Ansprache des Botschafters der Russischen Föderation, S.E.Vladimir V.Kotenev, beim parlamentarischen Abend der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt des Deutschen Bundestages in der Russischen Botschaft, 8.April 2008

Sehr geehrter Herr Rossmanith,
Sehr geehrte Frau Wöhrl,
Sehr geehrter Herr Gante,
meine Damen und Herren,

ich begrüße ganz herzlich alle Gäste der Russischen Botschaft: Mitglieder der Parlamentsgruppe „Luft- und Raumfahrt“, Unternehmer und Medienvertreter.

Ich freue mich, dass unser heutiges Treffen, wo Luft- und Raumfahrt im Mittelpunkt steht, hier in unserem Russischen Palais Unter den Linden stattfindet. In der russischen Geschichte hat die Erschließung des Luft- und des Weltraums einen ganz besonderen Stellenwert.

Der erste künstliche Erdtrabant, der das russische Wort „Sputnik“ überall in der Welt vertraut machte, der erste Mensch im All, die erste bemannte Weltraumstation, viele Innovationen im Flugzeugbau – all das sind die Verdienste Russlands, Ergebnis des Fleißes und des zuweilen kolossalen Einsatzes seines Volkes. In der Sowjetzeit ist die Luft- und Raumfahrt in unserem Land zu einer wahrhaft mächtigen und technologisch fortschrittlichen Wirtschaftsbranche geworden. So bleibt sie auch heute, trotz aller Strapazen, die sie in den 90er Jahren durchmachen musste.

Nach einer schwierigen Periode des Übergangs von der Plan- zur Marktwirtschaft begann Russland seine Positionen in vielen Wirtschaftszweigen aktiv zurückzuerobern.

Auch deutsche Unternehmer und Volkswirte haben diese positiven Tendenzen, vor allen Dingen den wachsenden Wohlstand und die Kaufkraft der russischen Bevölkerung, längst erkannt. Wir sprechen von einem Markt mit 143 Millionen Verbrauchern, die bei stetig steigenden Reallöhnen und wachsendem privaten Konsum zunehmend Waren und Dienstleistungen westlicher Qualität nachfragen. Deutsche Unternehmen konnten ihre Ausfuhren nach Russland in nur wenigen Jahren verdoppeln und exportieren heute Produkte wie Maschinen, Anlagen und chemische Erzeugnisse, mit denen sie maßgeblich zur Modernisierung der russischen Wirtschaft beitragen.

Im Jahr 2007 konnten wir mit Genugtuung feststellen, dass der russisch-deutsche bilaterale Handelsumsatz einen neuen Rekordwert von etwa 56 Milliarden Euro erreichte. Obwohl der Großteil des bilateralen Handelsumsatzes nach wie vor auf die russischen Lieferungen von Energieträgern nach Deutschland entfällt, ist in der letzten Zeit jedoch dessen Diversifizierung vorangeschritten. Projekte auf den Gebieten wie IT, Logistik und Transport, Kommunalwirtschaft, Automobil- und Zulieferindustrie, und, was uns besonders erfreut, in der Luft- und Raumfahrt, belegen das eindrucksvoll.

Ein prägnantes Beispiel der erfolgreichen Kooperation im Bereich des Lufttransports ist zweifelsohne die Tätigkeit des Unternehmens «Ruslan SALIS». Ich will dabei der Präsentation des Projektes nicht vorgreifen. Eine andere russische Fluggesellschaft, „Poljot“, die auch über eine beachtliche Flotte von schweren Transportflugzeugen verfügt, führt Schwerlasttransporte für den Airbus-Konzern aus.

Ein anschauliches Beispiel der gegenseitig vorteilhaften Kooperation ist auch die aktive Beteiligung der deutschen Unternehmen an der Entwicklung der neuen russischen Mittelstreckenpassagiermaschine „Super Jet 100“ und die Pläne der Zertifizierung des größten Feuerlöschflugzeuges der Welt „Be 200“.

Es gibt auch gegenseitige Investitionen im Bereich Luft- und Raumfahrt. So ist der europäische EADS-Konzern am russischen Flugzeugbauer „Irkut“ beteiligt. Russische Investoren haben ihrerseits eine Minderheitsbeteiligung an EADS.

In weniger als zwei Monaten steht ein bedeutendes Ereignis bevor: Ende Mai findet die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA-2008 in Berlin statt. Wie vor zwei Jahren ist zu diesem Event eine beachtliche russische Delegation zu erwarten. Der gemeinsame russische Stand, wo Produkte der Firmen vertreten werden, die zur Vereinten Flugzeugbaukörperschaft OIK gehören, wird zu den größten auf der gesamten Ausstellung werden. Eine gute Nachricht für uns ist auch, dass Russland seit diesem Jahr den Status eines vorrangigen Partnerlandes der ILA genießt.

Es darf in diesem Kontext ein Problem nicht unerwähnt bleiben, nämlich unsere Zusammenarbeit mit der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa AG. Diese Kooperation war immer gut und gegenseitig vorteilhaft. Die Maschinen mit dem Kranich-Emblem fliegen mehrere russische Flughäfen seit Jahrzehnten an. In der letzten Zeit ist jedoch leider festzustellen, dass sich unsere deutschen Partner immer häufiger bemühen, übliche Geschäftsfragen durch politische Instrumentalisierung zu lösen. Es wird hierzulande versucht, der russischen Seite pauschal und unbegründet die Schuld zuzuweisen. Dabei entsteht ein verzerrtes und negatives Bild Russlands, was aus unserer Sicht absolut inakzeptabel ist. Ob so etwas zur Lösung bestehender Probleme beiträgt? Wohl kaum. Ich möchte in diesem Zusammenhang meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die politische Vernunft und der gesunde Menschenverstand doch vor Spekulationen gehen werden.

Trotz der bereits gut ausgebauten Basis der bilateralen Kooperation glauben wir, dass das Potential der russisch-deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, besonders im Hi-Tech-Bereich, längst nicht ausgeschöpft ist. Die heutige konsequente Entwicklung unserer Beziehungen lässt allerdings hoffen, dass die Kooperation auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt ein qualitativ neues Niveau erreichen kann.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, anregende Diskussionen und viel Erfolg in allen Ihren Anliegen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
09.04.2008

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