalb einer relativ kurzen Arbeitszeit hat der Fonds überzeugend bewiesen, dass er wichtig ist. Er ist zu einem wirksamen Instrument der gegenseitig vorteilhaften Zusammenarbeit in den GUS-Staaten im Bereich der Wissenschaft, der Bildung, der Kultur, des Sports, der Jugendaustausche sowie auf anderen Gebieten geworden. Wir sehen, dass er immer systemhafter arbeitet und auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet ist. Es gibt schon wichtige praktische Ergebnisse.  Es gibt zahlreiche Projekte, die im Rahmen der Zusammenarbeit umgesetzt wurden. Mehrere sind traditionell. Es ist auch natürlich, dass er durch den Rat für humanitäre Zusammenarbeit der GUS-Staaten, der heute eine wichtige koordinierende Rolle in diesem Bereich spielt, aktiv unterstützt wird.

Die GUS-Staaten haben im interkulturellen Dialog viele Erfahrungen gesammelt und können unseren internationalen Partnern einiges vermitteln. Unsere Beziehungen zu den GUS-Partnern sind vom gegenseitigen Vorteil. Ihnen zugrunde liegen jahrhundertelange Traditionen der gemeinsamen Geschichte, des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, enge Beziehungen zwischen den Menschen. Und sie bieten uns die einzigartige Möglichkeit, die humanitäre Zusammenarbeit auf Grund von Erhaltung und Erweiterung unseres gemeinsamen kulturellen und konfessionellen Erbes zu entwickeln. In der Zeit der Globalisierung ist es eine der wichtigen Ressourcen nicht nur der GUS, sondern auch jedes ihrer Teilnehmerstaaten.

Die heute zu behandelnden Themen sind von besonderer Bedeutung im Kontext unserer gemeinsamen Aktivitäten im humanitären Bereich. Es geht vor allem um die Erweiterung des Zugangs der Jugendlichen zum gemeinsamen Kulturerbe der Länder der Gemeinschaft und die Entwicklung der Kontakte im Bereich der Bildung.

Ausgerechnet von der jungen Generation hängt die weitere erfolgreiche Entwicklung unserer Länder ab, u.a. die Erhaltung und Festigung von Beziehungen und der gegenseitigen Verständigung zwischen ihnen.

Wie bekannt wurde dieses Jahr in der GUS zum Jahr der Jugend erklärt. Im Hinblick auf den komplexen und langfristigen Charakters der Aufgaben in der Jugendpolitik wird die Arbeit in diesem Bereich auch im nächsten Jahr fortgesetzt, das in der GUS zum Jahr der Wissenschaft und Innovationen und zum Jahr der Veteranen des Zweiten Weltkrieges erklärt wird. Russland ist gewillt, im Laufe seines GUS-Vorsitzes 2010 dies mit der ganzen Kraft zu fördern. Zu unseren Plänen gehört die Erarbeitung und Genehmigung der Strategie für die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit der Jugend der GUS-Staaten. Deshalb werden wir Vorschläge zu ihrer inhaltsreichen Füllung begrüßen.

Von großer Bedeutung für den interkulturellen Dialogs ist die Bildung. In seinem neulichen Schreiben an die G20-Leader hat UNESCO-Generaldirektor Koichira Matsuura gerade dem Thema der Bildung große Aufmerksamkeit geschenkt. In diesem Zusammenhang betont Präsidenten Medvedev in seiner Antwort, dass die russische Seite die These teilt, dass Bildung und Wissenschaft die wichtigsten Grundlagen für die Festigung der Stabilität und den dauerhaften Frieden sind. Die Regierung der Russischen Föderation will an die Weltbank bedeutende Mittel überweisen, um das Programm „Bildung für alle“, u.a. in den GUS-Staaten, umzusetzen.

Die Staaten der Gemeinschaft weisen im Bereich der Bildung eindeutige Erfolge auf. In der GUS wurde die entsprechende vertragsrechtliche Basis geschaffen. Aber es muss noch viel gemacht werden. Es gibt viele Hindernisse auf dem Weg zum gemeinsamen Bildungsraum. Das sind die sich vertiefende Differenzierung der nationalen Bildungssysteme, nicht ausreichende Finanzierung der humanitären Bereiche, die Politisierung beim Unterrichten einiger humanitären Fächer, sogar eindeutige Versuche, die Geschichte zu verfälschen. Das kann nur zusammen überwunden werden. Wir werden es mit allen Kräften unterstützen.

Wir sind gewillt, unserer humanitären Zusammenarbeit einen ernsten Impuls zu geben. Wir sind zur Behandlung der neuen Initiativen und Vorschläge bereit. Man könnte zum Beispiel ein Jahr zum Jahr des interkulturellen Dialogs in der GUS erklären.

Ich bin überzeugt, dass die heutige Konferenz zu einem wichtigen praktischen Schritt bei der Stärkung des Zusammenwirkens im humanitären Bereich im GUS-Raum, und dass die Erörterung der Fragen des interkulturellen Dialogs in der GUS fortgesetzt wird.

Danke für die Aufmerksamkeit.
23.06.2009

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