Ansprache des Botschafters der Russischen Föderation, S.E. Vladimir V. Kotenev bei der Präsentation der Beleuchtungsanlage des Sowjetischen Ehrenmals in Tiergarten, Berlin, 29. April 2008

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,

sehr geehrte Kriegsveteranen,

Exzellenzen,

sehr geehrter Herr Parfenov,

liebe Freunde,

63 Jahre sind seit dem Ende des zweiten Weltkrieges vergangen. Trotzdem sind die schrecklichsten Ereignisse jener Zeit, das unermessliche Leid, das Millionen Menschen auf unserem Kontinent widerfahren war, nicht in Vergessenheit geraten.

Für den Sieg über den Nationalsozialismus haben die Völker verschiedener Länder, vor allem die Sowjetunion, aber auch Deutschland selber, einen großen Preis gezahlt – den Preis von vielen Millionen Menschenleben.

Die Ereignisse jener grausamen Jahre scheinen allmählich in die Vergangenheit zu geraten. Manchmal erscheinen sie sogar als etwas Unrealistisches. In unseren alltäglichen Sorgen sind wir oft in Versuchung, all das loszuwerden, was seelische Bitternis und Missbehagen in sich trägt.

Aber wir haben kein moralisches Recht dazu und wir dürfen nicht dieser Versuchung zur Gleichgültigkeit nachgeben. Unsere heilige Pflicht vor uns selbst und unseren Nachfahren war, ist und bleibt, die tragischen Ereignisse in unserer Erinnerung sorgfältig zu bewahren und ihre Opfer zu ehren. Das wird von uns nicht als allgemeinmenschliche, sondern auch als direkte politische Aufgabe betrachtet.

Gleichzeitig empören uns die Versuche des lästerlichen Umgangs mit dieser Erinnerung, das Ansinnen, einen unmoralischen Kampf gegen Kriegsgräber der sowjetischen Soldaten zu führen, die Bewertung und die Ergebnisse des II. Weltkrieges zu revidieren und die Rolle unseres Landes, der Alliierten, bei der Zerschlagung des Faschismus herabzusetzen.

Ich bin überzeugt, dass das gemeinsame Vorgehen Russlands und Deutschlands bei der Erhaltung der historischen Erinnerung an die Bedeutung des Sieges über dem Faschismus, als ein positives Signal für die internationale Gemeinschaft dienen muß.

Seit dem Kriegsende haben das russische und das deutsche Volk einen langen Weg zurückgelegt, von der Feindschaft und gegenseitigen Ablehnung über vorsichtige Annäherung und wachsendes Vertrauen bis zur strategischen Partnerschaft, die unsere beiden Länder heute verbindet.

Das kann man am Beispiel des fürsorglichen Umgangs mit sowjetischen Kriegsgräbern und Gedenkstätten auf deutschem Boden erkennen. In den letzten Jahren haben die Städte und Gemeinden in Deutschland zahlreiche Ehrenmale und Kriegsgräber instandgesetzt, wofür wir der Bundesregierung, dem Berliner Senat, dem Deutschen „Volksbund Kriegsgräberfürsorge“, vielen kommunalen Behörden und freiwilligen Helfern dankbar sind.

Aber immer wieder sind es private Unternehmen, die sowohl in Russland, als auch in Deutschland tätig sind, die Ihre Bereitschaft erklären, einen Beitrag zur Pflege der Ehrenmale zu leisten.

Heute sind wir hier, um die festliche Einweihung der mit der finanziellen Unterstützung der russischen Unternehmensgruppe „Komplex-Oil“ und deren Präsidenten, Herrn Dmitry Parfenov, instandgesetzten Beleuchtung des Sowjetischen Ehrenmals in Tiergarten zu feiern.

Gestatten Sie mir, dem Berliner Senat, der Unternehmensgruppe „Komplex-Oil“ und deren Präsidenten, Herrn Dmitry Parfenov, allen beteiligten deutschen Organisationen für die Pflege dieses Ehrenmals einen aufrichtigen Dank auszusprechen.

Ich danke Ihnen allen, die am heutigen Abend hier, in Tiergarten, mit uns zusammen sind. Wir empfinden Ihr Erscheinen als Ausdruck der Solidarität und des Willens zur gemeinsamen Aufbauarbeit für ein stabiles, sicheres und menschenwürdiges Europa in all seiner Vielfalt von Nationen, Kulturen, Denk- und Lebensweisen.

Ich danke Ihnen.
14.05.2008

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